Statusbericht

Update: Rückfall plus 4 Monate

Hallo, meine kleine, liebgewonnene und absolut hilfreiche Nichtkiffgemeinde, ich lebe noch. Ich kiffe aber nicht mehr. Am letzten Januartag habe ich eine verloren gegangenen Freundschaft ein kleines bisschen kitten können. Und statt Fensterkitt haben wir Gras geraucht. Ausrede? Nein. Es war einfach der richtige Mensch und der richtige Anlass, um mein Jahr Abstinenz zu besiegeln. Ich habe das Jahr geschafft. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Tage und Woche voller schlafloser und verschwitzter Nächte. Meine Fresse war das nach zehn Jahren ständigem Konsum eine Qual.

Heute sind schon wieder 4 Monate nach diesem einen kleinen Sticky vergangen und ich kann euch sagen: alles easy. Und das meine ich nicht mit den Worten des alten Franzl, der das sagte während eine dicke grüne Wolke aus seinem Rachen entstieg und damit meinte, dass eben alles easy ist. Was meist irgendwie gelogen war. Die letzten vier Monate waren sehr einfach. Gras spielt einfach keine Rolle mehr in meinem Leben. Ich begegne noch immer Kiffern, zuletzt auf einem Basketballturnier hier in der Ecke, aber irgendwie zieht es mich nicht mehr zu Ihnen. Ich muss nicht mal mehr Joints aktiv ablehnen, da ich einfach nicht mehr mit im Kreis stehe wenn irgendwo gekifft wird. Und das muss ich gar nicht vermeiden. Es ist einfach so gekommen.

Leider, und das meine ich sehr ernst, leider hat das auch Auswirkungen auf diesen kleinen Blog hier. Meine Gedanken drehen sich einfach nicht mehr um die Problematik, die mich so lange beschäftigt hat. Mir hat es so sehr geholfen, meine Situation, meine Gedanken und die ganzen Geschichten hier aufzuschreiben, aber heute dreht sich mein Tag um andere Dinge. Ich suche immer noch nach einer Lösung, wie ich das Projekt weiterführen kann, aber so lange ich da keine Lösung gefunden hab, hat wohl Daniel Bahr (Anfangs Troll, dann ehrlicher und geschätzter Mitstreiter) recht, wenn er schreibt: „Der Blog ist tot.“

Ein fetter Dank an euch alle!

Es macht mich traurig und froh zugleich! Ihr Mitstreiter habt mir echt Kraft gegeben und ich hoffe sehr, dass ihr alle auf einem guten Weg seid und es euch gut geht. Apropos: wie geht es denn dir, Herr Aussteiger? Nächste Woche müsste dein Jahr ablaufen. Ich bin sicher, du bist noch dabei und wünsche dir alles Gute. Jetzt können wir gemeinsam stolz sein! Stark, homie! Trine, Mori, Daniel, Christoph, der Melancholiker, Mary, Thandie, Ma, Siggi, kiffling: wie sieht es bei euch aus? Läuft alles gut? Ich hoffe das sehr!

Mir geht es jedenfalls gut und ich gehe meinen Weg weiter. Zu haufenweise Sport, ein bisschen Arbeit habe ich außerdem eine neue Liebe gefunden. Liebe macht Spaß und ein gemeinsamer Abend auf der Couch gibt mir deutlich mehr als ein einsamer verrauchter Abend.

In diesem Sinne. Bis bald. Hoffentlich! Fühlt euch gedrückt,
euer Franzl

Statusbericht: 12 Monate

Du spürst das Gras. Hier und da bewegt sich was. Pünktlich zu meinem Jubiläum war ich bei den Fantas in Köln, ich habe die Songs und Texte gefeiert und konnte im Innenraum wirklich gutes Gras riechen. Heute ist Tag X, ich bin 365 Tage kifffrei. Das ist gut und ich bin ein bisschen stolz.

Doch was kommt jetzt? Ich weiß es nicht. Ich bin nicht mehr süchtig – das kann ich heute locker und leicht behaupten. Außer Gefahr bin ich dennoch nicht. Aber ich mach mir keine Sorgen mehr. Ich bin frei und zufrieden mit meiner neuen Situation. Er wird irgendwann gerollt, der nächste Joint. Die Musik der Fantastischen Vier hat mich mein Leben lang begleitet und das Kiffen ist ein großer Teil dieses Lebens. Wie gerne habe ich, besonders auf Konzerten, ein bisschen grünes Gras in Tüten gerollt und genüsslich inhaliert, um stoned und easy davon zu werden. Jeden Tag Kiffen – das ist heute ein Stigma, dass ich mir nicht mehr anheften möchte und werde, aber vor der Spießigkeit möchte ich mich dennoch drücken. Zwischendurch mal Drogen nehmen – was ist dabei?

