jeden tag kiffen

Statusbericht: 12 Monate

Du spürst das Gras. Hier und da bewegt sich was. Pünktlich zu meinem Jubiläum war ich bei den Fantas in Köln, ich habe die Songs und Texte gefeiert und konnte im Innenraum wirklich gutes Gras riechen. Heute ist Tag X, ich bin 365 Tage kifffrei. Das ist gut und ich bin ein bisschen stolz.

Doch was kommt jetzt? Ich weiß es nicht. Ich bin nicht mehr süchtig – das kann ich heute locker und leicht behaupten. Außer Gefahr bin ich dennoch nicht. Aber ich mach mir keine Sorgen mehr. Ich bin frei und zufrieden mit meiner neuen Situation. Er wird irgendwann gerollt, der nächste Joint. Die Musik der Fantastischen Vier hat mich mein Leben lang begleitet und das Kiffen ist ein großer Teil dieses Lebens. Wie gerne habe ich, besonders auf Konzerten, ein bisschen grünes Gras in Tüten gerollt und genüsslich inhaliert, um stoned und easy davon zu werden. Jeden Tag Kiffen – das ist heute ein Stigma, dass ich mir nicht mehr anheften möchte und werde, aber vor der Spießigkeit möchte ich mich dennoch drücken. Zwischendurch mal Drogen nehmen – was ist dabei?

Aber ich bin noch nicht soweit. Jetzt habe ich erstmal mein Ziel erreicht. Und ich habe noch kein neues Ziel vor Augen. Zumindest keines, dass mit dem Verzicht auf Drogen in Verbindung steht. Ich werde auch in der nahen Zukunft nicht kiffen. Aber heute kann ich keine Zahl formulieren.

Auch für diesen Blog muss ich mir nun einen neuen Plan überlegen. Die Dokumentation endet wohl hier und heute erst einmal. Ich möchte weitermachen, aber dafür brauche ich einen Plan. Wir werden sehen. Sofern ich kiffen sollte, werde ich mich hier allerdings outen.

An dieser Stelle möchte ich mal bei Euch, unserer kleinen Community, wirklich herzlichen und ganz ehrlich bedanken. Ich bin durch eine schwere Zeit gegangen und dieser kleine Blog hat mir sehr geholfen meinen Plan auch wirklich durchzuziehen. VIELEN DANK.

Bleibt stark und auch ihr schafft das erste Jahr. Ich glaube ab dann/hier ist es keine Frage der Disziplin mehr, sondern eine Frage des Plans. Ich muss meinen jetzt finden, aber ich bin absolut optimistisch, denn ich habe mich aus einer Spirale des täglichen Kiffens befreit. Aus eigener Kraft und aus dem freien Willen heraus. Das wünsche ich euch auch.

Bis ganz bald,
Euer Franzl Paffka.

Statusbericht: 11 Monate

2014 geht zu Ende. Es ist verflogen. Mein erstes Jahr seit einer Ewigkeit in dem ich nicht 365 Tage stoned war. Es war nur 19. Jetzt bin ich elf Monate clean. Elf Monate ohne mein so gewohntes Ritual des Jointbauens. Die Zeit ging unfassbar schnell vorbei und ich bin immernoch unglaublich froh, dass ich es endlich geschafft habe diesen Schritt zu gehen.

Zu meinem Status kann ich nur sagen, dass ich null Symptome mehr wahrnehme. Ich schlafe prima und durch. Ich kann mich wieder gut konzentrieren und ich emotional bin ich absolut stabil. Das ist erfrischend und ich hoffe es ist für alle, die in Begriff sind meinen Weg zu gehen oder schon dabei sind, ein Ansporn nicht aufzugeben. Es lohnt sich. Ich fühle mich frei.

Über das Jahr haben sich allerdings weitere Baustellen aufgetan, die ich nun, nachdem ich ein volles Jahr kifffrei bin, bereit bin anzugehen. Um nicht zu kiffen brauche ich nun keine Kraft mehr. Ich rauche noch immer und ich habe mein routiniertes Sportprogramm über die letzten Monate schleifen lassen. Das wird mein guter und sehr ernster Vorsatz für das kommende Jahr 2015.

Ich freue mich auf das neue Jahr. Ich habe auch neben diesen beiden Themen spannende Aufgaben vor der Brust und verspüre eine große innere Motivation zu anzugehen. Jetzt freue ich mich aber auf ein paar ruhige Tage zwischen den Jahren und dann geht es weiter.

Euch da draußen wünsche ich weiterhin viel Mut und Entschlossenheit. Fühlt Euch gedrückt, genießt die Feiertage und kommt gut ins neue Jahr.

Euer Franzl.

Statusbericht: 10 Monate

Marilize Legajuana

Zehn Monate. Zur Feier des Tages ein Zitat vom Ten Guy: „Marilize Legajuana“! Hab ich wohl auch mal einen dummen Tenguy-Spruch rausgehauen? Ich hab mich immer für relativ clever und kultiviert gehalten in meiner langen Kiffer-Phase. Aber ich fürchte viele der bekifften Diskussionsgruppen über Krieg und Frieden waren nicht so „deep“, wie wir uns das damals einbildeten.

