smoke weed every day

Die Prohibition des Grases

Zehn Jahre maschinenhaftes Kiffen. Zehn Jahre Marihuana-Lifestyle und plötzlich bin ich alt und langweilig. Jakob Schrenk schreibt in der Neon: „Die Legalisierung ist das Einzige, was gegen den globalen Cannabisboom helfen kann. Wenn WMF mit Swarovski-Kristallen besetzte Wasserpfeifen herstellt und Manufactum uralte handgearbeitete bayrische Schillums wiederentdeckt, wenn Stiftung Warentest vor Hasch aus Billiglohnländern warnt und die Bild-Zeitung Volksgras vertickt, dann, ja, dann merken die Millionen deutscher Kiffer endlich, wie uncool ihr Hobby doch ist.“ Bei den bayrischen Schillums schnaufte ich laut. Ich könnte mir jetzt einreden, dass ich mit dem Kiffen aufgehört habe, weil es Mainstream wurde. Aber dann müsste ich mich auch mal rasieren. Aber der Junge hat völlig recht. Ich glaube das viele Kiffer dieses Rebellentum pflegen. Für Opium oder Crack sind wir zu sehr Mittelschicht, aber ein bisschen Illegalität ist doch spannend und irgendwie cool.

Werde ich wohl meinen Enkeln mal erzählen, dass ich in der Prohibition des Grases lebte? Und werden sie mich ungläubig anschauen und fragen, warum man dieses Kraut wohl illegal erklärte, während sie Gras in ihren Elektro-Vaporistaor bröseln? Wir werden sehen. Es ist jetzt eine Woche her, dass ich meine Abstinenz durchbrach und einen kleinen Rausch erlebte. Es macht mir Mut, dass mich das in keiner Weise auch nur einen Schritt zurückgeworfen hat. Und ich möchte euch auch Mut machen. Wir sind keine Kiffoholiker, die nie wieder einen Joint auch nur schnüffeln dürfen, da wir sonst sofort wieder hooked sind. Das ist quatsch. Ich bin nach wie vor gefährdet, aber das Jahr hat wirklich was verändert. Ich bin ausgebrochen aus diesem Kreislauf des immer wiederkehrenden letzten Joints.

Und jetzt bin ich ein Langweiler, der Geschichte aus seiner „wilden“ Jugend erzählt. Ich bereue nichts und das soll auch nicht traurig klingen, aber es fühlt sich ein bisschen so an. Ich war hip und voll anti. Mein Gekiffe war Rebellentum und ein Statement gegen den Mainstream. Ich habe das nie versteckt, Freunde, Bekannte, meine Familie und auch meine Arbeitgeber wussten, dass ich kiffe. Das ich nicht mehr kiffe habe ich niemandem erzählt. Schäme ich mich etwa dafür, dass ich dieses Laster aufgegeben habe. Ich höre noch immer HipHop, ich freue mich, wenn ich einen Kiffer irgendwo mit kleinen Augen hocken und grinsen sehe: ich bin Pro-Kiff irgendwie. Ich mache es nur nicht mehr. Aus Gründen, die für mich logisch und konsequent sind.

Kiffen bremst. Scheiße, ja: es macht träge und faul und auch antriebslos. Ich könnte, und habe früher auch, stundenlang dagegen argumentieren. Ich war auch bekifft aktiv, habe völlig stoned Dinge gebaut und bin unterwegs gewesen. Aber das sind leider Momentaufnahmen. Ich bin kein Künstler, der seinen Unterhalt mit Kreativität verdient und es sich leisten kann wochenlang ein bisschen neben sich zu stehen. Ich brauche Frische im Kopf. Und das ist schwer mit einem verkleisterten Gehirn.

Ich werden Abstinent bleiben. Das macht das Leben nicht einfacher, oder toller, oder langweiliger. Es ändert eigentlich gar nichts. Aber ich sehe mich und mein Leben heute klarer, als früher. Früher war einfach alles besser. Oh Gott, ich meine das sogar ernst. Ich will nicht „alt“ werden.

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Rückfall vs. Schicksal

Es ist also passiert. Ich habe am Freitag gekifft. Naja, ich habe dreimal an einem Joint gezogen. Aber natürlich zählt das. Und ich kann euch sagen, meine Fresse, war ich stoned. Mit am Zaun festhalten und allem.

Aber um eins gleich vorwegzunehmen: es ist bei diesem Joint geblieben. Die Sucht scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die sie die vielen Jahre hatte. Am nächsten morgen war alles, wie „neu“ gewohnt. Ich habe keinen inneren Drang gespürt, gleich wieder das Telefon in die Hand zu nehmen und Gras zu organisieren. Ja, ich hatte Angst, dass es so kommt. Aber scheinbar hat sich über das abstinente Jahr doch eine Veränderung ergeben. Das ist gut.

Wie ist es zum Kiffjoint gekommen?

Das Schicksal. Ganz einfach. Ich war auf einer Party und nach ein paar kleinen Bieren und drei Schnaps fragt mich ein Freund – nein, mein bester Freund Elvis – ob ich noch immer hinters Zelt gehe? „Nein, eigentlich tue ich das nicht mehr, aber lass ma machen„, war meine Antwort. Dazu muss ich sagen, dass wir zwei superdicke waren, bis ich vor etwa 30 Monate den alten Homie-Kodex ein bisschen verbogen habe, indem ich ein Mädchen, das er verehrte selbst begehrte. Ich war egoistisch, aber das ist eine ganz andere Story.