Aber ich bin noch nicht soweit. Jetzt habe ich erstmal mein Ziel erreicht. Und ich habe noch kein neues Ziel vor Augen. Zumindest keines, dass mit dem Verzicht auf Drogen in Verbindung steht. Ich werde auch in der nahen Zukunft nicht kiffen. Aber heute kann ich keine Zahl formulieren.

Auch für diesen Blog muss ich mir nun einen neuen Plan überlegen. Die Dokumentation endet wohl hier und heute erst einmal. Ich möchte weitermachen, aber dafür brauche ich einen Plan. Wir werden sehen. Sofern ich kiffen sollte, werde ich mich hier allerdings outen.

An dieser Stelle möchte ich mal bei Euch, unserer kleinen Community, wirklich herzlichen und ganz ehrlich bedanken. Ich bin durch eine schwere Zeit gegangen und dieser kleine Blog hat mir sehr geholfen meinen Plan auch wirklich durchzuziehen. VIELEN DANK.

Bleibt stark und auch ihr schafft das erste Jahr. Ich glaube ab dann/hier ist es keine Frage der Disziplin mehr, sondern eine Frage des Plans. Ich muss meinen jetzt finden, aber ich bin absolut optimistisch, denn ich habe mich aus einer Spirale des täglichen Kiffens befreit. Aus eigener Kraft und aus dem freien Willen heraus. Das wünsche ich euch auch.

Bis ganz bald,
Euer Franzl Paffka.

Statusbericht: 11 Monate

2014 geht zu Ende. Es ist verflogen. Mein erstes Jahr seit einer Ewigkeit in dem ich nicht 365 Tage stoned war. Es war nur 19. Jetzt bin ich elf Monate clean. Elf Monate ohne mein so gewohntes Ritual des Jointbauens. Die Zeit ging unfassbar schnell vorbei und ich bin immernoch unglaublich froh, dass ich es endlich geschafft habe diesen Schritt zu gehen.

Zu meinem Status kann ich nur sagen, dass ich null Symptome mehr wahrnehme. Ich schlafe prima und durch. Ich kann mich wieder gut konzentrieren und ich emotional bin ich absolut stabil. Das ist erfrischend und ich hoffe es ist für alle, die in Begriff sind meinen Weg zu gehen oder schon dabei sind, ein Ansporn nicht aufzugeben. Es lohnt sich. Ich fühle mich frei.

Über das Jahr haben sich allerdings weitere Baustellen aufgetan, die ich nun, nachdem ich ein volles Jahr kifffrei bin, bereit bin anzugehen. Um nicht zu kiffen brauche ich nun keine Kraft mehr. Ich rauche noch immer und ich habe mein routiniertes Sportprogramm über die letzten Monate schleifen lassen. Das wird mein guter und sehr ernster Vorsatz für das kommende Jahr 2015.

Ich freue mich auf das neue Jahr. Ich habe auch neben diesen beiden Themen spannende Aufgaben vor der Brust und verspüre eine große innere Motivation zu anzugehen. Jetzt freue ich mich aber auf ein paar ruhige Tage zwischen den Jahren und dann geht es weiter.

Euch da draußen wünsche ich weiterhin viel Mut und Entschlossenheit. Fühlt Euch gedrückt, genießt die Feiertage und kommt gut ins neue Jahr.

Euer Franzl.

Statusbericht: 10 Monate

Marilize Legajuana

Zehn Monate. Zur Feier des Tages ein Zitat vom Ten Guy: „Marilize Legajuana“! Hab ich wohl auch mal einen dummen Tenguy-Spruch rausgehauen? Ich hab mich immer für relativ clever und kultiviert gehalten in meiner langen Kiffer-Phase. Aber ich fürchte viele der bekifften Diskussionsgruppen über Krieg und Frieden waren nicht so „deep“, wie wir uns das damals einbildeten.