Ich habe Abstand gewonnen zu dieser Zeit. Zehn Monate bin ich jetzt raus und über diese Zeit hat sich meine Haltung zum Kiffen ständig verschoben. Es begann mit Trauer über den Abschied. Danach folgte Ärger über die verpasste Zeit. Später ein bisschen Hass auf das Kraut und meine Sucht. Dann wieder ein wenig Wehmut nach der Einfachheit des bekifften Lifestyles. Es folgen bestimmt noch ein paar Phasen, bis ich die Sache wirklich neutral betrachten kann. Aber ich bin auf jeden Fall entspannt. Die Erinnerung an mein oberstonedtes Ich bringt mich zum Lachen. Weil ich in den vorhandenen Erinnerungen zum größten Teil ein breites Lächeln auf dem Gesicht hab weil mein breites Gehirn gerade irgendeinen Schabernack ausheckt. Superstoned und superhappy.

Den Blog habe ich gestartet als andere Emotionen meinen Alltag beherrschten: Melancholie, Weltschmerz und Liebeskummer. Im letzten Jahr meiner Sucht war ich wirklich nur noch megastoned und mellow. Traurig und ziellos bin ich von Tag zu Tag geschlichen. Ohne diese Phase würde ich heute sicher immernoch mit der gleichen Überzeugen kiffen, mit der ich die vielen Jahre vorher das Kiffen verharmlost und vergöttert habe.

Heute gilt für mich Folgendes: Ein gesunder Geist ist offen für Drogen und stark genug den Effekt einzusortieren.  Ein schwacher Geist kann durch die kleinste Erschütterung aus dem Takt geworfen werden. 

Ich war schwach und emotional ausgemergelt. Ich bin heute froh über diese Phase. Ich habe in der Zeit viel gelernt: über mich und auch über mein Umfeld. Ich habe im Zuge dieser „Kriese“ den Ausstieg aus einer Suchtsituation geschafft und fühle mich heute stark genug nicht noch einmal zu so einem Trauerkloß zu werden, der ich in der Zeit war. Hinfallen und Aufstehen. Diese Regel lernen wir eigentlich schon in unserer Kindheit. Ich habe es erst spät begriffen. Genauso wie die Sache mit den kleinen Schritten. Meine ToDo-Liste war ewig und ich habe gar nichts angepackt. Heute stelle ich mir kleine Aufgaben und arbeite Schritt für Schritt an deren Umsetzung. Geschmeidig zum Erfolg.

Zehn Monate also. Stark Franzl. Ich klopf mir selbst auf die Schulter und gehe einfach weiter. Ich bin kein besserer Mensch geworden. Ich habe immernoch Probleme, Ziele, Aufgaben und Träume – aber alles ist ein bisschen einfacher und klarer geworden. Auf die nächsten zehn.

Lieber Gruß,
Euer Franzl

Die Einfachheit des Seins.

Ein sehr guter Freund schrieb gestern in einem Gruppenchat: „Ey Franzl, wir sollten wieder Kiffen – zurück in die Welt in der uns alles egal war. Stundenlang GTA oder Gran Turismo online zocken, drei Filme hintereinander schaun, einfach stoned sein und die Zeit Zeit sein lassen.“ Natürlich meint auch er das nur halbernst. Aber der Gedanke hat mich zum Nachdenken gebracht. Über die Einfachheit des Seins. Auch dauerbekifft war ich Mensch. Ich hatte Spaß und mein Leben war durchaus geregelt. Die Nachteile dieses Lifestyles habe ich hier bereits deutlich geschildert, aber es hatte auch ganz pragmatische Vorteile. Scheiße, wir haben uns für den Sonntag online verabredet und im Winter nicht selten den ganzen Tag gezockt. Ich weiß, was viele von Euch darüber denken, aber das war angenehm. Feine Sonntage waren das. 6 Studienfreunde, durch Jobs in ganz Deutschland verstreut, die einen „gemeinsamen“ Tag verbringen. Darunter waren auch zwei Nichtkiffer, die aber lange nicht die gleiche Ausdauer beim Zocken abliefern konnten. An diesen Tagen gab es keinen Alltag mehr. Morgen ist morgen, heute wird gezockt und gelacht.

Warum muss ich an dieses simple Beispiel denken? Ganz einfach, ich glaub ich kann das kifffrei nicht mehr so einfach. So von außen betrachtet kommt mir die Situation auch kindisch und klischémäßig vor, aber trotzdem erinnere ich mich an die Einfachheit und vor allem an den Spaß, den wir hatten. Scheiße, wir haben uns kaputt gelacht dabei. Wir waren kreativ und ausgelassen. Sie ist schwer zu beschreiben, die Welt, in der es keine Probleme gibt. Denn ich hatte ja genug davon: bewusst auf emotionaler Ebene und unbewusst hinsichtlicher meiner charakterlichen Entwicklung. Das Leben war trotzdem irgendwie einfach. Wenn ich von irgendwas genervt oder betrübt war, habe ich mich zurückgelehnt und den Kopfdreck einfach zugekleistert. Zack, weg. Und es ging weiter. Ich kam gut zurecht in dieser Welt, konnte mir die Sachen kaufen, die ich so brauchte. Beruflich hatte ich mich auf ordentlichem Niveau eingependelt. Meine soziale Kompetenz war ebenfalls solide. Ich glaube, ich hätte gut und gerne bis zur Rente durchbarzen können, ohne hoffnungslos unglücklich zu werden oder gar in der Gosse zu landen. Zu sein, also zu existieren, ist scheinbar wirklich einfach. Nicht einfach wie leicht, sondern eher schwer aufzuhalten.  Ich denke dabei besonders an die vielen wesentlich extremeren Lebensentwürfe: Berufsgauner, Heroinsüchtige, Obdachlose, Frauen in gewalttätigen Beziehung oder die vielen Familien in all den Slums dieser Welt. Ich möchte meine Situation natürlich unter keinen Umständen vergleichen – all diese Personen kämpfen ums Überleben. Es geht mir um die Gewohnheit. Im Gegensatz zu diesen Schicksalen war mein Ausbruch natürlich ein Kinderspiel, aber es gibt durchaus eine Parallele. Das Leben geht immer irgendwie weiter, bis es irgendwann endet.