Zuvor haben wir zwei das erst mal seit eine Ewigkeit wieder miteinander gesprochen und ich bin megafroh, dass es so kam. Ich wollte die Nähe und hatte ich auch Lust einen J mit ihm zu teilen. Das haben wir unzählige Male getan. Wir waren Brüder im Geiste und das hat mir gefehlt. Also haben wir uns hinter das Zelt geschlichen und still und leise einen Sticky geteilt, der mich nach Mexiko befördert hat. Nicht absturzstoned, aber schon ganz schön hart. Mit weichen Knien hielt ich mich am Zaun fest, war gleichzeitig dicht und happy, dass Elvis und ich uns wieder ein Stück näher kamen.

Natürlich wäre der Joint dafür nicht nötig gewesen. Aber, wie gesagt: Schicksal. Wir haben uns kurz ausgetauscht, wie wir die letzten Jahre verbracht haben. Er war nie derart süchtig, wie ich es war, aber er kifft noch. Wir haben uns verabredet ein paar Tage zusammen zu verbringen und es bedeutet unheimlich viel für mich. Ich habe Mist gebaut und er hat jedes Recht mir nicht zu verzeihen, aber es scheint, als könnte das passieren.

Was jetzt?

Meine Einstellung hat sich verändert. Die Sorge, dass ich gleich wieder in ein Loch falle, nur weil ich einmal ein bisschen high war, hat sich als übertrieben dargestellt. Ich fühle mich nicht anders, wie in den letzten 12 Monaten und dieser halbe Joint wird nichts an meinem Plan ändern, ein kifffreies Leben zu führen. Aber ich habe auch gespürt, warum ich so gern kiffte. Den Anflug von Kreativität, Emotionalität und Lockerheit konnte ich spüren.

Mein Tagebuch wird weitergehen. Es gibt noch zu viele Geschichten zu erzählen. Schöne und Schreckliche – lustige und traurige. Ich bin wieder bei null. No Biggedy, aber der Plan steht. Ich will nie wieder zurück zum täglichen Kiffen und ich will auch nicht diese halben Joints zur Regelmäßigkeit machen.

Ich bleibe aufmerksam und wach. Danke Elvis, danke euch,
Fette Grüße, euer Franzl.

Statusbericht: 10 Monate

Marilize Legajuana

Zehn Monate. Zur Feier des Tages ein Zitat vom Ten Guy: „Marilize Legajuana“! Hab ich wohl auch mal einen dummen Tenguy-Spruch rausgehauen? Ich hab mich immer für relativ clever und kultiviert gehalten in meiner langen Kiffer-Phase. Aber ich fürchte viele der bekifften Diskussionsgruppen über Krieg und Frieden waren nicht so „deep“, wie wir uns das damals einbildeten.

Ich habe Abstand gewonnen zu dieser Zeit. Zehn Monate bin ich jetzt raus und über diese Zeit hat sich meine Haltung zum Kiffen ständig verschoben. Es begann mit Trauer über den Abschied. Danach folgte Ärger über die verpasste Zeit. Später ein bisschen Hass auf das Kraut und meine Sucht. Dann wieder ein wenig Wehmut nach der Einfachheit des bekifften Lifestyles. Es folgen bestimmt noch ein paar Phasen, bis ich die Sache wirklich neutral betrachten kann. Aber ich bin auf jeden Fall entspannt. Die Erinnerung an mein oberstonedtes Ich bringt mich zum Lachen. Weil ich in den vorhandenen Erinnerungen zum größten Teil ein breites Lächeln auf dem Gesicht hab weil mein breites Gehirn gerade irgendeinen Schabernack ausheckt. Superstoned und superhappy.

Den Blog habe ich gestartet als andere Emotionen meinen Alltag beherrschten: Melancholie, Weltschmerz und Liebeskummer. Im letzten Jahr meiner Sucht war ich wirklich nur noch megastoned und mellow. Traurig und ziellos bin ich von Tag zu Tag geschlichen. Ohne diese Phase würde ich heute sicher immernoch mit der gleichen Überzeugen kiffen, mit der ich die vielen Jahre vorher das Kiffen verharmlost und vergöttert habe.

Heute gilt für mich Folgendes: Ein gesunder Geist ist offen für Drogen und stark genug den Effekt einzusortieren.  Ein schwacher Geist kann durch die kleinste Erschütterung aus dem Takt geworfen werden. 

Ich war schwach und emotional ausgemergelt. Ich bin heute froh über diese Phase. Ich habe in der Zeit viel gelernt: über mich und auch über mein Umfeld. Ich habe im Zuge dieser „Kriese“ den Ausstieg aus einer Suchtsituation geschafft und fühle mich heute stark genug nicht noch einmal zu so einem Trauerkloß zu werden, der ich in der Zeit war. Hinfallen und Aufstehen. Diese Regel lernen wir eigentlich schon in unserer Kindheit. Ich habe es erst spät begriffen. Genauso wie die Sache mit den kleinen Schritten. Meine ToDo-Liste war ewig und ich habe gar nichts angepackt. Heute stelle ich mir kleine Aufgaben und arbeite Schritt für Schritt an deren Umsetzung. Geschmeidig zum Erfolg.

Zehn Monate also. Stark Franzl. Ich klopf mir selbst auf die Schulter und gehe einfach weiter. Ich bin kein besserer Mensch geworden. Ich habe immernoch Probleme, Ziele, Aufgaben und Träume – aber alles ist ein bisschen einfacher und klarer geworden. Auf die nächsten zehn.

Lieber Gruß,
Euer Franzl

Statusbericht: 9 Monate.

Drei mal drei ist Neune. 9 Monate bin ich jetzt clean. Ich fühl mich auch sauber. So langsam sollte das ganze Kraut, dass ich mir so viele Jahre durch die Birne gezogen haben komplett aus meinen Organismus verdampft sein. Ich fühle auf jeden Fall nichts mehr davon. Mein Leben hat sich verändert seit meinem Ausstieg. Positiv verändert. Absolut positiv.