Ich habe Abstand gewonnen zu dieser Zeit. Zehn Monate bin ich jetzt raus und über diese Zeit hat sich meine Haltung zum Kiffen ständig verschoben. Es begann mit Trauer über den Abschied. Danach folgte Ärger über die verpasste Zeit. Später ein bisschen Hass auf das Kraut und meine Sucht. Dann wieder ein wenig Wehmut nach der Einfachheit des bekifften Lifestyles. Es folgen bestimmt noch ein paar Phasen, bis ich die Sache wirklich neutral betrachten kann. Aber ich bin auf jeden Fall entspannt. Die Erinnerung an mein oberstonedtes Ich bringt mich zum Lachen. Weil ich in den vorhandenen Erinnerungen zum größten Teil ein breites Lächeln auf dem Gesicht hab weil mein breites Gehirn gerade irgendeinen Schabernack ausheckt. Superstoned und superhappy.

Den Blog habe ich gestartet als andere Emotionen meinen Alltag beherrschten: Melancholie, Weltschmerz und Liebeskummer. Im letzten Jahr meiner Sucht war ich wirklich nur noch megastoned und mellow. Traurig und ziellos bin ich von Tag zu Tag geschlichen. Ohne diese Phase würde ich heute sicher immernoch mit der gleichen Überzeugen kiffen, mit der ich die vielen Jahre vorher das Kiffen verharmlost und vergöttert habe.

Heute gilt für mich Folgendes: Ein gesunder Geist ist offen für Drogen und stark genug den Effekt einzusortieren.  Ein schwacher Geist kann durch die kleinste Erschütterung aus dem Takt geworfen werden. 

Ich war schwach und emotional ausgemergelt. Ich bin heute froh über diese Phase. Ich habe in der Zeit viel gelernt: über mich und auch über mein Umfeld. Ich habe im Zuge dieser „Kriese“ den Ausstieg aus einer Suchtsituation geschafft und fühle mich heute stark genug nicht noch einmal zu so einem Trauerkloß zu werden, der ich in der Zeit war. Hinfallen und Aufstehen. Diese Regel lernen wir eigentlich schon in unserer Kindheit. Ich habe es erst spät begriffen. Genauso wie die Sache mit den kleinen Schritten. Meine ToDo-Liste war ewig und ich habe gar nichts angepackt. Heute stelle ich mir kleine Aufgaben und arbeite Schritt für Schritt an deren Umsetzung. Geschmeidig zum Erfolg.

Zehn Monate also. Stark Franzl. Ich klopf mir selbst auf die Schulter und gehe einfach weiter. Ich bin kein besserer Mensch geworden. Ich habe immernoch Probleme, Ziele, Aufgaben und Träume – aber alles ist ein bisschen einfacher und klarer geworden. Auf die nächsten zehn.

Lieber Gruß,
Euer Franzl

Statusbericht: 9 Monate.

Drei mal drei ist Neune. 9 Monate bin ich jetzt clean. Ich fühl mich auch sauber. So langsam sollte das ganze Kraut, dass ich mir so viele Jahre durch die Birne gezogen haben komplett aus meinen Organismus verdampft sein. Ich fühle auf jeden Fall nichts mehr davon. Mein Leben hat sich verändert seit meinem Ausstieg. Positiv verändert. Absolut positiv.

Hört auf zu kiffen – ihr da draußen. Ihr, die ihr hadert. Ihr, die ihr glaubt kiffen ist nur ein Mittel zum Runterkommen. Zum Abschalten von einem „harten“ Arbeitsalltag. Täglich kiffen ist ein Kreislauf, der ultrahart zu durchbrechen ist. Es beginnt doch meist gleich. Auf den kleinen Rausch ab un zu folgt schnell das Ritual des täglichen Absackers. Dieser Schritt ist nicht unausweichlich, aber ebenso wenig abwegig. Ich habe verdrängt, habe schöngeredet und verharmlost. Das war ein Irrglaube.

Macht Euch bewusst, warum ihr kifft. Versucht herauszufinden, ob es nicht doch einen tieferen Grund für die vielen einsamen  Joints gibt. Alleine Drogen zu nehmen zu nehmen würde ich immer als Alarmsignal werten. Egal, ob es der einsame Joint auf der heimischen Couch, der heimliche Schluck Jägermeister oder die Nase Koks auf dem Büroklo ist.

Ich fühle mich frei. Jetzt gehe ich raus, setze mich aufs Rad und genieße den goldenen Oktober. Drogenfrei und glücklich. Die Sonne reicht mir für ein gutes und wohliges Gefühl. Das ist ein tolles Ergebnis. Bald ist mein Ziel rum: ein Jahr kein Gras. Ich glaube ich mach zwei draus. Warum sollte ich auch wieder kiffen? Mein Leben ist besser geworden.