Stagnation ist das Stichwort. Ich habe eine Menge Bewegung in mein Leben gebracht über die letzten Monate und ich merke, dass ich mich ein bisschen einpendele in dieser Situation. Kleine Schritte – vielleicht erinnert ihr Euch – sollen es sein. Allerdings möchte ich diese kleinen Schritte auch weiterhin machen. Jeden Tag ein Stück vorwärts kommen. Das ist furchtbar anstrengend und ich fühle mich in letzter Zeit oft ein bisschen müde. Dennoch habe ich Stillstand zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Ich sehe mich ein bisschen nach der Einfachheit des Stillstands und deshalb habe ich wahrscheinlich auch so lange über die Nachricht nachdenken müssen. Und sie hat mich mal wieder zu einer simplen Erkenntnis geführt: allein der Ausbruch aus der täglichen Kifferei und der Welt der Egalität kann nicht das finale Ziel sein. Die gewonnene Freiheit muss ich jeden Tag verteidigen. Und zwar mit Entwicklung. Süchtig oder nicht – das Leben geht weiter und heute ist und bleibt heute und damit der Tag für den nächsten kleinen Schritt.

Die Nachricht steht auch stellvertretend für die allgemeine Unzufriedenheit, die ich so um mich herum bemerke. Scheinbar kommt die so oft postulierte „Generation Y“ einfach früher in die Midlifecrises. Keine Lust mehr auf das „9 to 5-Hamsterrad“ ohne Ausweg, oder die Vorbestimmtheit die so eine Hochzeit mit sich bringt. Das Leben ist schon ein Arschloch. Wenn du nicht richtig aufpasst, dann ist es irgendwann einfach vorbei und beim Blick zurück wird abgerechnet. Was überwieg: Sorge oder Freude?; Glück oder Unglück?; Verpasste oder genutzte Chance?

Seid ich nicht mehr kiffe, schiebe ich den Gedanken nach einem Wochenendurlaub vor mir her. So nur für mich. Schluss mit der Schieberei. Die Egalität ist auskuriert – ab jetzt starte ich ein neues Projekt und ich nenne es „Tu es, du Armleuchter!“ Hoffentlich klappt dieser Ansatz mit der gleichen Konsequenz, mit der ich die Kifffreiheit durchgehalten habe. Tu es, Franzl. Weniger denken – mehr handeln. Auf geht’s!

 

Statusbericht: 9 Monate.

Drei mal drei ist Neune. 9 Monate bin ich jetzt clean. Ich fühl mich auch sauber. So langsam sollte das ganze Kraut, dass ich mir so viele Jahre durch die Birne gezogen haben komplett aus meinen Organismus verdampft sein. Ich fühle auf jeden Fall nichts mehr davon. Mein Leben hat sich verändert seit meinem Ausstieg. Positiv verändert. Absolut positiv.

Hört auf zu kiffen – ihr da draußen. Ihr, die ihr hadert. Ihr, die ihr glaubt kiffen ist nur ein Mittel zum Runterkommen. Zum Abschalten von einem „harten“ Arbeitsalltag. Täglich kiffen ist ein Kreislauf, der ultrahart zu durchbrechen ist. Es beginnt doch meist gleich. Auf den kleinen Rausch ab un zu folgt schnell das Ritual des täglichen Absackers. Dieser Schritt ist nicht unausweichlich, aber ebenso wenig abwegig. Ich habe verdrängt, habe schöngeredet und verharmlost. Das war ein Irrglaube.

Macht Euch bewusst, warum ihr kifft. Versucht herauszufinden, ob es nicht doch einen tieferen Grund für die vielen einsamen  Joints gibt. Alleine Drogen zu nehmen zu nehmen würde ich immer als Alarmsignal werten. Egal, ob es der einsame Joint auf der heimischen Couch, der heimliche Schluck Jägermeister oder die Nase Koks auf dem Büroklo ist.

Ich fühle mich frei. Jetzt gehe ich raus, setze mich aufs Rad und genieße den goldenen Oktober. Drogenfrei und glücklich. Die Sonne reicht mir für ein gutes und wohliges Gefühl. Das ist ein tolles Ergebnis. Bald ist mein Ziel rum: ein Jahr kein Gras. Ich glaube ich mach zwei draus. Warum sollte ich auch wieder kiffen? Mein Leben ist besser geworden.

Ich drücke Euch alle. Bleibt; werdet stark!

Euer Franzl

Das Eichhörnchen und die Stilfrage.