Hört auf zu kiffen – ihr da draußen. Ihr, die ihr hadert. Ihr, die ihr glaubt kiffen ist nur ein Mittel zum Runterkommen. Zum Abschalten von einem „harten“ Arbeitsalltag. Täglich kiffen ist ein Kreislauf, der ultrahart zu durchbrechen ist. Es beginnt doch meist gleich. Auf den kleinen Rausch ab un zu folgt schnell das Ritual des täglichen Absackers. Dieser Schritt ist nicht unausweichlich, aber ebenso wenig abwegig. Ich habe verdrängt, habe schöngeredet und verharmlost. Das war ein Irrglaube.

Macht Euch bewusst, warum ihr kifft. Versucht herauszufinden, ob es nicht doch einen tieferen Grund für die vielen einsamen  Joints gibt. Alleine Drogen zu nehmen zu nehmen würde ich immer als Alarmsignal werten. Egal, ob es der einsame Joint auf der heimischen Couch, der heimliche Schluck Jägermeister oder die Nase Koks auf dem Büroklo ist.

Ich fühle mich frei. Jetzt gehe ich raus, setze mich aufs Rad und genieße den goldenen Oktober. Drogenfrei und glücklich. Die Sonne reicht mir für ein gutes und wohliges Gefühl. Das ist ein tolles Ergebnis. Bald ist mein Ziel rum: ein Jahr kein Gras. Ich glaube ich mach zwei draus. Warum sollte ich auch wieder kiffen? Mein Leben ist besser geworden.

Ich drücke Euch alle. Bleibt; werdet stark!

Euer Franzl

Das Eichhörnchen und die Stilfrage.

Heute bin ich über einen Blog-Beitrag vom MC Winkel gestoßen. Seine Geschichte beschreibt er ein bisschen anders, aber ich bin sicher, dass auch der Winkel ein paar der Auswirkungen kennt, die ich hier bereits angesprochen habe: Kiffer für die Rebellion zum Beispiel und vielleicht stellt er auch seine Identität in Frage, so wie es viele unter uns getan haben. Winkel ist ein Blogger der ersten Stunde und ich verfolge sein Zeug schon eine ganze Weile. Er ist in seiner zweiten Woche und verspricht seine Leser auf dem Laufenden zu halten. Ich bin gespannt. Er geht, anders als ich, ganz offen mit seiner Geschichte um. Gut so – vielleicht lüfte ich irgendwann auch mal meine Identität und stehe zu meiner Geschichte. Bislang habe ich das Thema, vor allem im beruflichen Umfeld eher inkognito gehalten. Ich wollte einfach nicht in diese Kiffer-Schublade gesteckt werden. Schließlich war ich ja Business-Kiffer und nicht einer dieser zotteligen, dreadlockigen Verpeilten. Das ist keineswegs beleidigend gemeint, nur meine Interpretation der allgemeinen Wahrnehmung eines „Kiffers“.

Scheiße, es geht mir gut. Mehr als acht Monate sind seit meinem Einstieg in die Abstinenz vergangen und ich fühle mich mit jeder Woche besser. Für mich war der Joint zu Feierabend ein so elementares Ritual und ich war sicher, dass er mir gut tut. Für mich war das der richtige Weg den Stress des Alltags abzuschalten und in den Ruhemodus zu wechseln, quasi auf Knopfdruck. Eher auf Dreh am Rädchen, da ich stets BIC-Feuerzeuge mit Rädchen bevorzugte. Stil war immer ein Thema. Wenn ich billige Tokai-Feuerzeuge in Benutzung sehe, verdrehe ich noch heute die Augen. Stil war mir wichtig. Ich hatte auch nie mehr als drei Stummel im Aschenbecher. Hatte ich Besuch, aber ich Kippenrauchern stets einen eigenen Aschenbecher hingestellt. Ich wollte meinen Joint einfach ablegen können, ohne das gleich der Geruch stinkender, angesengter Filter in der Luft liegt. Ich hab Pfeifenraucher auch nie verstanden, die ihre Köpfchen einfach auf dem Tisch ausgeklopft haben, so dass der nach ein paar Pfeifendurchläufen aussah, wie bei Hempels. Nein Nein, bei mir war immer alles Tutti. Auch meine Joints sahen aus, als kämen sie aus der Fabrik: kein Knick und vor allem keine überlangen braunen Schamlippen, die entstehen, wenn das Papier über den Tipp ragt. Kann man doch abbrennen, oder besser einfach so basteln, dass der Tipp ein bisschen unten aus dem Joint rausguckt. Stil halt. Krümel, die beim bauen entstehen, habe ich nach dem Bauen mit der Blättchenpackung in eine kleine Schale gekehrt und nicht einfach auf dem Tisch gelassen. Aus dem Inhalt ließen sich fantastische Reste-Tüten bauen, die richtig geknallt haben. Keine Ahnung warum.