Ich drücke Euch alle. Bleibt; werdet stark!

Euer Franzl

Statusbericht: 8 Monate.

Ich kann es kaum fassen. Es begann mit der ersten überstandenen Nacht, dann die erste Woche, der erste Monat, ein halbes Jahr und jetzt sind es also 8 Monate. Unfassbar. Jetzt bin ich so weit gekommen und eins weiß ich genau: ich möchte nicht zurück. Ich habe ein Leben als Kiffer geführt und bin endlich ausgebrochen aus diesem Zwang. Auch die Identitätskriese ist überwunden. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Neuorientierung, aber ich bin halt kein Kiffer mehr. Und das fühlt sich ausgezeichnet an. Ich habe die Kraft mich neu zu orientieren und fühle mich stark genug neue Wege zu gehen – härter zu arbeiten als je zuvor und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Es fällt mir von mal zu mal schwerer in diesen Statusberichten Bezug zur Abstinenz zu nehmen. die Auswirkungen sind verschwunden. Die Stimmungsschwankungen sind weg. Ich bin nicht immer happy, aber definitiv zufriedenen. Ich schlafe gut, Träume regelmäßig, aber die Träume verwirren mich nicht mehr und die Erinnerung an die nächtlichen Eskapaden verschwindet spätestens nach der morgendlichen Dusche. Die Melancholie ist überstanden. Ich habe immernoch Sorgen und Ängste, aber die sind fass- und lösbar und sehr konkret. Ich kann mich ihnen stellen und auf eine Lösung hinarbeiten. Die Konzentration ist ebenfalls deutlich verbessert und ich habe das Gefühl, es wird wöchentlich besser.

Es fällt mir schwer allein die Abstinenz als Grund für meine Entwicklung über das letzte halbe Jahr zu sehen, aber es ist wohl so. Das sollte Euch allen Mut machen. Die Abstinenz ist nicht die Rettung, aber sie setzt neue Kräfte frei und kann der Wegbereiter für ein neues Leben sein. Das gilt wahrscheinlich für jede Art von Sucht. Es ist unglaublich befreiend nicht mehr an diesem Kraut zu hängen und ich denke oft daran, warum ich so eisern an meinem täglich High festgehalten haben. Es ist mir ein Rätsel. Für mich habe ich nun einen Weg gefunden, aber wenn ich nach einem allgemeinen Tipp gefragt werde, habe ich keine Antwort parat. Was hätte ich meinem 2007er Ich sagen können, um es von einem Ende zu überzeugen? Ich weiß es nicht. Ich hätte mich verprügeln können und trotzdem hätte ich danach einen Joint in mein verbeultes Gesicht gesteckt und hätte mich der Erbärmlichkeit dieser Szene hingegeben. Ganz sicher. Warum ich? Das war auch nach dem Ende der letzten Partnerschaft mein beherrschender Gedanke. Anstatt meine offenkundige Unfähigkeit, Schwäche und Unsicherheit zu erkennen und konkret zu bearbeiten, habe ich mich eingeigelt und klein gemacht. Habe mich selbst betrauert und die gemeine Welt verflucht.

Heute mache ich das anders. Und das gibt mir viel Mut. Ein kleines Beispiel vom letzten Wochenende. Aus dem Spiel statt aus der Liebe, aber ich finde es sehr passend. Die Situation ist folgende: Das erste Spiel der neuen Saison. Auswärts beim ärgsten Konkurrenten um den Aufstieg. Basketball ist auch so eine Art Liebe. Wir sind neun Punkte hinten, die letzten zwei, einfachen Würfe habe ich vergeben. Außer zwei Freiwürfen habe ich keine Punkte erzielt. Ich weiß genau, dass ich noch vor drei Jahren nicht das Selbstbewusstsein hatte, mich aus dieser Situation zu befreien. Doch in diesem Spiel hatte ich einen Moment. Nach dem zweiten Fehlwurf aus meiner Lieblingsposition laufe ich zurück in die Defense und fühle die Unsicherheit in mir. Scham. Angst vor dem Versagen. Aber heute kann ich die Scheiße für mich benutzen, mich zusammenreißen und mich darauf besinnen was ich kann. Ich klatsche also in die Hände, schüttele mich und konzentriere mich. Und was passiert? Ich fange direkt im kommenden Angriff des Gegners einen Pass ab, laufe nach vorn –  Pass – Korb für uns. Danach macht der Gegner drei Minuten keinen Korb und ich versenke vier Jumper in Folge. Wir führen und gewinnen schließlich. Meine Moral aus dieser kleinen Geschichte: Versteck Dich nicht hinter bedrückenden Emotionen. Du kannst spielen. Du kannst lieben. Du weißt, was zu tun ist. Nichts zu tun und die Unsicherheit gewinnen lassen führt nur noch tiefer in die Traurigkeit. Fehler passieren ständig. Nach jedem Fehler will ich mich schütteln und es erneut versuchen, mutig und selbstbewusst. Zweifel sind der Tod der Chance. Lieber versage ich aufrecht, voller Überzeugung als jemals wieder gebückt und bedrückt zu scheitern.

