beziehung

Update: Rückfall plus 4 Monate

Hallo, meine kleine, liebgewonnene und absolut hilfreiche Nichtkiffgemeinde, ich lebe noch. Ich kiffe aber nicht mehr. Am letzten Januartag habe ich eine verloren gegangenen Freundschaft ein kleines bisschen kitten können. Und statt Fensterkitt haben wir Gras geraucht. Ausrede? Nein. Es war einfach der richtige Mensch und der richtige Anlass, um mein Jahr Abstinenz zu besiegeln. Ich habe das Jahr geschafft. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Tage und Woche voller schlafloser und verschwitzter Nächte. Meine Fresse war das nach zehn Jahren ständigem Konsum eine Qual.

Heute sind schon wieder 4 Monate nach diesem einen kleinen Sticky vergangen und ich kann euch sagen: alles easy. Und das meine ich nicht mit den Worten des alten Franzl, der das sagte während eine dicke grüne Wolke aus seinem Rachen entstieg und damit meinte, dass eben alles easy ist. Was meist irgendwie gelogen war. Die letzten vier Monate waren sehr einfach. Gras spielt einfach keine Rolle mehr in meinem Leben. Ich begegne noch immer Kiffern, zuletzt auf einem Basketballturnier hier in der Ecke, aber irgendwie zieht es mich nicht mehr zu Ihnen. Ich muss nicht mal mehr Joints aktiv ablehnen, da ich einfach nicht mehr mit im Kreis stehe wenn irgendwo gekifft wird. Und das muss ich gar nicht vermeiden. Es ist einfach so gekommen.

Leider, und das meine ich sehr ernst, leider hat das auch Auswirkungen auf diesen kleinen Blog hier. Meine Gedanken drehen sich einfach nicht mehr um die Problematik, die mich so lange beschäftigt hat. Mir hat es so sehr geholfen, meine Situation, meine Gedanken und die ganzen Geschichten hier aufzuschreiben, aber heute dreht sich mein Tag um andere Dinge. Ich suche immer noch nach einer Lösung, wie ich das Projekt weiterführen kann, aber so lange ich da keine Lösung gefunden hab, hat wohl Daniel Bahr (Anfangs Troll, dann ehrlicher und geschätzter Mitstreiter) recht, wenn er schreibt: „Der Blog ist tot.“

Ein fetter Dank an euch alle!

Es macht mich traurig und froh zugleich! Ihr Mitstreiter habt mir echt Kraft gegeben und ich hoffe sehr, dass ihr alle auf einem guten Weg seid und es euch gut geht. Apropos: wie geht es denn dir, Herr Aussteiger? Nächste Woche müsste dein Jahr ablaufen. Ich bin sicher, du bist noch dabei und wünsche dir alles Gute. Jetzt können wir gemeinsam stolz sein! Stark, homie! Trine, Mori, Daniel, Christoph, der Melancholiker, Mary, Thandie, Ma, Siggi, kiffling: wie sieht es bei euch aus? Läuft alles gut? Ich hoffe das sehr!

Mir geht es jedenfalls gut und ich gehe meinen Weg weiter. Zu haufenweise Sport, ein bisschen Arbeit habe ich außerdem eine neue Liebe gefunden. Liebe macht Spaß und ein gemeinsamer Abend auf der Couch gibt mir deutlich mehr als ein einsamer verrauchter Abend.

In diesem Sinne. Bis bald. Hoffentlich! Fühlt euch gedrückt,
euer Franzl

Rückfall vs. Schicksal

Es ist also passiert. Ich habe am Freitag gekifft. Naja, ich habe dreimal an einem Joint gezogen. Aber natürlich zählt das. Und ich kann euch sagen, meine Fresse, war ich stoned. Mit am Zaun festhalten und allem.