Heute bin ich über einen Blog-Beitrag vom MC Winkel gestoßen. Seine Geschichte beschreibt er ein bisschen anders, aber ich bin sicher, dass auch der Winkel ein paar der Auswirkungen kennt, die ich hier bereits angesprochen habe: Kiffer für die Rebellion zum Beispiel und vielleicht stellt er auch seine Identität in Frage, so wie es viele unter uns getan haben. Winkel ist ein Blogger der ersten Stunde und ich verfolge sein Zeug schon eine ganze Weile. Er ist in seiner zweiten Woche und verspricht seine Leser auf dem Laufenden zu halten. Ich bin gespannt. Er geht, anders als ich, ganz offen mit seiner Geschichte um. Gut so – vielleicht lüfte ich irgendwann auch mal meine Identität und stehe zu meiner Geschichte. Bislang habe ich das Thema, vor allem im beruflichen Umfeld eher inkognito gehalten. Ich wollte einfach nicht in diese Kiffer-Schublade gesteckt werden. Schließlich war ich ja Business-Kiffer und nicht einer dieser zotteligen, dreadlockigen Verpeilten. Das ist keineswegs beleidigend gemeint, nur meine Interpretation der allgemeinen Wahrnehmung eines „Kiffers“.

Scheiße, es geht mir gut. Mehr als acht Monate sind seit meinem Einstieg in die Abstinenz vergangen und ich fühle mich mit jeder Woche besser. Für mich war der Joint zu Feierabend ein so elementares Ritual und ich war sicher, dass er mir gut tut. Für mich war das der richtige Weg den Stress des Alltags abzuschalten und in den Ruhemodus zu wechseln, quasi auf Knopfdruck. Eher auf Dreh am Rädchen, da ich stets BIC-Feuerzeuge mit Rädchen bevorzugte. Stil war immer ein Thema. Wenn ich billige Tokai-Feuerzeuge in Benutzung sehe, verdrehe ich noch heute die Augen. Stil war mir wichtig. Ich hatte auch nie mehr als drei Stummel im Aschenbecher. Hatte ich Besuch, aber ich Kippenrauchern stets einen eigenen Aschenbecher hingestellt. Ich wollte meinen Joint einfach ablegen können, ohne das gleich der Geruch stinkender, angesengter Filter in der Luft liegt. Ich hab Pfeifenraucher auch nie verstanden, die ihre Köpfchen einfach auf dem Tisch ausgeklopft haben, so dass der nach ein paar Pfeifendurchläufen aussah, wie bei Hempels. Nein Nein, bei mir war immer alles Tutti. Auch meine Joints sahen aus, als kämen sie aus der Fabrik: kein Knick und vor allem keine überlangen braunen Schamlippen, die entstehen, wenn das Papier über den Tipp ragt. Kann man doch abbrennen, oder besser einfach so basteln, dass der Tipp ein bisschen unten aus dem Joint rausguckt. Stil halt. Krümel, die beim bauen entstehen, habe ich nach dem Bauen mit der Blättchenpackung in eine kleine Schale gekehrt und nicht einfach auf dem Tisch gelassen. Aus dem Inhalt ließen sich fantastische Reste-Tüten bauen, die richtig geknallt haben. Keine Ahnung warum.

Heute kann ich über diese Interpretation von Stil, und mein Verständnis davon, schon gut lachen. Was war ich doch für eine Laberbacke. Süchtig war ich. All diese Ordnung und Einbildung von Sorgfalt und Klasse war nur die Stimme des Eichhörnchens, dass mir den Konsum schöngeredet hat. Klar, als Instrument hat das Gras seine Wirkung vollbracht. Mit dem ersten Zug war der Ruhemodus angeklickt und ich hab mich nicht mehr mit den Aufgaben des Tages, der Woche und des Lebens auseinandergesetzt. Für den Rest des Abends war Ruhe. Am nächsten Morgen habe ich dann mehr schlecht als Recht die wichtigsten Tasks abgearbeitet und mich zur nächsten Ruhephase durchgeschlagen. Abschalten ist wichtig und ich bin immernoch auf der Suche nach einer guten Möglichkeit dazu. Sport klappt perfekt. Wenn ich einen Ball in der Hand habe, ist alles andere ausgeblendet. Aber das ist eben keine Möglichkeit für den Abend auf der Couch, um das Gehirn ein bisschen zu beruhigen und die Gedanken langsam auf Schaf zu polen. Of mache ich abends ein Hörbuch, oder WDR5 an um ein bisschen Ablenkung zu haben und häufig erwische ich mich dabei, dass mein Gehirn trotzdem weiter die offenen Punkte meiner ToDo-Liste bearbeitet. Gras hat diesen Prozess einfach gestoppt. Ein Zug und es herrschte Stille.

Meine Lösung ist Organisation. Ich schreibe viel auf. Mache mir Listen mit Aufgaben für den nächsten Tag und versuche sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das scheint zu helfen. Oft stehe ich Abends noch mal aus dem Bett auf und schreibe ein, zwei Dinge auf ein Post-It. Danach kehrt dann oft Ruhe ein, denn ich weiß, dass ich die Aufgabe notiert hab und nicht vergesse. Nach 8 Monaten Abstinenz beschäftige ich mich mit solch einfachen Lösungen. Aber Lösungen sind eben besser als Sorge über Unzulänglichkeit. Die hat nämlich in meiner Kifferzeit die Oberhand gehabt. Ich bin viel entspannter geworden und Sorge mich deutlich weniger. Kleine Schritte, große Schritte – schon am Anfang war mir klar, dass Arbeit auf mich wartet.

8 Monate sind ein Riesenerfolg, dass muss und darf ich für mich selbst anerkennen. Auch ein bisschen Stolz ist okay. Ich muss das Wort Stil neu definieren. Am Wochenende war ich seit langem mal wieder ernsthaft Klamotten kaufen, keine Sneaker, North-Face-Jacken oder bunte kurze Hosen, sondern Business-Outfits. Das hab ich nie gemocht, aber diesmal hatte ich Spaß dran. Mein Selbstverständnis wird besser. Business-Kiffer hab ich mich geschimpft. Der Kiffer ist Vergangenheit und jetzt bastele ich am Mann. In kleinen Schritten. Besser spät als nie.