Schon wieder klinge ich wie eine billige Version eines Motivationskünstlers. Sorry. Tschakka, du schaffst es. Aber es ist leider so einfach: Es kommt eben doch auf die Haltung an. Warum sagt man über Frauen, dass sie immer die Arschlöcher bevorzugen? Weil Arschlöcher, unabhängig von IQ, Statur, Dichtheit des Haarschopfes und Penisgröße, selbstbewusst ihr Ziel verfolgen. Zweifler wirken immer kleiner als sie sind. Im ersten Eindruck misst sich Attraktivität eben durch Lautstärke und Sichtbarkeit. Wer sich selbst am liebsten unter der Decke versteckt, wird auch so wahrgenommen. Noch ein Beispiel? Egal, ich hau es raus. Auf Fotos habe ich wegen meiner Zahnlücke immer gern den Mund geschlossen gehalten. Schieß drauf. Seit diesem Sommer halte ich die Lücke madonnaesk in jede Kamera. Shice drauf. So sieht Franzl’s Fresse halt aus. Ich bin cool damit und das möchte ich auch ausstrahlen.

Also: Haut raus. Seid stolz auf Euch. Auf jeden kleinen Erfolg. Prahlt nicht, aber versteckt Euch auch nicht.

Meine Kifferei hat mir den Mut geraubt. 8 Monate haben viel davon zurück gebracht und ich will weiter daran arbeiten. Ich will nicht zum Arschloch werden, aber ab und zu will ich wie eins auftreten und zwar wie ein richtig Großes. Selbstbewusst und angstfrei! Vier Monate sind es jetzt noch bis ich mein Ziel von einem Jahr Kifffreiheit erreicht habe. Ich bin gespannt, welches Ziel ich mir dann setze. Bleib stark. Werdet stark. Seid stark.

Statusbericht: 7 Monate.

So. Nun führe ich also schon 7 Monate ein kifffreies Leben. Die Zeit verfliegt und ich bin wirklich froh diesen Schritt gemacht zu haben. Die ersten drei Monate waren wohl auch die Härtesten. Melancholie, Schlafstörungen und wilde Träume haben die Anfangsphase bestimmt und ich musste mich wirklich durchquälen. Danach ging es stetig, aber langsam bergauf. Noch heute morgen habe ich in der Bahn auf dem Weg ins Büro an diese erste Zeit gedacht und viel schlapp und antriebslos ich mich gefühlt habe. Ich hatte wirklich keine Kraft mein Leben von jetzt auf gleich umzukrämpeln. Obwohl ich zu gern getan hätte. Mit jedem Monat wurde es dann ein bisschen besser und langsam konnte und bin ich die kleinen Dinge angegangen, die mich belasteten. Damit bin ich auch heute noch nicht fertig, aber ich blicke mutig nach vorn. Ich falle nicht mehr in diese Schwere, sondern schüttele mich kurz und weiter geht es.