Aber um eins gleich vorwegzunehmen: es ist bei diesem Joint geblieben. Die Sucht scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die sie die vielen Jahre hatte. Am nächsten morgen war alles, wie „neu“ gewohnt. Ich habe keinen inneren Drang gespürt, gleich wieder das Telefon in die Hand zu nehmen und Gras zu organisieren. Ja, ich hatte Angst, dass es so kommt. Aber scheinbar hat sich über das abstinente Jahr doch eine Veränderung ergeben. Das ist gut.

Wie ist es zum Kiffjoint gekommen?

Das Schicksal. Ganz einfach. Ich war auf einer Party und nach ein paar kleinen Bieren und drei Schnaps fragt mich ein Freund – nein, mein bester Freund Elvis – ob ich noch immer hinters Zelt gehe? „Nein, eigentlich tue ich das nicht mehr, aber lass ma machen„, war meine Antwort. Dazu muss ich sagen, dass wir zwei superdicke waren, bis ich vor etwa 30 Monate den alten Homie-Kodex ein bisschen verbogen habe, indem ich ein Mädchen, das er verehrte selbst begehrte. Ich war egoistisch, aber das ist eine ganz andere Story.

Zuvor haben wir zwei das erst mal seit eine Ewigkeit wieder miteinander gesprochen und ich bin megafroh, dass es so kam. Ich wollte die Nähe und hatte ich auch Lust einen J mit ihm zu teilen. Das haben wir unzählige Male getan. Wir waren Brüder im Geiste und das hat mir gefehlt. Also haben wir uns hinter das Zelt geschlichen und still und leise einen Sticky geteilt, der mich nach Mexiko befördert hat. Nicht absturzstoned, aber schon ganz schön hart. Mit weichen Knien hielt ich mich am Zaun fest, war gleichzeitig dicht und happy, dass Elvis und ich uns wieder ein Stück näher kamen.

Natürlich wäre der Joint dafür nicht nötig gewesen. Aber, wie gesagt: Schicksal. Wir haben uns kurz ausgetauscht, wie wir die letzten Jahre verbracht haben. Er war nie derart süchtig, wie ich es war, aber er kifft noch. Wir haben uns verabredet ein paar Tage zusammen zu verbringen und es bedeutet unheimlich viel für mich. Ich habe Mist gebaut und er hat jedes Recht mir nicht zu verzeihen, aber es scheint, als könnte das passieren.

Was jetzt?

Meine Einstellung hat sich verändert. Die Sorge, dass ich gleich wieder in ein Loch falle, nur weil ich einmal ein bisschen high war, hat sich als übertrieben dargestellt. Ich fühle mich nicht anders, wie in den letzten 12 Monaten und dieser halbe Joint wird nichts an meinem Plan ändern, ein kifffreies Leben zu führen. Aber ich habe auch gespürt, warum ich so gern kiffte. Den Anflug von Kreativität, Emotionalität und Lockerheit konnte ich spüren.

Mein Tagebuch wird weitergehen. Es gibt noch zu viele Geschichten zu erzählen. Schöne und Schreckliche – lustige und traurige. Ich bin wieder bei null. No Biggedy, aber der Plan steht. Ich will nie wieder zurück zum täglichen Kiffen und ich will auch nicht diese halben Joints zur Regelmäßigkeit machen.

Ich bleibe aufmerksam und wach. Danke Elvis, danke euch,
Fette Grüße, euer Franzl.

Kiffen in der Partnerschaft

Eins vorweg: Ich mag Mädchen, schätze Frauen bin pro Emanzipation aber contra Alice Schwarzer’s Version davon. Die folgenden Zeilen sind aus meiner männlichen Sicht geschrieben, nicht zu verallgemeinern und keineswegs abschätzig gemeint. 