Heute kann ich über diese Interpretation von Stil, und mein Verständnis davon, schon gut lachen. Was war ich doch für eine Laberbacke. Süchtig war ich. All diese Ordnung und Einbildung von Sorgfalt und Klasse war nur die Stimme des Eichhörnchens, dass mir den Konsum schöngeredet hat. Klar, als Instrument hat das Gras seine Wirkung vollbracht. Mit dem ersten Zug war der Ruhemodus angeklickt und ich hab mich nicht mehr mit den Aufgaben des Tages, der Woche und des Lebens auseinandergesetzt. Für den Rest des Abends war Ruhe. Am nächsten Morgen habe ich dann mehr schlecht als Recht die wichtigsten Tasks abgearbeitet und mich zur nächsten Ruhephase durchgeschlagen. Abschalten ist wichtig und ich bin immernoch auf der Suche nach einer guten Möglichkeit dazu. Sport klappt perfekt. Wenn ich einen Ball in der Hand habe, ist alles andere ausgeblendet. Aber das ist eben keine Möglichkeit für den Abend auf der Couch, um das Gehirn ein bisschen zu beruhigen und die Gedanken langsam auf Schaf zu polen. Of mache ich abends ein Hörbuch, oder WDR5 an um ein bisschen Ablenkung zu haben und häufig erwische ich mich dabei, dass mein Gehirn trotzdem weiter die offenen Punkte meiner ToDo-Liste bearbeitet. Gras hat diesen Prozess einfach gestoppt. Ein Zug und es herrschte Stille.

Meine Lösung ist Organisation. Ich schreibe viel auf. Mache mir Listen mit Aufgaben für den nächsten Tag und versuche sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das scheint zu helfen. Oft stehe ich Abends noch mal aus dem Bett auf und schreibe ein, zwei Dinge auf ein Post-It. Danach kehrt dann oft Ruhe ein, denn ich weiß, dass ich die Aufgabe notiert hab und nicht vergesse. Nach 8 Monaten Abstinenz beschäftige ich mich mit solch einfachen Lösungen. Aber Lösungen sind eben besser als Sorge über Unzulänglichkeit. Die hat nämlich in meiner Kifferzeit die Oberhand gehabt. Ich bin viel entspannter geworden und Sorge mich deutlich weniger. Kleine Schritte, große Schritte – schon am Anfang war mir klar, dass Arbeit auf mich wartet.

8 Monate sind ein Riesenerfolg, dass muss und darf ich für mich selbst anerkennen. Auch ein bisschen Stolz ist okay. Ich muss das Wort Stil neu definieren. Am Wochenende war ich seit langem mal wieder ernsthaft Klamotten kaufen, keine Sneaker, North-Face-Jacken oder bunte kurze Hosen, sondern Business-Outfits. Das hab ich nie gemocht, aber diesmal hatte ich Spaß dran. Mein Selbstverständnis wird besser. Business-Kiffer hab ich mich geschimpft. Der Kiffer ist Vergangenheit und jetzt bastele ich am Mann. In kleinen Schritten. Besser spät als nie.

Ich bin ein bisschen geheilt. Ich hab keine Angst vor einem Rückfall, wenn es passiert, stehen schon in diesem Blog viele Gründe, die mir sagen, dass der tägliche Joint am Abend eine enorme Bremse ist. Nein, ich fühle ich mit gut und freue mich auf Alles, was kommt. Weiter so.

Bleibt dran. Es lohnt sich. Euer Franzl.

Regeln sind für Pussies.

Zwischendurch hab ich schon Lust mal wieder richtig einen durchzuknallen. Ein bisschen Kraut in Tütenform drehen und schön abdampfen. Kein billiges Gras von der Ecke, sondern schönes, sauber angebautes holländisches White Widow oder Superskunk. Paffedipaff und ein bisschen Pass. Klebrige Finger. Dummes Gelächter. Abgefahren leckerer Kakao. Das ganze Programm.

Sorry, aber so ist das. Ich habe mich dagegen entschieden und bis froh und auch ein bisschen stolz, dass ich jetzt acht Monate durchgehalten habe. Und ich werde dieses Verlangen auch weiterhin unterdrücken. Aber ich will nicht verheimlichen, dass ich noch immer ab und zu Lust auf einen Joint verspüre. Ich kann gar nicht sagen, ob es die Lust auf den Rausch, oder die gewohnte Prozedur des Drehens ist, nach der ich mich sehne. Das Eichhörnchen sitzt also noch auf meiner Schulter, wie Towely das Handtuch. Komm, lass ma‘ kiffen! Soll es halt da hocken. Wahrscheinlich wird das blöde Hörnchen mein ewiges Maskottchen bleiben. Damit werde ich mich arrangieren müssen. Irgendwann wird der Versuch kommen: ein kleiner Joint und ein geselliger Abend und am nächsten Morgen der große Test. Reagieren Körper und Kopf dann, wie sie es so langen taten? Wird er mich zurückwerfen in alte Muster und gibt es doch die Chance die Sucht zu besiegen? Wir werden sehen. Irgendwann in ferner Zukunft. Noch sehe ich diesen Tag, diesen riskanten, aber notwendigen Versuch nicht. Ich bin noch viel zu nah dran an dieser ewigen Kreislauf zwischen dem letzten und dem ersten Joint. Ich will die Sucht besiegen, möchte wieder komplett unabhängig sein und selbst entscheiden wann ich mir was in die Birne zimmer.

Die allgemeine Meinung dazu ist, dass Süchtige wohl immer süchtig bleiben. Momentan ist das auch meine Meinung. Ich glaube nicht, dass ich „verantwortungsvoll“ kiffen kann. Ich tendiere dazu dem verfluchten Eichhörnchen einen Käfig zu bauen und mir eine Decke zu kaufen, die ich drüberwerfe, wenn das blöde Hörnchen zu laut und zu aufdringlich wird.

Denn für mich ist es klar: mir geht es schon nach so „kurzer“ Zeit deutlich besser. Besonders emotional fühle ich mich wesentlich ausgeglichener. Ich fühle mich leistungsfähiger, kompetenter und wacher. Es ist ein Dilemma. Zurück in den täglichen Konsum will ich auf keinen Fall. Bloß nicht noch einmal zehn Jahre verlieren. Nicht mal eine Woche will ich nochmal in diesem ewigen Halbrausch verbringen. Auf der anderen Seite schwebt da dieses ekelhaft konservative Gefühl des Verbots über mir. Wer bin ich denn, dass ich mir was verbiete? Was bilde ich mir ein? Ein Rebell bin ich doch. Regeln sind für Pussies.