Ich bin ein bisschen geheilt. Ich hab keine Angst vor einem Rückfall, wenn es passiert, stehen schon in diesem Blog viele Gründe, die mir sagen, dass der tägliche Joint am Abend eine enorme Bremse ist. Nein, ich fühle ich mit gut und freue mich auf Alles, was kommt. Weiter so.

Bleibt dran. Es lohnt sich. Euer Franzl.

Regeln sind für Pussies.

Zwischendurch hab ich schon Lust mal wieder richtig einen durchzuknallen. Ein bisschen Kraut in Tütenform drehen und schön abdampfen. Kein billiges Gras von der Ecke, sondern schönes, sauber angebautes holländisches White Widow oder Superskunk. Paffedipaff und ein bisschen Pass. Klebrige Finger. Dummes Gelächter. Abgefahren leckerer Kakao. Das ganze Programm.

Sorry, aber so ist das. Ich habe mich dagegen entschieden und bis froh und auch ein bisschen stolz, dass ich jetzt acht Monate durchgehalten habe. Und ich werde dieses Verlangen auch weiterhin unterdrücken. Aber ich will nicht verheimlichen, dass ich noch immer ab und zu Lust auf einen Joint verspüre. Ich kann gar nicht sagen, ob es die Lust auf den Rausch, oder die gewohnte Prozedur des Drehens ist, nach der ich mich sehne. Das Eichhörnchen sitzt also noch auf meiner Schulter, wie Towely das Handtuch. Komm, lass ma‘ kiffen! Soll es halt da hocken. Wahrscheinlich wird das blöde Hörnchen mein ewiges Maskottchen bleiben. Damit werde ich mich arrangieren müssen. Irgendwann wird der Versuch kommen: ein kleiner Joint und ein geselliger Abend und am nächsten Morgen der große Test. Reagieren Körper und Kopf dann, wie sie es so langen taten? Wird er mich zurückwerfen in alte Muster und gibt es doch die Chance die Sucht zu besiegen? Wir werden sehen. Irgendwann in ferner Zukunft. Noch sehe ich diesen Tag, diesen riskanten, aber notwendigen Versuch nicht. Ich bin noch viel zu nah dran an dieser ewigen Kreislauf zwischen dem letzten und dem ersten Joint. Ich will die Sucht besiegen, möchte wieder komplett unabhängig sein und selbst entscheiden wann ich mir was in die Birne zimmer.

Die allgemeine Meinung dazu ist, dass Süchtige wohl immer süchtig bleiben. Momentan ist das auch meine Meinung. Ich glaube nicht, dass ich „verantwortungsvoll“ kiffen kann. Ich tendiere dazu dem verfluchten Eichhörnchen einen Käfig zu bauen und mir eine Decke zu kaufen, die ich drüberwerfe, wenn das blöde Hörnchen zu laut und zu aufdringlich wird.

Denn für mich ist es klar: mir geht es schon nach so „kurzer“ Zeit deutlich besser. Besonders emotional fühle ich mich wesentlich ausgeglichener. Ich fühle mich leistungsfähiger, kompetenter und wacher. Es ist ein Dilemma. Zurück in den täglichen Konsum will ich auf keinen Fall. Bloß nicht noch einmal zehn Jahre verlieren. Nicht mal eine Woche will ich nochmal in diesem ewigen Halbrausch verbringen. Auf der anderen Seite schwebt da dieses ekelhaft konservative Gefühl des Verbots über mir. Wer bin ich denn, dass ich mir was verbiete? Was bilde ich mir ein? Ein Rebell bin ich doch. Regeln sind für Pussies.

Doch dieses Verbot bleibt aktiv. Für die gute Sache. Für ein gutes Leben. Ein Verbot für die Freiheit. Es ist paradox.

Statusbericht: 8 Monate.

Ich kann es kaum fassen. Es begann mit der ersten überstandenen Nacht, dann die erste Woche, der erste Monat, ein halbes Jahr und jetzt sind es also 8 Monate. Unfassbar. Jetzt bin ich so weit gekommen und eins weiß ich genau: ich möchte nicht zurück. Ich habe ein Leben als Kiffer geführt und bin endlich ausgebrochen aus diesem Zwang. Auch die Identitätskriese ist überwunden. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Neuorientierung, aber ich bin halt kein Kiffer mehr. Und das fühlt sich ausgezeichnet an. Ich habe die Kraft mich neu zu orientieren und fühle mich stark genug neue Wege zu gehen – härter zu arbeiten als je zuvor und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Es fällt mir von mal zu mal schwerer in diesen Statusberichten Bezug zur Abstinenz zu nehmen. die Auswirkungen sind verschwunden. Die Stimmungsschwankungen sind weg. Ich bin nicht immer happy, aber definitiv zufriedenen. Ich schlafe gut, Träume regelmäßig, aber die Träume verwirren mich nicht mehr und die Erinnerung an die nächtlichen Eskapaden verschwindet spätestens nach der morgendlichen Dusche. Die Melancholie ist überstanden. Ich habe immernoch Sorgen und Ängste, aber die sind fass- und lösbar und sehr konkret. Ich kann mich ihnen stellen und auf eine Lösung hinarbeiten. Die Konzentration ist ebenfalls deutlich verbessert und ich habe das Gefühl, es wird wöchentlich besser.

