Geschichten

Geschichten aus dem Leben eines Kiffers

Wilhelm’s Kiff-Keller

„Was geht? Englisch oder kiffen?“ – die Antwort kam einhellig und so fuhren wir zu viert im alten Escord Kombi die 15 Kilometer in Wilhelms Kiff-Keller, anstatt den Englischkurs zu besuchen. Zwei Stunden hatten wir schließlich schon im Leistungskurs gesessen und das musste, wie so oft, für diesen Tag reichen. Natürlich fiel damit auch der Rest des Schultages durch, aber schice drauf. Wir waren eh Rebellen und so fuhren wir ganz rebellenartig in Mutters weißem Kombi in einer halbwegs noblen Kölner Vorort in die Residenz Busch. Ein wirklich schönes und großes Haus zweier fleißiger Eltern, die zwei fleißig kiffende Söhne darin großzogen. Der eine wohnte im ausgebauten Dachgeschoß und der andere eben im Keller, der mal ein Poolraum werden sollte. Dieser stand nun im Garten, ordentlich angelegt – nicht so ein blauen Planschbecken, was heute schon als Pool durchgeht.

Ich konnte bereits kiffen an diesem Tag, aber die Pfeife hatte ich bislang im umschifft. Keine Ahnung warum. Die 3er-Runde heizte Kopf um Kopf und ich rauchte meinen Selbstgebastelten, bis die Frage kam: „Soll ich dir nicht auch mal einen Kopf klarmachen, Franzl?“ „Hau halt raus“, oder irgendwas in der richtung muss meine Antwort gelautet haben, denn ich hatte kurz danach die Pfeife im Gesicht und wurde in die physikalische Logik des Kicklochs eingeführt. Feuer an den Kopf, ziehen bis der Kopp alle ist und dann den Finger vom Loch und leer machen die Bong. Easypeasy.

Ich dachte ich falle direkt hintenüber, als ich den Kopf im Hirn hatte. Ich war immer gerne stoned, auch mal so richtig breit, aber was sich da in meinem Gehirn ausbreitete war die absolute Dichtheit. Ich war für die kommenden fünf Stunden an diesen Sessel geklebt. Nichts ging mehr. Ich musste nicht kotzen und auch die Erdrotation konnte ich gut ertragen, aber ich konnte weder sprechen, noch etwas essen, oder mich gar bewegen. Ich war einfach superweggeballert. Das war mir neu. Ich wurde geweckt, als die Jungs den Heimweg antreten wollten. Herr Busch fuhr uns netterweise auch wieder zurück und brachte mich heim zu Mama, wo ich direkt ins Bett ging. So gegen 17 Uhr.

Am nächsten Morgen um 8 saß ich in der Schule über einer fünfstündigen Physik-LK-Klausur. Ich füllte 20 Seiten mit irgendwelchen Berechnungen, gab ab und ging wieder heim, wo nochmal 7 Stunden schlief, um mitten in der Nacht halbwegs klar das erste mal wieder klarzukommen. Also diese Bongkifferei muss man echt üben – der erste Kopf hat mich echt umgehauen und für 48 Stunden etwas schmierig im Kopf gemacht. Danach habe ich vielleicht noch vier- fünfmal eine Bong geraucht. Immer vorsichtig und nie wirklich mit Vergnügen. Ich bin bei der leichten Stonedheit geblieben, die mir Joints geliefert haben. So etwa zehn Jahre lang.

5 Punkte war das Ergebnis der Klausur. Es hat gerade gereicht. Die Notwendigkeit hatte mich wieder einmal gerettet. Selbst mit zugekleistertem Hirn habe ich es noch auf die Reihe gekriegt die Klausur ausreichend zu gestalten. Das Argument – „Kiffen schadet mir nicht, ich bekomme doch alles geregelt“ – höre ich oft. Ich habe es auch selbst schon gebracht, aber heute weiß ich es besser. Es hinzubekommen und wirklich zu leben sind zwei ganz verschiedene Dinge.

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Kiffen in der Partnerschaft

Eins vorweg: Ich mag Mädchen, schätze Frauen bin pro Emanzipation aber contra Alice Schwarzer’s Version davon. Die folgenden Zeilen sind aus meiner männlichen Sicht geschrieben, nicht zu verallgemeinern und keineswegs abschätzig gemeint. 