Doch dieses Verbot bleibt aktiv. Für die gute Sache. Für ein gutes Leben. Ein Verbot für die Freiheit. Es ist paradox.

Statusbericht: 8 Monate.

Ich kann es kaum fassen. Es begann mit der ersten überstandenen Nacht, dann die erste Woche, der erste Monat, ein halbes Jahr und jetzt sind es also 8 Monate. Unfassbar. Jetzt bin ich so weit gekommen und eins weiß ich genau: ich möchte nicht zurück. Ich habe ein Leben als Kiffer geführt und bin endlich ausgebrochen aus diesem Zwang. Auch die Identitätskriese ist überwunden. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Neuorientierung, aber ich bin halt kein Kiffer mehr. Und das fühlt sich ausgezeichnet an. Ich habe die Kraft mich neu zu orientieren und fühle mich stark genug neue Wege zu gehen – härter zu arbeiten als je zuvor und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Es fällt mir von mal zu mal schwerer in diesen Statusberichten Bezug zur Abstinenz zu nehmen. die Auswirkungen sind verschwunden. Die Stimmungsschwankungen sind weg. Ich bin nicht immer happy, aber definitiv zufriedenen. Ich schlafe gut, Träume regelmäßig, aber die Träume verwirren mich nicht mehr und die Erinnerung an die nächtlichen Eskapaden verschwindet spätestens nach der morgendlichen Dusche. Die Melancholie ist überstanden. Ich habe immernoch Sorgen und Ängste, aber die sind fass- und lösbar und sehr konkret. Ich kann mich ihnen stellen und auf eine Lösung hinarbeiten. Die Konzentration ist ebenfalls deutlich verbessert und ich habe das Gefühl, es wird wöchentlich besser.

Es fällt mir schwer allein die Abstinenz als Grund für meine Entwicklung über das letzte halbe Jahr zu sehen, aber es ist wohl so. Das sollte Euch allen Mut machen. Die Abstinenz ist nicht die Rettung, aber sie setzt neue Kräfte frei und kann der Wegbereiter für ein neues Leben sein. Das gilt wahrscheinlich für jede Art von Sucht. Es ist unglaublich befreiend nicht mehr an diesem Kraut zu hängen und ich denke oft daran, warum ich so eisern an meinem täglich High festgehalten haben. Es ist mir ein Rätsel. Für mich habe ich nun einen Weg gefunden, aber wenn ich nach einem allgemeinen Tipp gefragt werde, habe ich keine Antwort parat. Was hätte ich meinem 2007er Ich sagen können, um es von einem Ende zu überzeugen? Ich weiß es nicht. Ich hätte mich verprügeln können und trotzdem hätte ich danach einen Joint in mein verbeultes Gesicht gesteckt und hätte mich der Erbärmlichkeit dieser Szene hingegeben. Ganz sicher. Warum ich? Das war auch nach dem Ende der letzten Partnerschaft mein beherrschender Gedanke. Anstatt meine offenkundige Unfähigkeit, Schwäche und Unsicherheit zu erkennen und konkret zu bearbeiten, habe ich mich eingeigelt und klein gemacht. Habe mich selbst betrauert und die gemeine Welt verflucht.

Heute mache ich das anders. Und das gibt mir viel Mut. Ein kleines Beispiel vom letzten Wochenende. Aus dem Spiel statt aus der Liebe, aber ich finde es sehr passend. Die Situation ist folgende: Das erste Spiel der neuen Saison. Auswärts beim ärgsten Konkurrenten um den Aufstieg. Basketball ist auch so eine Art Liebe. Wir sind neun Punkte hinten, die letzten zwei, einfachen Würfe habe ich vergeben. Außer zwei Freiwürfen habe ich keine Punkte erzielt. Ich weiß genau, dass ich noch vor drei Jahren nicht das Selbstbewusstsein hatte, mich aus dieser Situation zu befreien. Doch in diesem Spiel hatte ich einen Moment. Nach dem zweiten Fehlwurf aus meiner Lieblingsposition laufe ich zurück in die Defense und fühle die Unsicherheit in mir. Scham. Angst vor dem Versagen. Aber heute kann ich die Scheiße für mich benutzen, mich zusammenreißen und mich darauf besinnen was ich kann. Ich klatsche also in die Hände, schüttele mich und konzentriere mich. Und was passiert? Ich fange direkt im kommenden Angriff des Gegners einen Pass ab, laufe nach vorn –  Pass – Korb für uns. Danach macht der Gegner drei Minuten keinen Korb und ich versenke vier Jumper in Folge. Wir führen und gewinnen schließlich. Meine Moral aus dieser kleinen Geschichte: Versteck Dich nicht hinter bedrückenden Emotionen. Du kannst spielen. Du kannst lieben. Du weißt, was zu tun ist. Nichts zu tun und die Unsicherheit gewinnen lassen führt nur noch tiefer in die Traurigkeit. Fehler passieren ständig. Nach jedem Fehler will ich mich schütteln und es erneut versuchen, mutig und selbstbewusst. Zweifel sind der Tod der Chance. Lieber versage ich aufrecht, voller Überzeugung als jemals wieder gebückt und bedrückt zu scheitern.