Kiffen in der Partnerschaft, oder der Abstieg eines fröhlichen Kiffers

Meine letzte Beziehung sollte meine Rettung sein. Das Bewusstsein über meine Sucht war schon sehr ausgeprägt, aber es ging mir gut. Der Job lief gut, ich bin jede Woche locker 150 Kilometer Rad gefahren und es ging mir körperlich und emotional wunderbar. Süchtig war ich wohl, ja – aber das hat mich augenscheinlich nicht belastet. Ich hatte eine Hochphase in meinem Leben und ein toller Sommer lag hinter mir, als ich im Dezember die Einladung zu einem Winterurlaub bekam. Es waren noch Plätze in einem Haus in Triol frei, ich sagte zu, rief meinen besten Kumpel an und er brachte noch eine Freundin von ihm mit ins Spiel und wir belegten zu dritt die freien Betten.

Diese Freundin sollte später meine Freundin werden. Ich wusste wer sie war, aber wir kannten uns nicht wirklich. Meine Fresse hab ich gekifft in diesem Urlaub. Schon auf der A3 Richtung Süden haben wir in der Nacht der Anfahrt 3, 4 dicke Tüten weggedampft. Also mein Homie und ich, sie ist Vegetarierin und Nichtraucherin. Die ganze Woche hab ich abgekifft, als spielte ich die Hauptrolle in einem Rapvideo. In der Gondel, im Sessellift, auf die langsamen Mädchen wartend mitten auf der Piste, in der Aprés Ski Hütte und natürlich abends in der Sauna. In der Gruppe war ich schon immer als „der Kiffer“ bekannt. Für sie, nennen wir sie Felice B., war das wohl neu. Aber offensichtlich habe ich sie beeindruckt, wohl nicht mit der Menge Gras, die ich so wegheizen konnte, aber sicher mit der Art und Weise, wie ich diesen Lifestyle lebte. Ich habe mich nicht versteckt. Im Gegenteil, ich habe den Lebemann raushängen lassen, mich aufgeführt wie Snoop Dogg auf Promotour.

Wir waren eine Gruppe von 10 und ich hatte Spaß daran den Casper zu spielen. Morgens als erster aufzustehen, den ersten Joint auf dem Klo beim kacken zu rauchen und danach Kaffee für die nichtkiffenden Schlafmützen zu kochen und Stimmung zu machen. Das hat ihr gefallen. Ich war locker und wirkte selbstbewusst. „Frauen stehen auf Arschlöcher!“ – Das ist ja die allgemeine These und wie immer bei solchen Weisheiten steckt, meines Erachtens, auch hier ein Funken Wahrheit drin. Ein Arschloch war ich nicht. Aber ich habe in dieser Woche kein Interesse signalisiert, ich wusste auch noch gar nicht, das ich welches habe. Hinter „Arschloch“ steckt eher das grundlegende Desinteresse an der Meinung aller und speziell der Meinung der Frau. Es kommt einfach nicht gut an sein Verlangen, seine Sehnsucht nach Liebe, Schüchternheit und vor allem Schwäche offen vor sich her zu tragen. Männlichkeit ist Härte, und Gleichgültigkeit, und Alphatiergehabe.

Ein zweiter Einschub zwischendurch: ich fange jetzt nicht an meine Version davon rauszuhauen, wie man am Besten eine Frau für sich gewinnt. Ich denke nicht, dass es dafür ein Patentrezept gibt. (An dieser Stelle ein Hallo an alle, die über http://www.der-anna-code.com hier landen. Irgendwie landen täglich ein paar, ich tippe, Jungs von dieser Seite auf diesem Blog. Schön, auch wenn ich nicht weiß, wie und wieseo. Aber willkommen!) Ich war nie der Typ, der Mädchen des Aufreissens willen anspricht. Ich suchte immer eine Partnerin, die zu mir und meinem Leben passt. Trotzdem habe ich meine Erfahrungen gemacht und verstehe, dass es Do’s und Don’ts gibt. Weiter im Programm.

