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Wilhelm’s Kiff-Keller

„Was geht? Englisch oder kiffen?“ – die Antwort kam einhellig und so fuhren wir zu viert im alten Escord Kombi die 15 Kilometer in Wilhelms Kiff-Keller, anstatt den Englischkurs zu besuchen. Zwei Stunden hatten wir schließlich schon im Leistungskurs gesessen und das musste, wie so oft, für diesen Tag reichen. Natürlich fiel damit auch der Rest des Schultages durch, aber schice drauf. Wir waren eh Rebellen und so fuhren wir ganz rebellenartig in Mutters weißem Kombi in einer halbwegs noblen Kölner Vorort in die Residenz Busch. Ein wirklich schönes und großes Haus zweier fleißiger Eltern, die zwei fleißig kiffende Söhne darin großzogen. Der eine wohnte im ausgebauten Dachgeschoß und der andere eben im Keller, der mal ein Poolraum werden sollte. Dieser stand nun im Garten, ordentlich angelegt – nicht so ein blauen Planschbecken, was heute schon als Pool durchgeht.

Ich konnte bereits kiffen an diesem Tag, aber die Pfeife hatte ich bislang im umschifft. Keine Ahnung warum. Die 3er-Runde heizte Kopf um Kopf und ich rauchte meinen Selbstgebastelten, bis die Frage kam: „Soll ich dir nicht auch mal einen Kopf klarmachen, Franzl?“ „Hau halt raus“, oder irgendwas in der richtung muss meine Antwort gelautet haben, denn ich hatte kurz danach die Pfeife im Gesicht und wurde in die physikalische Logik des Kicklochs eingeführt. Feuer an den Kopf, ziehen bis der Kopp alle ist und dann den Finger vom Loch und leer machen die Bong. Easypeasy.

Ich dachte ich falle direkt hintenüber, als ich den Kopf im Hirn hatte. Ich war immer gerne stoned, auch mal so richtig breit, aber was sich da in meinem Gehirn ausbreitete war die absolute Dichtheit. Ich war für die kommenden fünf Stunden an diesen Sessel geklebt. Nichts ging mehr. Ich musste nicht kotzen und auch die Erdrotation konnte ich gut ertragen, aber ich konnte weder sprechen, noch etwas essen, oder mich gar bewegen. Ich war einfach superweggeballert. Das war mir neu. Ich wurde geweckt, als die Jungs den Heimweg antreten wollten. Herr Busch fuhr uns netterweise auch wieder zurück und brachte mich heim zu Mama, wo ich direkt ins Bett ging. So gegen 17 Uhr.

Am nächsten Morgen um 8 saß ich in der Schule über einer fünfstündigen Physik-LK-Klausur. Ich füllte 20 Seiten mit irgendwelchen Berechnungen, gab ab und ging wieder heim, wo nochmal 7 Stunden schlief, um mitten in der Nacht halbwegs klar das erste mal wieder klarzukommen. Also diese Bongkifferei muss man echt üben – der erste Kopf hat mich echt umgehauen und für 48 Stunden etwas schmierig im Kopf gemacht. Danach habe ich vielleicht noch vier- fünfmal eine Bong geraucht. Immer vorsichtig und nie wirklich mit Vergnügen. Ich bin bei der leichten Stonedheit geblieben, die mir Joints geliefert haben. So etwa zehn Jahre lang.

5 Punkte war das Ergebnis der Klausur. Es hat gerade gereicht. Die Notwendigkeit hatte mich wieder einmal gerettet. Selbst mit zugekleistertem Hirn habe ich es noch auf die Reihe gekriegt die Klausur ausreichend zu gestalten. Das Argument – „Kiffen schadet mir nicht, ich bekomme doch alles geregelt“ – höre ich oft. Ich habe es auch selbst schon gebracht, aber heute weiß ich es besser. Es hinzubekommen und wirklich zu leben sind zwei ganz verschiedene Dinge.