Unter den treuen Mitstreitern hier gab es in der letzten Zeit ein paar kleine Rückfälle, genossene Tüten oder wie man es eben nennen mag. Ich finde es sehrt stark von Euch, dass ihr dazu steht und weitermacht. Weiter so. Das ist kein Beinbruch. Im letzten Monat schwebten mir auch ein paar Gedanken an dicke Tüten und einen wohligen Rausch durch den Kopf. Ich habe mich sogar gefragt, warum ich nicht mal Koks oder gar die Höchstform des Downers – Opium – probiert habe. Ob ich es mal probieren sollte. Ich bin ja nur ein Leichtmatrose von Rebell mit meinem bisschen Kifferei. Nein, es waren keine konkreten Pläne, eher Gedankenspiele. Wie ich schon mal sagte, ich lese viel momentan. Es ist manchmal noch anstrengend – besonders wenn ich gute Autoren lese, die lange das Geschichten erzählen übten und schlaue Sätze schrieben, die mein Gehirn aufreiben. Aber auch daran merke ich, dass mein Gehirn wacher wird. Ich bin aufmerksamer, kann Worte besser in Bilder in meinem Kopf verwandeln. Das Kiffen hat mich langsamer gemacht. Das muss ich heute eingestehen. Damals, als Kiffer hätte ich es mit einer wilden Handfuchtelei als Gruselmärchen abgetan. Aber es ist wohl so. Auf der anderen Seite ist die Quote der Süchtlinge, gerade unter Literaten besonders hoch. Seine Heroinjahre in Istanbul haben Jörg Fauer vielleicht erst zu dem Menschen/Schriftsteller gemacht, den ich heute so sehr schätze. Er hat die Sucht nach dem Harten Zeug hinter sich gelassen und plötzlich lief es. Ich will nicht ernsthadt eine Parallele ziehen, aber zumindest feststellen das Sucht auf keinen Fall ein Ende bedeutet. Es kann ebenso ein Anfang sein und möchte meine neue Situation sehen. Mein Anfang.

Es hat viele Wochen gedauert, aber ich bin jetzt stärker als die Sucht nach dem täglichen High. Ich will nie wieder in diesen Kreislauf zurück. Jeder Joint birgt die Gefahr, dass das Eichhörnchen wieder die Machtergreifung anstrebt. Das ist mir klar. Die Jungs, die heute noch kiffen, wie ich zu meiner Zeit, für die ist das letzte halbe Jahr einfach durchgerattert. Nichts hat sich verändert. Ich will jeden Tag Veränderung und dafür fehlt mir dauerangebreitet einfach die Power. Ich darf nicht mehr kiffen. Bislang habe ich es gut durchgehalten, aber irgendwann wird er wohl in meinem Mundwinkel stecken, der Rückfall. Hunderte gescheiterte Versuche habe ich schon hinter mir. Ich bin nicht besonders stark, nur weil ich es diesmal hinbekomme. Es sind auch diese Zeilen, die mir ein gewisses Maß an Verantwortung auferlegen. Ich bin so oft gescheitert, diesmal war die Zeit einfach reif. Das Jahr mache ich voll, da bin ich mir heute sicher. Danach höre ich mal in mich rein und werde sehen, was mein Kopf mir sagt. Heute kann ich mir den Moment gar nicht vorstellen, in dem ich an einer Tüte ziehe, so sehr habe ich mich angestrengt dieses Verlangen zu verdrängen. Vielleicht bleibt es ein Verbot auf Lebenszeit.

Wir werden sehen. Das ist alles Zukunftsmusik. Erstmal auf in den nächsten Monat.

 

Statusbericht: 6 Monate.

Ein halbes Jahr. BÄM. Ich schreibe aus der Vergangenheit. Heute ist gar nicht heute und ich hab es noch gar nicht geschafft, dieses Ziel. Aber ich werde es erreichen – easy as a shit in the morning. Denn es geht mir gut – mein kifffreies Leben fühlt sich gut an. Es ist leichter geworden. Zeug regeln, weiterkommen, durchatmen, Arbeiten, freundlich sein, ausrasten – alles ist lockerer.

Heute, also Samstag, Stichtag (ich konnte das rekonstruieren – am 19.01.2014 habe ich den letzten Joint geraucht), sitze ich betrunken in Berlin auf einem Hausboot und schippere über die Havel oder ein anderes Berliner Gewässer. Woher soll ich das denn heute wissen, also jetzt, ihr wisst schon. Ich genieße das fantastische Wetter und habe wenig Sorgen. Ist noch genug Bier kalt?

Ich habe diesen Blog gestartet, weil ich meine Sorgen, meine Traurigkeit und meine Ängste teilen wollte. Es hat mir sehr geholfen diese Gedanken hier niederzuschreiben. Diese Themen gehen mir langsam aus. Das ist eine gute Sache. Und jetzt muss ich mir eine neue Ausrichtung ausdenken. Das Thema ist noch nicht auserzählt und vielleicht dreht sich meine momentane Euphorie ja auch noch mal. Jeder soll sein Ding machen und ich hätte mir nie raten lassen mit dem Kiffen aufzuhören. Ich hätte mir nie eingestanden, dass dieser Lifestyle des täglichen High eigentlich betrübt, mich aufhält und bremst. Heute würde ich Jedem Kiffer raten eine Pause zu machen. Eine endgültige Pause. Es geht prima ohne. NAch Traurigkeit kommt Freiheit, kommt Erkenntnis.