Es fällt mir schwer allein die Abstinenz als Grund für meine Entwicklung über das letzte halbe Jahr zu sehen, aber es ist wohl so. Das sollte Euch allen Mut machen. Die Abstinenz ist nicht die Rettung, aber sie setzt neue Kräfte frei und kann der Wegbereiter für ein neues Leben sein. Das gilt wahrscheinlich für jede Art von Sucht. Es ist unglaublich befreiend nicht mehr an diesem Kraut zu hängen und ich denke oft daran, warum ich so eisern an meinem täglich High festgehalten haben. Es ist mir ein Rätsel. Für mich habe ich nun einen Weg gefunden, aber wenn ich nach einem allgemeinen Tipp gefragt werde, habe ich keine Antwort parat. Was hätte ich meinem 2007er Ich sagen können, um es von einem Ende zu überzeugen? Ich weiß es nicht. Ich hätte mich verprügeln können und trotzdem hätte ich danach einen Joint in mein verbeultes Gesicht gesteckt und hätte mich der Erbärmlichkeit dieser Szene hingegeben. Ganz sicher. Warum ich? Das war auch nach dem Ende der letzten Partnerschaft mein beherrschender Gedanke. Anstatt meine offenkundige Unfähigkeit, Schwäche und Unsicherheit zu erkennen und konkret zu bearbeiten, habe ich mich eingeigelt und klein gemacht. Habe mich selbst betrauert und die gemeine Welt verflucht.

Heute mache ich das anders. Und das gibt mir viel Mut. Ein kleines Beispiel vom letzten Wochenende. Aus dem Spiel statt aus der Liebe, aber ich finde es sehr passend. Die Situation ist folgende: Das erste Spiel der neuen Saison. Auswärts beim ärgsten Konkurrenten um den Aufstieg. Basketball ist auch so eine Art Liebe. Wir sind neun Punkte hinten, die letzten zwei, einfachen Würfe habe ich vergeben. Außer zwei Freiwürfen habe ich keine Punkte erzielt. Ich weiß genau, dass ich noch vor drei Jahren nicht das Selbstbewusstsein hatte, mich aus dieser Situation zu befreien. Doch in diesem Spiel hatte ich einen Moment. Nach dem zweiten Fehlwurf aus meiner Lieblingsposition laufe ich zurück in die Defense und fühle die Unsicherheit in mir. Scham. Angst vor dem Versagen. Aber heute kann ich die Scheiße für mich benutzen, mich zusammenreißen und mich darauf besinnen was ich kann. Ich klatsche also in die Hände, schüttele mich und konzentriere mich. Und was passiert? Ich fange direkt im kommenden Angriff des Gegners einen Pass ab, laufe nach vorn –  Pass – Korb für uns. Danach macht der Gegner drei Minuten keinen Korb und ich versenke vier Jumper in Folge. Wir führen und gewinnen schließlich. Meine Moral aus dieser kleinen Geschichte: Versteck Dich nicht hinter bedrückenden Emotionen. Du kannst spielen. Du kannst lieben. Du weißt, was zu tun ist. Nichts zu tun und die Unsicherheit gewinnen lassen führt nur noch tiefer in die Traurigkeit. Fehler passieren ständig. Nach jedem Fehler will ich mich schütteln und es erneut versuchen, mutig und selbstbewusst. Zweifel sind der Tod der Chance. Lieber versage ich aufrecht, voller Überzeugung als jemals wieder gebückt und bedrückt zu scheitern.

Schon wieder klinge ich wie eine billige Version eines Motivationskünstlers. Sorry. Tschakka, du schaffst es. Aber es ist leider so einfach: Es kommt eben doch auf die Haltung an. Warum sagt man über Frauen, dass sie immer die Arschlöcher bevorzugen? Weil Arschlöcher, unabhängig von IQ, Statur, Dichtheit des Haarschopfes und Penisgröße, selbstbewusst ihr Ziel verfolgen. Zweifler wirken immer kleiner als sie sind. Im ersten Eindruck misst sich Attraktivität eben durch Lautstärke und Sichtbarkeit. Wer sich selbst am liebsten unter der Decke versteckt, wird auch so wahrgenommen. Noch ein Beispiel? Egal, ich hau es raus. Auf Fotos habe ich wegen meiner Zahnlücke immer gern den Mund geschlossen gehalten. Schieß drauf. Seit diesem Sommer halte ich die Lücke madonnaesk in jede Kamera. Shice drauf. So sieht Franzl’s Fresse halt aus. Ich bin cool damit und das möchte ich auch ausstrahlen.

Also: Haut raus. Seid stolz auf Euch. Auf jeden kleinen Erfolg. Prahlt nicht, aber versteckt Euch auch nicht.

Meine Kifferei hat mir den Mut geraubt. 8 Monate haben viel davon zurück gebracht und ich will weiter daran arbeiten. Ich will nicht zum Arschloch werden, aber ab und zu will ich wie eins auftreten und zwar wie ein richtig Großes. Selbstbewusst und angstfrei! Vier Monate sind es jetzt noch bis ich mein Ziel von einem Jahr Kifffreiheit erreicht habe. Ich bin gespannt, welches Ziel ich mir dann setze. Bleib stark. Werdet stark. Seid stark.

Der Königsweg zum Glück.