Schon wieder klinge ich wie eine billige Version eines Motivationskünstlers. Sorry. Tschakka, du schaffst es. Aber es ist leider so einfach: Es kommt eben doch auf die Haltung an. Warum sagt man über Frauen, dass sie immer die Arschlöcher bevorzugen? Weil Arschlöcher, unabhängig von IQ, Statur, Dichtheit des Haarschopfes und Penisgröße, selbstbewusst ihr Ziel verfolgen. Zweifler wirken immer kleiner als sie sind. Im ersten Eindruck misst sich Attraktivität eben durch Lautstärke und Sichtbarkeit. Wer sich selbst am liebsten unter der Decke versteckt, wird auch so wahrgenommen. Noch ein Beispiel? Egal, ich hau es raus. Auf Fotos habe ich wegen meiner Zahnlücke immer gern den Mund geschlossen gehalten. Schieß drauf. Seit diesem Sommer halte ich die Lücke madonnaesk in jede Kamera. Shice drauf. So sieht Franzl’s Fresse halt aus. Ich bin cool damit und das möchte ich auch ausstrahlen.

Also: Haut raus. Seid stolz auf Euch. Auf jeden kleinen Erfolg. Prahlt nicht, aber versteckt Euch auch nicht.

Meine Kifferei hat mir den Mut geraubt. 8 Monate haben viel davon zurück gebracht und ich will weiter daran arbeiten. Ich will nicht zum Arschloch werden, aber ab und zu will ich wie eins auftreten und zwar wie ein richtig Großes. Selbstbewusst und angstfrei! Vier Monate sind es jetzt noch bis ich mein Ziel von einem Jahr Kifffreiheit erreicht habe. Ich bin gespannt, welches Ziel ich mir dann setze. Bleib stark. Werdet stark. Seid stark.

Der Königsweg zum Glück.

Ich mag diese ganze Kiffer-Subkultur noch immer. Ich habe mich für einen grasfreien Weg entschieden und das ist für mich auch erstmal gut so. Aber ich bin weit davon entfernt, jedem vom Kiffen abzuraten. Ich will hier ehrlich sein – und dazu gehört es einzugestehen, dass ich tiefergehende emotionale Probleme über Jahre mit mir rumgeschleppt habe, ohne sie anzugehen. Und mit meiner Sucht habe ich die Verdrängung forciert. Ich habe auf morgen verschoben. Heute ist das alles für mich ganz eindeutig und ich habe keine Scham zuzugeben, dass ich belastet war und es auch noch bin. Ich habe mich für sehr stabil gehalten – emotional ausgeglichen und frei. Aber erst eine gescheiterte Beziehung und eine berufliche Unsicherheit, zusammen mit dem Stopp der Zufuhr meiner täglichen Dosis Medical Marihuana, haben die Wahrheit ans Licht gebracht. Ganz langsam und Stück für Stück wurde mir bewusst, dass ich mir etwas vorgemacht habe. Es war nicht das Gras, das mich emotional beschädigt hat – nein es war die Zeit der Verdrängung, die kleine Päckchen in große Lasten verwandelt hat. Unbemerkt in einem stillen Eckchen meines Kopfes. Meine Fresse bin ich froh, dass das letzte Jahr so gelaufen ist wie es eben gelaufen ist. Es hat mir die Augen geöffnet. Ich habe mehr als genug Zeit die Lasten langsam aber sicher abzuladen.

Ich möchte Euch ansprechen, ihr da draußen, die diesen Blog findet in einer Phase in der ich mich befand, als ich ihn startete: Scheiße, mein Leben gerät irgendwie aus den Fugen. Ich war fertig. Nach der ersten kifffreien Woche war ich nicht stolz, sondern völlig down. Desillusioniert. Verwirrt. Ich hatte Angst.

Seid aufmerksam. Unsere Geschichten sind alle unterschiedlich. Unsere Biografien ebenso. Und auch die Gründe, warum wir aufhören wollen zu kiffen variieren. Es gibt ihn nicht, den allgemeingültigen Königsweg für den Weg aus der Sucht. Sucht Euch Vertraute, denen ihr sagen könnt, was Euch belastet. Seid ehrlich zu ihnen und zu Euch selbst. Meist hat die Sucht einen tieferen Grund. Das klingt nach einer ganz schlimmen Floskel, aber es ist wahr. Der tiefere Grund kann auch nur eine kleine Pfütze sein – einmal feste reingetreten und die Welt ist wieder in Ordnung. Oder ist ein tiefer Graben und es muss erst eine Brücke darüber gebaut werden, ohne das man wüsste wie so etwas geht. Scheitern. Neu versuchen. Scheitern. Erfolg. Profis können helfen. Es gibt Menschen, die haben schon viele dieser Brücken gebaut und verfügen über Pläne, Material und Erfahrung. Vertraut Euch an. Vertraut Euch und Eurem Instinkt.

Wenn ich so zurückschaue wusste eigentlich immer, was mit mir los ist. Hätte mich jemand ins Gesicht darauf angesprochen, hätte ich es von mir gewiesen und als lächerlich abgetan. 7 Monate haben viel verändert. Es ist wahr. Und es soll Euch Mut machen. Packt die Scheiße an. Traurigkeit, Wut, Melancholie, Angst – lasst all diese Gefühle zu und hört genau hin. Hinter diesen Emotionen stecken die Probleme und auch die Lösungen. Wie oft bin ich in den ersten Wochen von dieser tiefen Trauer übermannt worden, die mich richtig gelähmt hat. Statt der Wohligkeit, wie nach dem ersten tiefen Zug an an der Tüte  zog eine dichte Wolke aus Traurigkeit durch meinen Kopf. Ganz plötzlich und doppelt so intensiv. Ich fühlte mich schwach, schlecht und nutzlos. Ich war ein kleines Häufchen Elend, von der Freundin verlassen und nahezu pleite. Ich armer kleiner Trottel. Ich hab mich extra klein gemacht. Ich wollte klein sein, zurück in Mamas Schoß. (Dabei muss ich wieder an Siggi Freud denken. Nie hab ich verstanden, was das für eine Theorie sein soll von wegen Mutter heiraten und Vater töten. Heute halte ich den Mann für den Superdenker überhaupt. Aber das nur am Rande.)