Ich war nicht schüchtern auf dieser Reise. Ich war der beste Skifahrer der Gruppe und ich habe den Ansager gespielt, wenn die Gruppe sich nicht auf eine Richtung einigen konnte. Easypeasy. Nur deshalb hat Felice mich als potenziellen Partner gesehen. Ich habe nicht mit ihr geflirtet. Als sie abends auf einer Party mit einem Spanier knutschte, der sich mit seinen Freunden unserer Runde anschloss, habe ich ihr nachgesehen, um zu prüfen ob er cool ist. Beide knutschten und er war ein Gentleman. Für mich war die Sache damit auch cool. Und wir feierten alle zusammen. Vielleicht habe ich sogar auch mit einem der Spanier geknutscht. Ein wilder Abend. Ein wilder Urlaub. Auf dem Weg in die Heimat haben die beiden mich auf halbem Weg in meiner Exilheimat rausgelassen und ich sagte ihr einen Satz, der alles anschieben sollte. „Dein Lächeln wird mir fehlen.“ Das war ehrlich und ernst gemeint. Ernster als ich zu diesem Zeitpunkt begreifen konnte.

Wir waren unterschiedliche Menschen und trotzdem begannen wir uns zu treffen und wurden schließlich ein Paar. Getrennt durch einige Hundert Kilometer Autobahn. Und plötzlich war ich nicht mehr Alphamann. Nach vielen Jahren des Singleseins fühlte ich Geborgenheit. Das erste Mal so richtig. Ich ließ meine Fassade bröcken und mich in die Beziehung fallen. Es begann damit, dass ich ihre Sorgen und Ängste annahm und dagegenwirkte. Sie sollte bei mir keine Sorge haben, betrogen zu werden. All die Dinge, die ihr in der Vergangenheit widerfuhren versuchte ich zu korrigieren. Doch auf der anderen Seite legte ich, überwältigt von den Gefühl der Zweisamkeit, all meine Sorgen und Ängste offen. Ich weinte unfassbar viel, schon in der ersten Monaten. Nicht weil wir uns stritten, oder weil ich Angst hatte verlassen zu werden, sondern weil ich bemerkte, dass ich alleine zwar gut funktionierte aber lange kein kompletter Mann/Mensch war. Der Sex war merkwürdig. Und ich benahm mich merkwürdig. Schnell driftete ich vom Alphatier in die Rolle des Teenager-Mädchens in der Beziehung. Ich genoss es mit dem Kopf auf ihrem Schoß zu liegen und ich war es, der nachts einen Hand halten wollte. Ich hatte Zweisamkeit sehr vermisst und für mich war diese Partnerschaft eine Art Rettung in letzter Not. Eine Not, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie existierte.

Sie gab mir Kraft und redete mir gut zu. Doch der Wechsel von stark zu schwach war für Felice sicher nicht einfach zu begreifen und letztendlich war es natürlich der Grund, dass sie mich für einen stabileren, älteren, anderen Mann verließ. Watt ’ne Bitch. 

Plötzlich war ich nicht mehr der lockere, fröhliche Kiffer, der zum Bier halt noch einen Dübel dreht. Ich war ein Kiffer, der sich hinter dem High versteckt. Der mit dem Nebel des Rausches seine inneren Brüche verdeckt. Das war mir damals natürlich nicht bewusst. Heute ist das klar für mich. Sie lernte mein inneres Ich kennen, einen kleinen Jungen, der noch etliche Baustellen in seinem Köpfchen zu lösen hatte. Und sie lernte das quasi live und parallel mit mir selbst kennen. Ich war selbst überrascht von dieser Kleinheit, in die es mich warf. Ich kann sie heute verstehen. Ich war ein Häufchen Elend. Nach der Trennung bin ich erst richtig zusammengebrochen. Ich wollte viele Jahre eine Freundin haben und ich dachte diese Beziehung könnte meinem Leben eine neue Richtung geben. Letztendlich ist das auch so passiert – allerdings auf eine andere Art, als ich das damals erwartete.