Ich mag diese ganze Kiffer-Subkultur noch immer. Ich habe mich für einen grasfreien Weg entschieden und das ist für mich auch erstmal gut so. Aber ich bin weit davon entfernt, jedem vom Kiffen abzuraten. Ich will hier ehrlich sein – und dazu gehört es einzugestehen, dass ich tiefergehende emotionale Probleme über Jahre mit mir rumgeschleppt habe, ohne sie anzugehen. Und mit meiner Sucht habe ich die Verdrängung forciert. Ich habe auf morgen verschoben. Heute ist das alles für mich ganz eindeutig und ich habe keine Scham zuzugeben, dass ich belastet war und es auch noch bin. Ich habe mich für sehr stabil gehalten – emotional ausgeglichen und frei. Aber erst eine gescheiterte Beziehung und eine berufliche Unsicherheit, zusammen mit dem Stopp der Zufuhr meiner täglichen Dosis Medical Marihuana, haben die Wahrheit ans Licht gebracht. Ganz langsam und Stück für Stück wurde mir bewusst, dass ich mir etwas vorgemacht habe. Es war nicht das Gras, das mich emotional beschädigt hat – nein es war die Zeit der Verdrängung, die kleine Päckchen in große Lasten verwandelt hat. Unbemerkt in einem stillen Eckchen meines Kopfes. Meine Fresse bin ich froh, dass das letzte Jahr so gelaufen ist wie es eben gelaufen ist. Es hat mir die Augen geöffnet. Ich habe mehr als genug Zeit die Lasten langsam aber sicher abzuladen.

Ich möchte Euch ansprechen, ihr da draußen, die diesen Blog findet in einer Phase in der ich mich befand, als ich ihn startete: Scheiße, mein Leben gerät irgendwie aus den Fugen. Ich war fertig. Nach der ersten kifffreien Woche war ich nicht stolz, sondern völlig down. Desillusioniert. Verwirrt. Ich hatte Angst.

Seid aufmerksam. Unsere Geschichten sind alle unterschiedlich. Unsere Biografien ebenso. Und auch die Gründe, warum wir aufhören wollen zu kiffen variieren. Es gibt ihn nicht, den allgemeingültigen Königsweg für den Weg aus der Sucht. Sucht Euch Vertraute, denen ihr sagen könnt, was Euch belastet. Seid ehrlich zu ihnen und zu Euch selbst. Meist hat die Sucht einen tieferen Grund. Das klingt nach einer ganz schlimmen Floskel, aber es ist wahr. Der tiefere Grund kann auch nur eine kleine Pfütze sein – einmal feste reingetreten und die Welt ist wieder in Ordnung. Oder ist ein tiefer Graben und es muss erst eine Brücke darüber gebaut werden, ohne das man wüsste wie so etwas geht. Scheitern. Neu versuchen. Scheitern. Erfolg. Profis können helfen. Es gibt Menschen, die haben schon viele dieser Brücken gebaut und verfügen über Pläne, Material und Erfahrung. Vertraut Euch an. Vertraut Euch und Eurem Instinkt.

Wenn ich so zurückschaue wusste eigentlich immer, was mit mir los ist. Hätte mich jemand ins Gesicht darauf angesprochen, hätte ich es von mir gewiesen und als lächerlich abgetan. 7 Monate haben viel verändert. Es ist wahr. Und es soll Euch Mut machen. Packt die Scheiße an. Traurigkeit, Wut, Melancholie, Angst – lasst all diese Gefühle zu und hört genau hin. Hinter diesen Emotionen stecken die Probleme und auch die Lösungen. Wie oft bin ich in den ersten Wochen von dieser tiefen Trauer übermannt worden, die mich richtig gelähmt hat. Statt der Wohligkeit, wie nach dem ersten tiefen Zug an an der Tüte  zog eine dichte Wolke aus Traurigkeit durch meinen Kopf. Ganz plötzlich und doppelt so intensiv. Ich fühlte mich schwach, schlecht und nutzlos. Ich war ein kleines Häufchen Elend, von der Freundin verlassen und nahezu pleite. Ich armer kleiner Trottel. Ich hab mich extra klein gemacht. Ich wollte klein sein, zurück in Mamas Schoß. (Dabei muss ich wieder an Siggi Freud denken. Nie hab ich verstanden, was das für eine Theorie sein soll von wegen Mutter heiraten und Vater töten. Heute halte ich den Mann für den Superdenker überhaupt. Aber das nur am Rande.)

Kiffen oder nicht kiffen? Ihr wisst ganz genau, was der richtige Weg für Euch ist. Und wenn der Joint oder die Bong zum Instrument wird und ihr darauf spielt, um die Stimmen Eures Gewissens zu überspielen, dann – ja dann sollte die Antwort auf der Hand liegen. Ich hab so kraftvoll in die Trompete geblasen, dass ich jahrelang gar nichts mehr gehört hab. Ich hatte einen grünen Tinitus.

Kifft, oder hört damit auf. Beides ist der richtige Weg. Kiffen hilft und es schadet. Es ist Medizin und Droge. Freundin und Hure. Problem und Lösung. Ihr wisst alle ganz genau, was richtig für Euch ist. Tut es. Sammelt Kraft und legt los. Ich glaub an Euch. Euer Franzl.

Ein Abschiedsbrief.