Kiffen oder nicht kiffen? Ihr wisst ganz genau, was der richtige Weg für Euch ist. Und wenn der Joint oder die Bong zum Instrument wird und ihr darauf spielt, um die Stimmen Eures Gewissens zu überspielen, dann – ja dann sollte die Antwort auf der Hand liegen. Ich hab so kraftvoll in die Trompete geblasen, dass ich jahrelang gar nichts mehr gehört hab. Ich hatte einen grünen Tinitus.

Kifft, oder hört damit auf. Beides ist der richtige Weg. Kiffen hilft und es schadet. Es ist Medizin und Droge. Freundin und Hure. Problem und Lösung. Ihr wisst alle ganz genau, was richtig für Euch ist. Tut es. Sammelt Kraft und legt los. Ich glaub an Euch. Euer Franzl.

Statusbericht: 7 Monate.

So. Nun führe ich also schon 7 Monate ein kifffreies Leben. Die Zeit verfliegt und ich bin wirklich froh diesen Schritt gemacht zu haben. Die ersten drei Monate waren wohl auch die Härtesten. Melancholie, Schlafstörungen und wilde Träume haben die Anfangsphase bestimmt und ich musste mich wirklich durchquälen. Danach ging es stetig, aber langsam bergauf. Noch heute morgen habe ich in der Bahn auf dem Weg ins Büro an diese erste Zeit gedacht und viel schlapp und antriebslos ich mich gefühlt habe. Ich hatte wirklich keine Kraft mein Leben von jetzt auf gleich umzukrämpeln. Obwohl ich zu gern getan hätte. Mit jedem Monat wurde es dann ein bisschen besser und langsam konnte und bin ich die kleinen Dinge angegangen, die mich belasteten. Damit bin ich auch heute noch nicht fertig, aber ich blicke mutig nach vorn. Ich falle nicht mehr in diese Schwere, sondern schüttele mich kurz und weiter geht es.

Unter den treuen Mitstreitern hier gab es in der letzten Zeit ein paar kleine Rückfälle, genossene Tüten oder wie man es eben nennen mag. Ich finde es sehrt stark von Euch, dass ihr dazu steht und weitermacht. Weiter so. Das ist kein Beinbruch. Im letzten Monat schwebten mir auch ein paar Gedanken an dicke Tüten und einen wohligen Rausch durch den Kopf. Ich habe mich sogar gefragt, warum ich nicht mal Koks oder gar die Höchstform des Downers – Opium – probiert habe. Ob ich es mal probieren sollte. Ich bin ja nur ein Leichtmatrose von Rebell mit meinem bisschen Kifferei. Nein, es waren keine konkreten Pläne, eher Gedankenspiele. Wie ich schon mal sagte, ich lese viel momentan. Es ist manchmal noch anstrengend – besonders wenn ich gute Autoren lese, die lange das Geschichten erzählen übten und schlaue Sätze schrieben, die mein Gehirn aufreiben. Aber auch daran merke ich, dass mein Gehirn wacher wird. Ich bin aufmerksamer, kann Worte besser in Bilder in meinem Kopf verwandeln. Das Kiffen hat mich langsamer gemacht. Das muss ich heute eingestehen. Damals, als Kiffer hätte ich es mit einer wilden Handfuchtelei als Gruselmärchen abgetan. Aber es ist wohl so. Auf der anderen Seite ist die Quote der Süchtlinge, gerade unter Literaten besonders hoch. Seine Heroinjahre in Istanbul haben Jörg Fauer vielleicht erst zu dem Menschen/Schriftsteller gemacht, den ich heute so sehr schätze. Er hat die Sucht nach dem Harten Zeug hinter sich gelassen und plötzlich lief es. Ich will nicht ernsthadt eine Parallele ziehen, aber zumindest feststellen das Sucht auf keinen Fall ein Ende bedeutet. Es kann ebenso ein Anfang sein und möchte meine neue Situation sehen. Mein Anfang.

Es hat viele Wochen gedauert, aber ich bin jetzt stärker als die Sucht nach dem täglichen High. Ich will nie wieder in diesen Kreislauf zurück. Jeder Joint birgt die Gefahr, dass das Eichhörnchen wieder die Machtergreifung anstrebt. Das ist mir klar. Die Jungs, die heute noch kiffen, wie ich zu meiner Zeit, für die ist das letzte halbe Jahr einfach durchgerattert. Nichts hat sich verändert. Ich will jeden Tag Veränderung und dafür fehlt mir dauerangebreitet einfach die Power. Ich darf nicht mehr kiffen. Bislang habe ich es gut durchgehalten, aber irgendwann wird er wohl in meinem Mundwinkel stecken, der Rückfall. Hunderte gescheiterte Versuche habe ich schon hinter mir. Ich bin nicht besonders stark, nur weil ich es diesmal hinbekomme. Es sind auch diese Zeilen, die mir ein gewisses Maß an Verantwortung auferlegen. Ich bin so oft gescheitert, diesmal war die Zeit einfach reif. Das Jahr mache ich voll, da bin ich mir heute sicher. Danach höre ich mal in mich rein und werde sehen, was mein Kopf mir sagt. Heute kann ich mir den Moment gar nicht vorstellen, in dem ich an einer Tüte ziehe, so sehr habe ich mich angestrengt dieses Verlangen zu verdrängen. Vielleicht bleibt es ein Verbot auf Lebenszeit.

Wir werden sehen. Das ist alles Zukunftsmusik. Erstmal auf in den nächsten Monat.