Das Kiffen war nicht das Problem in unserer Partnerschaft. Es war mein Schutzwall. Und nicht die Abstinenz hat ihn aufgebrochen, sondern die emotionale Bindung zu ihr. Aber es gab sie trotzdem, die Situationen in denen sie das klassische Mädchen raushingen ließ. Wenn ich im Sommer mit den Jungs in der Stadt war und nachts völlig hacke und megastoned in die (mittlerweile) gemeinsame Wohnung kam und sie dann ihre Standpauke raushaute, mir ein schlechtes Gewissen machte. Völlig Unnötig dieses Mamagetue. Wofür, dass ich Spaß hatte? Die Beziehung war furchtbar anstrengend für mich. Ich hatte mich nie so intensiv mit meinem Inneren beschäftigt und da kann so ein Abend mit den Jungs und ein paar konischen Seelenkleistern helfen, die Sorgen vertreiben. Mädchen machen das gern – Jungs ein schlechtes Gewissen einzutrichtern dafür, dass sie Jungskram machen. Wie Mütter halt: warum spielst du schon wieder Playstation? Musst du schon wieder mit den Jungs saufen gehen? Jeden Samstag diese Bundesliga! Muss das sein? – Halt die Goschen und fahr halt mal samstags nachmittags alleine in die Stadt, um Schuhe zu kaufen! Jungs und Mädchen – das hat noch nie funktioniert. Und trotzdem macht es Sinn.

So in etwa ist das gelaufen: meine Verwandlung vom Happykiffer zum deprimierten, grasvernichtenden Einsiedler. Nach der Trennung habe ich noch ein halbes Jahr weitergekifft, mich zurückgezogen und wurde noch kleiner, als ich es eh schon war. Aber es fühlte sich anders an. Ich merkte plötzlich, dass ich rauchte, um zu verdrängen. Die lustigen Tüten wurden zur Ausnahme. Früher waren die traurigen, nachdenklichen Tüten die Seltenheit. Mit meiner eigenen Verwandlung wandelte sich auch das und schließlich gelang mir der wichtige Schritt zum Ausstieg. Ich wollte wieder Erfolge einfahren, glücklich sein und an mir arbeiten und die Kifferei behinderte mich dabei. Ganz einfach diese Erkenntnis, aber sie musste eben aus mir selbst entspringen.

Sie hätte mir gerne das Kiffen verboten – aber Mädels – so einfach ist das nicht. Wenn der Junge ab und zu einen rollt oder auch ein Bier zuviel trinkt, dann ist das Verbot nicht zielführend. Es hat einen Grund, dass es so ist. Und wenn ihr ihm ein schlechtes Gewissen einredetet, weil er was Dummes macht, dann habt ihr nicht begriffen, wen ihr euch da angelacht habt. Jungs machen Dummheiten, dafür sind wir da. Ihr seid nicht so Weise, wie ihr immer tut. Nur selten könnt ihr selbst entscheiden, welche Schuhe ihr zu welchem Shirt anziehen sollt und wir müssen uns eine Antwort aus den Rippen leiern, jedes Mal wenn ihr uns fragt: Nimmst du mich so mit? 

Sie hatte auch Probleme und ich hoffe, dass sie ebenfalls reflektiert, was da zwischen uns gelaufen bin. Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn der Beziehung einen Satz gesagt habe, der auch heute für der richtige Ansatz für eine Partnerschaft ist: „Ich möchte, dass wir beide, egal wie sich diese Sache zwischen entwickelt, jeweils stärker aus dieser Beziehung gehen, als wir eingetreten sind.“ Das war mir wichtig. Es gilt heute nicht mehr: „bis das der Tod euch scheidet“. Für meinen Teil kann ich heute sagen: ich bin stärker als vor ihr. Ich hoffe, dass gilt auch für sie. Danke Felice. Danke, dass du mir einen Arschtritt feinster Güte gegeben hast. Ich habe ihn gebraucht.