Im Zuge der meiner Suchtberatung wurde ich gebeten einen Abschiedsbrief zu verfassen. Ich finde das eigentlich ein bisschen sehr theatralisch, dennoch möchte ich meine Version mit Euch teilen:

Liebe Mary Jane,

zehn Jahre waren wir ein Paar. Unzertrennlich wie Bonny und Clyde. Ich war der gute Junge mit den ehrlichsten Intentionen, war verliebt und grünäugig. Du warst meine Gaunerbraut. Eine kleine Rebellin, die meinem Leben ein bisschen Aufregung versprochen hat, ein bisschen Verruchtheit. Dein Geruch nach Hinterhof und hat mich fasziniert. Ich bin bürgerlich aufgewachsen, doch mit Dir an meiner Seite war ich plötzlich auch ein bisschen Ghetto. Ich mochte das sehr. Wir waren die zwei Geflippten und schwammen gemeinsam die Strömung. Wir haben Parties aufgemischt, Rentner verwirrt, Unruhe gestiftet und Regeln gebrochen. Ich habe die verstörten Blicke der Leute geliebt, wenn du inmitten der Meute auf Konzerten an meinen Lippen hingst und wir uns gemeinsam der Musik hingegeben haben. Für uns war das Alles ganz lockere Action, doch für die waren das gleich Skandale. Ohne mich warst Du eine stinknormale Blume und ohne Dich war ich nur einer dieser Spießer.

Meine „wilden Jahre“ habe ich mit Dir geteilt. Sicher werde ich meinen Enkeln irgendwann von Dir erzählen. Von den vielen Nächten, die wir uns um die Ohren geschlagen haben. Von den Geschichten, die wir erlebt haben. Es war, wie ein ewiger Rausch. Ich hab Dich verehrt und gegen jede Argumentation verteidigt. Mama mochte Dich nicht. Im Berufsleben habe ich unserer Beziehung sogar geleugnet. Es war eine wilde Zeit mit Dir und ich kann nicht beurteilen, wo ich ohne die Jahre mit Dir heute stünde. Erfolgreicher? Erwachsener? Glücklicher? Fuck it! Ich habe Dich verlassen. Ich bin Dir nicht dankbar und erwarte ebenso keinen Dank von Dir. Ich werde Dich nie vergessen, aber ich werde keine Träne vergießen, weil Du nicht mehr da bist. Wir sehen uns in der Hölle, Du Miststück. Ich bereue unsere Liaison nicht, aber sie war zu lang. Vielleicht hätte es als Fernbeziehung funktioniert. Als aber es ging bergab, als Du bei mir eingezogen bist. Jeden Tag konnte ich Dich einfach nicht ertragen. Ein intensiver Tanz alle paar Wochen – das hätte eine Lösung sein können. Die tägliche Dosis Mary, jeden Abend gemeinsam auf der Couch hocken und nix tun – das war unser Ende. Aus der wilden Tanzerei wurde in kürzester Zeit eine ermüdende Choreografie der Langeweile.

Wir hätten viel früher auseinander gehen sollen. Die letzten Jahre waren ein ewiger Krieg. Ich wollte weiterziehen, mich entwickeln und langsam erwachsen werden. Du wolltest immer nur tanzen, Spaß war alles was dich interessierte. Dabei waren unsere Tänze schon lange kein wilder Ritt mehr – eher eine Schlittenfahrt im späten März: matschig und stotternd. Veränderung hast du abgeblockt. Probleme waren Dir zuwider. Anstatt sie zu lösen haben wir uns verkrochen, sind den ganzen Sonntag im Bett geblieben und haben getan, was wir immer taten. Und wenn es brenzlig wurde haben wir den Kopf in den Sand gesteckt und abgewartet bis der Sturm vorbeigezogen war. Ich hätte früher gehen sollen, aber die gemeinsamen Stunden unter dem Bettlaken haben mich auch getröstet. Ich bin einfach nicht davon losgekommen.

Jetzt ist es also soweit. Ich gehe. Endgültig. Wir hatten unsere On/Off-Phase – aber auch das ist nun vorbei. Sieben Monate haben wir uns nicht mehr berührt. Ab und zu habe ich Dich mit Freunden tanzen sehen. Ich empfinde keine Eifersucht dabei. Es ist ihr Leben und vielleicht können Sie einfach besser mit Deiner Art zu leben umgehen. Es ist mir egal, ob sie das Bett mit Dir teilen, oder den Sonntagsblues. Ich will das nicht mehr. Und ich brauche es auch nicht mehr. Der Abschied war hart. Schlaflose Nächte und Albträume haben mich viele Wochen verfolgt, aber auch diese Zeit ging vorbei. Ich habe andere Mädchen getroffen und sogar einige Frauen. Ich war so fixiert auf Dich, dass ich gar nicht mehr wusste, was mir entgeht. Es geht mir gut und ich bin weitergezogen.

Mach’s gut. Du hast genug Freunde und wirst nicht lange alleine bleiben. Unsere Geschichten werde ich bestimmt noch häufiger erzählen, nur erleben möchte ich sie nicht mehr. Es ist bizarr: ich blicke mit Freude auf unsere gemeinsame Zeit zurück. Viele schöne kleine Erinnerungen verbinde ich mit Dir. Und dennoch verfluche ich Dich. Du hast meine Schwäche ausgenutzt und mich gefickt, im wahrsten Sinne. Obwohl ich wusste, dass unsere Verbindung zwecklos ist, habe ich daran festgehalten und bin immer wieder bei Dir gelandet. Thanks a lot, but now: go fuck yourself.

In Liebe und ewiger Verachtung,
Dein Franzl.