 

Wie soll ich bloß mit dem Kiffen aufhören?

Sommer 2011. Morgens halb neun, ziemlich verknittert mache ich die Augen auf. Festival, ich liege in meinem Zelt und neben mir sagt mein Kumpel: Ey Franzl, du Freak, heute nacht bin ich zweimal von dem Klicken Deines Feuerzeugs aufgewacht. Ein Bier zum Morgenkaffee gehört auf Festivals allgemein zum guten Ton. Mein Kiffverhalten allerdings war auch in diesem Umfeld eher extrem. Stoned sein war für mich kein Rausch. Ich habe das hier schon oft geschildert, dieses dumpfes Gefühl war für mich eher medizinisch als berauschend. Auch zu Hause wurde es zu einem Ritual den letzten Joint am Abend nur anzurauchen und ihn dann neben dem Bett im Aschenbecher zu bunkern, damitich , wenn ich nachts aufwachte, einfach zugreifen brauchte, um drei vier tiefe Züge zu nehmen und direkt wieder einzuschlafen. Tiefer, komatöser Schlaf war das Ergebnis. Keine Träume und keine Zeit für Reflexion. Diese nächtlichen Joints sind heute für mich der größte Indikator für mein Suchtverhalten. Ich wollte sogar im Schlaf so richtig breit sein, könnte nicht einmal den nächsten Morgen abwarten.

Wie oft habe ich mir geschworen diese Kifferei einzustellen? Wie viele „letzte“ Tüten habe ich wohl geraucht? Und doch habe ich meist schon am nächsten Tag wieder den Dealer angerufen und ein bisschen Gras gekauft. Ich erinnere mich gut an diese Situationen. Ich komme zurück nach Hause, setze mich auf die Couch, packe meine Utensilienkiste wieder hervor und baue. Grinden, bröseln, rollen – und dann der erste Zug. Es knistert und ich lehne mich zurück und lasse die Dumpfheit zu. Der Druck der Selbstkontrolle geht in Dampf auf und wird in die Ungewissheit verschoben. Es war hoffnungslos, die Lage schien ausweglos und die Monate verstrichen. Immer wieder selbst auferlegter Druck und immer wieder Verrat an mir selbst. Ich wollte die Veränderung unbedingt, aber ich war zu schwach, meiner Identität nicht sicher und habe mich mit wirrer Argumentation selbst belogen. Scheiße ja, ich war unbelehrbar, habe die wohlwollenden, kritischen Stimmen aus meinem Umfeld mit Geschwätz abgetan und lapidar geantwortet: Was wollt ihr denn? Ich mache doch meinen Job, halte meine Wohnung sauber, lebe. Nur meinen engsten Freunden, die meist ebenso süchtig waren, habe ich meine wirkliche Lege geschildert.

Zwischen diesen Druckphasen hatte ich auch sehr positive Phasen, in denen es mir gut ging. Ich kiffte und ich schob meine Probleme vor mir her. Doch die Melancholie holte mich immer wieder ein. Ein neuer Versuch, erneutes scheitern – gefolgt von einer neuen Phase des Verdrängens. Das war mein Weg. Stur verfolgte ich diesen Kreislauf. Bis zu dem Tag, an dem ich ausbrach. Ich habe nichts anders gemacht. Wieder habe ich mir einen letzten Joint gebaut und gehofft, dass ich es dieses Mal durchziehe. Und statt am nächsten Tag wieder einen durchzuziehen blieb ich eisern. Ein Tag verging, die Nächte wurden hart und ich viel in ein unfassbar tiefes Loch. Ich war viel zu Hause in dieser Zeit. Die ersten zwei Monate war ich ein Wrack. Schweiß, Träume, die mir meine vergebenen Chance vor Augen hielten und tiefe Trauer bestimmten meine Welt.

Ich startete diesen Blog und begann mich mit meinen Gefühlen, Wünschen und Zielen auseinanderzusetzen. Und rubbeldiekatz ist heute. Ich will Euch Rat geben. Ich wünschte ich ein Rezept für den Ausstieg: einen kleinen Trick, der es einfacher macht aus der Sucht zu flüchten, den Kreislauf zu durchbrechen. Es ist ein Kampf, Euer Kampf. Ich war ein euphorischer, offener Extremkiffer ohne Gefühl für Illegalität, der das Kiffen zum lebensbejahenden Rebellentum deklarierte. Süchtig war ich auch, aber das erkenne ich erst heute. Gestern war ich stur und für morgen muss ich mir noch einen Plan machen. Es gibt kein Allheilmittel, ich kann nicht einmal sagen, wie ich es selbst geschafft habe. Ich habe gekämpft, viele Jahre als Kiffer und jetzt kämpfe ich als Abstinenzler. Ich kämpfe momentan nicht mehr gegen den Rückfall, sondern eher gegen meine Dämonen. Es geht mir sehr gut und ich habe Kraft für die kleinen Hürden des Alltags, blicke nach vorn, sehe Chancen und habe den Mut sie zu ergreifen. Ein Rezept habe ich nicht, aber ich kann Euch Hoffnung anbieten. Der Kampf lohnt sich. Ich habe viel über mich gelernt in dem letzten halben Jahr. Meine Sicht auf die Zukunft ist positiver geworden. Meine Gefühle sind deutlich klarer, in beide Richtungen empfinde ich deutlich bewusster.

Wenn es sich nach Verzicht anfühlt einen Joint nicht zu rauchen, dann kämpft. Verlieren ist keine große Sache. Jede Sekunde wird irgendwo auf der Welt eine kleine Schlacht verloren. Ein Sieg reicht und macht die vielen kleinen Niederlagen vergessen. Ich drücke Euch die Daumen,

Euer Franzl.