Heimlich kiffen!

Der einsame Joint zu Hause auf der Couch ist ein starkes Anzeichen dafür, dass aus dem genüsslichen High ein Problem entsteht. Das ist keine allgemeingültige Tatsache, aber es zählt zu den Anzeichen. Noch deutlicher wird es in meinen Augen, wenn heimlich gekifft wird.

Vor Kurzem habe ich in meinem Kulturbeutel, den ich zuletzt in der gemeinsamen Bude mit meiner Ex-Freundin genutzt hatte, eine ganze Sammlung Feuerzeuge gefunden. Ich musste darüber lachen, aber eigentlich ist es eine traurige Geschichte. Wie kamen Feuerzeuge im Kulturbeutel? Nunja, es war Winter und meine Ex-Freundin raucht(e) nicht. Die Feuerzeuge kamen von den unzähligen heimlichen Joints, die ich morgens, nachdem sie zur Arbeit gefahren ist, auf dem Klo geraucht habe. Wir kamen grad von unserer Reise und ich hatte noch keinen Job und nur wenig Aufträge und habe viele Vormittage verdöst. Und das gern high. Draußen war es mir zu ungemütlich und so habe ich halt heimlich im Bad geraucht. Nach dem duschen und einer guten Lüftung war nichts mehr davon zu riechen. Und die verwendeten Feuerzeuge habe ich wohl in meinen Kulturbeutel gesteckt. 7 Stück habe ich darin gefunden. Da hat sich in kurzer Zeit eine richtige Routine eingespielt. Freundin aus dem Haus, abrollen und ab ins Bad – endlich kiffen. Das sind wirklich diese junkiehaften Abgründe, die mir heute sagen: Franzl, du hast/hattest das echt nicht im Griff. Lass das kiffen sein und mach dich frei von allen Zwängen. Ich kiffe nicht mehr und die Momente unbedingt einen bauen zu wollen gibt es eigentlich schon nicht mehr. Trotzdem fühle ich mich noch immer beeinträchtigt und bin sehr achtsam, was alle anderen Zwänge angeht.

An die verlorenen Partnerschaft denke ich noch oft. Auch in meinen Träumen zeigt sich deutlich, dass ich traurig über den Verlust bin. Wir haben uns in einer Phase getroffen, in der ich sehr happy und voller Tatendrang war. Und in einer Phase, in der ich exzessiv gekifft habe. Es war im Urlaub in einer Gruppe von einem Dutzend Leute und ich habe konstant durchgedreht. Es war mein Rebellentum und meine Selbstsicherheit, die der Grund dafür waren, dass sie sich in mich verliebt hat. Und es waren meine Schwäche und die Sucht, die sie diese Liebe verlieren ließen. Es ist unfassbar und unbegreiflich für mich, wie nah Stärke und Schwäche bei mir zusammenliegen. Erst stehe ich mit Joint im Mundwinkel beim Aprés Ski in der Menge und tanze ausgelassen zu beknackter Musik und etwa ein Jahr später sitze ich in auf dem Klo ihrer Wohnung und kiffe heimlich.

Ich habe mich lange sehr bemitleidet als sie mich verließ. Und habe noch mehr gekifft als eh schon. Ich hatte mich ihr anvertraut. Das erste Mal in meinem Leben habe ich die harte Schale abgelegt und das schwache Bewusstsein meiner Selbst offengelegt. Mir tat das gut und hat mich letztendlich einen Schritt weitergebracht, aber für sie war es eine zu große Aufgabe. Und ich kann sie heute verstehen. Sie hat die Stärke gesucht, und war einfach enttäuscht Schwäche zu entdecken.

Aber auch das ist eigentlich eine andere Geschichte. Heimlich kiffen ist traurig und schwach und für mich ein klares Zeichen der Sucht. Ich will wieder stark werden. Stärker als all die Impulse, die mich so heimsuchen. Weiter geht’s!