Der Sommer tut gut. Jetzt bricht die zweite Hälfte meines ursprünglichen Plans an und ich freue mich drauf. Auf geht’s.

Statusbericht: 5 Monate.

Nun sind es also schon 5 Monate. Oder so ähnlich. Ich habe den Tag des letzten Joints vergessen. Ist auch Wurscht. Es geht mir gut. Schlafstörungen, Lethargie und Melancholie sind beinahe ausgestanden. Suchtdruck empfinde ich nicht. Rauchen ist allerdings noch immer ein großes Thema. Ich poofe ununterbrochen. Ekelhaft. Ich muss das abstellen. Bald.

Der Aussteiger (ein Mitstreiter)  hat mich gefragt, was sich über die letzten zwei Monate noch verändert hat. Ich kann es nicht wirklich sagen. Das Leben ist ein bisschen leichter geworden. Ich glaube ich bin offener geworden, freier. Versuchungen machen mir keine Probleme. Ich habe jetzt schon einige Situationen gehabt, in denen ein Joint nur eine Armlänge weit entfernt war. Aber ich habe nicht einmal gezuckt. Ich bin mir meiner Situation bewusst, aber es bedarf keiner sonderlichen Anstrengung die Abstinenz aufrecht zu erhalten. Nicht kiffen ist einfach.

Ich bin lange nicht am Ende meiner kleinen Reise, aber sie ist längst nicht mehr so steinig wie zu Beginn. Jetzt habe ich Gelegenheit mich auf die wahren Aufgaben des Lebens zu konzentrieren. Ich bin noch nicht wirklich weitergekommen und suche beruflich noch immer nach einem Highlight, dem ich mich voll und ganz widmen kann, aber so lange genieße ich das Leben drum herum. Das Eichhörnchen begleitet mich nicht mehr und ich hoffe es kommt auch nicht wieder. Man sagt ja, einmal Sucht – immer Sucht. Ich bin gespannt, wie sich meine Situation entwickelt, aber ich mache mir keine Sorgen. Dann kiff ich halt nie wieder. Auch kein Ding.

Bleibt dran, Jungs. Wenn sich Eure Gedanken um Traurigkeit, Sucht und Träume drehen, dann legt den Joint beiseite und sucht nach einem geeigneten Zeitpunkt das tägliche Kiffen zu beendet. Für mich war es ein nie enden wollender Strudel, der mein Leben viel mehr beeinflusst hat, als ich es glauben wollte.

Gras ist nicht harmlos. Ich habe viele Jahre keinen Ausweg gefunden und immer weiter gekifft. Es war schwer den Absprung zu schaffen. Jetzt ist es einfach und ich frage mich, warum ich es so lange nicht geschafft habe. Ich habe kein Allheilmittel. Ich kenne keinen Königsweg. Ihr müsst für Euch die Entscheidung treffen nicht mehr zu wollen. Traut Euch.

Statusbericht: 4 Monate

Puffpuffpass

Puffpuffpass

So. Vier Monate sind auch rum. Die Zeit vergeht auf jeden Fall immer schneller. Bei meinem letzten Statusbericht habe ich noch geschrieben, dass ich mich mit dem Wort „Depression“ auseinandergesetzt habe. Ich hatte Angst, dass sich diese Traurigkeit weiter manifestiert und ich abdrifte. In einen Strudel gerate, der mich in einen Abgrund zieht, dem ich nicht entfliehen kann. Das ist ja unter Kiffern kein unbekanntes Phänomen. Und Stimmungsschwankungen gehören wohl einfach zum Entzug dazu. Allerdings kann ich heute, nur einen Monat später, sagen, dass diese Angst erstmal unbegründet war. Diese Woche hatte ich einen Moment, der mich aufatmen lässt: ich setze mich auf die Couch und spürte diesen Rhytmus, der mich seit meiner Abstinez verfolgt. Ich atme tief, beginne mich schlapp zu fühlen und meine Gedanken driften richten Selbstmitleid. In diesem Moment jedoch wurde ich nicht traurig. Ich war klar und mir wurde klar, dass zwar nicht alles wunderbar ist, ich aber auch nicht traurig sein muss. Es fühlte sich einfach nicht mehr so schwer an wie sonst. Ich glaube, ich komme langsam wieder zu Kräften.

Aus kleinen Zielen werden jetzt wieder Größere. Das ist prima. Ich kiffe nicht mehr. Das Vorhaben wandelt sich in einen Status. So langsam verblassen die ganzen Erinnerungen an diese lange Phase des Kiffens. Die vielen Joints und die ganze Lebensweise, die damit einhergeht, verschwinden im Dunst der Vergangenheit. Abstand ist ganz wichtig. Die Zeit vergeht, ob ich nun täglich kiffe, oder nicht. Ich bin nur vier Monate kifffrei und die körperlichen und geistigen Veränderungen sind wirklich marginal. Aber ich gewinne Abstand zu diesem ganzen Zirkus. Ich sehe keine Kiffer mehr. Dabei kann ich gar nicht sagen, ob ich mich bewusst fernhalte, oder es sich einfach so entwickelt hat. Ein guter Freund von mir hat etwa zur gleichen Zeit aufgehört täglich zu kiffen. Er nimmt die ganze Sache etwas lockerer, hat in den vier Monate drei/vier Joints geraucht und überhaupt keine Probleme mit dem Verzicht.  Wir sprechen ab und an über unserer Eindrücke. Das hilft wirklich. Ich merke auch, dass meine Blog-Frequez abnimmt. Das möchte ich eigentlich nicht, aber es vergeht mittlerweile einfach auch mal eine Woche, ohne dass ich mich mit dem Thema auseinandersetze.

Thema Schlaf. Das hat sich immer noch nicht richtig eingependelt. Aber es stellt kein Problem mehr da. Einmal pro Nacht wache ich noch auf, so etwa zur Halbzeit. Und wenn ich keinen Termin hab, bleibe ich unter der Woche gern mal ne Stunde länger liegen. Aber ich denke, dass liegt auch daran, dass ich beruflich momentan nicht wirklich gefordert bin. Ich wünsche mir fast wieder einen blöden 40-Stunden-Job mit Anwesenheitspflicht. Aber das ist eine eigene Geschichte. Finanziell komme ich gut klar. Meine berufliche Situation werde ich ändern, aber ich will erstmal wieder happy und stark werden. Mein Job darf nie die Definition meines Ichs werden.

Aus innerer Freude kommt positive Austrahlung und daraus folgt Glück/Erfolg – je nachdem. Für mich ist es so einfach. Glückliche Menschen erkennen Gelegenheiten einfach besser und haben mehr Kraft sie zu ergreifen und festzuhalten.

Für alle Mitstreiter und Abstinenzler: Haltet durch. Ich dachte meine Welt bricht zusammen. Ich war zu Tode betrübt, im wahrsten Sinne. In dieser Zeit hatte ich Gedanken, die ich gar nicht ausprechen möchte. Ich hielt mein Dasein für sinnlos und dachte mir geht die Kraft verloren weiterzumachen. Ich zweifelte an mir, an allem was ich kann und darstelle. Traurigkeit bestimmte meine Tage und Abende. Einsamkeit erdrückte mich. Hoffnung war nur ein Schimmer. Sucht war Alles. Das Gehirn ist ein fragiles Gebilde, ich hab mich immer für stark gehalten und dennoch hat mir dieser Zustand die Kraft genommen. Bei mir war es eine Trennung, der Bruch mit meinem Vater und die Erkenntnis der Sucht, die kombiniert diesen Zustand ausgelöst haben. Es ist immer ein individuelles Problem, aber ich glaube die Auswirkungen sind immer sehr ähnlich. Ich befinde mich noch immer in dieser Phase der Neuerfindung und ich gebe mir alle Zeit der Welt. Aber ich möchte Euch sagen: die kleinen Erfolge werden kommen und ihr werde sie erkennen und Euch ehrlich darüber freuen. Diese kleinen Momente der ehrlichen Freunde sind wunderbar und sie nehmen mir die Angst vor allem, was noch kommt.

Vier Monate sind für mich heute nur noch eine kleiner Zwischenerfolg und mein Ziel erstmal ein Jahr kifffrei zu bleiben fühl sich schon lange nicht mehr so groß an, wie zu Beginn. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangsphase, in der 12 Monate nicht mehr als ein Wunsch waren. An einen Rückfall denke ich schon nicht mehr. Jetzt habe ich andere Ziele und das macht mir Mut. Kiffen und die Sucht bestimmen nicht mehr mein Leben. Ich bestimme.

Ich habe die Sucht noch lange nicht ausgestanden, aber ich bin auf einem Weg. Einem Weg, der mich hoffentlich zu dem Glück führt, das wir uns alle so sehr wünschen. Es geht weiter, ich bleibe meinem Vorsatz treu und das fühlt sich gut an.