Kiffen in der Partnerschaft, oder der Abstieg eines fröhlichen Kiffers

Meine letzte Beziehung sollte meine Rettung sein. Das Bewusstsein über meine Sucht war schon sehr ausgeprägt, aber es ging mir gut. Der Job lief gut, ich bin jede Woche locker 150 Kilometer Rad gefahren und es ging mir körperlich und emotional wunderbar. Süchtig war ich wohl, ja – aber das hat mich augenscheinlich nicht belastet. Ich hatte eine Hochphase in meinem Leben und ein toller Sommer lag hinter mir, als ich im Dezember die Einladung zu einem Winterurlaub bekam. Es waren noch Plätze in einem Haus in Triol frei, ich sagte zu, rief meinen besten Kumpel an und er brachte noch eine Freundin von ihm mit ins Spiel und wir belegten zu dritt die freien Betten.

Diese Freundin sollte später meine Freundin werden. Ich wusste wer sie war, aber wir kannten uns nicht wirklich. Meine Fresse hab ich gekifft in diesem Urlaub. Schon auf der A3 Richtung Süden haben wir in der Nacht der Anfahrt 3, 4 dicke Tüten weggedampft. Also mein Homie und ich, sie ist Vegetarierin und Nichtraucherin. Die ganze Woche hab ich abgekifft, als spielte ich die Hauptrolle in einem Rapvideo. In der Gondel, im Sessellift, auf die langsamen Mädchen wartend mitten auf der Piste, in der Aprés Ski Hütte und natürlich abends in der Sauna. In der Gruppe war ich schon immer als „der Kiffer“ bekannt. Für sie, nennen wir sie Felice B., war das wohl neu. Aber offensichtlich habe ich sie beeindruckt, wohl nicht mit der Menge Gras, die ich so wegheizen konnte, aber sicher mit der Art und Weise, wie ich diesen Lifestyle lebte. Ich habe mich nicht versteckt. Im Gegenteil, ich habe den Lebemann raushängen lassen, mich aufgeführt wie Snoop Dogg auf Promotour.

Wir waren eine Gruppe von 10 und ich hatte Spaß daran den Casper zu spielen. Morgens als erster aufzustehen, den ersten Joint auf dem Klo beim kacken zu rauchen und danach Kaffee für die nichtkiffenden Schlafmützen zu kochen und Stimmung zu machen. Das hat ihr gefallen. Ich war locker und wirkte selbstbewusst. „Frauen stehen auf Arschlöcher!“ – Das ist ja die allgemeine These und wie immer bei solchen Weisheiten steckt, meines Erachtens, auch hier ein Funken Wahrheit drin. Ein Arschloch war ich nicht. Aber ich habe in dieser Woche kein Interesse signalisiert, ich wusste auch noch gar nicht, das ich welches habe. Hinter „Arschloch“ steckt eher das grundlegende Desinteresse an der Meinung aller und speziell der Meinung der Frau. Es kommt einfach nicht gut an sein Verlangen, seine Sehnsucht nach Liebe, Schüchternheit und vor allem Schwäche offen vor sich her zu tragen. Männlichkeit ist Härte, und Gleichgültigkeit, und Alphatiergehabe.

Ein zweiter Einschub zwischendurch: ich fange jetzt nicht an meine Version davon rauszuhauen, wie man am Besten eine Frau für sich gewinnt. Ich denke nicht, dass es dafür ein Patentrezept gibt. (An dieser Stelle ein Hallo an alle, die über http://www.der-anna-code.com hier landen. Irgendwie landen täglich ein paar, ich tippe, Jungs von dieser Seite auf diesem Blog. Schön, auch wenn ich nicht weiß, wie und wieseo. Aber willkommen!) Ich war nie der Typ, der Mädchen des Aufreissens willen anspricht. Ich suchte immer eine Partnerin, die zu mir und meinem Leben passt. Trotzdem habe ich meine Erfahrungen gemacht und verstehe, dass es Do’s und Don’ts gibt. Weiter im Programm.

Ich war nicht schüchtern auf dieser Reise. Ich war der beste Skifahrer der Gruppe und ich habe den Ansager gespielt, wenn die Gruppe sich nicht auf eine Richtung einigen konnte. Easypeasy. Nur deshalb hat Felice mich als potenziellen Partner gesehen. Ich habe nicht mit ihr geflirtet. Als sie abends auf einer Party mit einem Spanier knutschte, der sich mit seinen Freunden unserer Runde anschloss, habe ich ihr nachgesehen, um zu prüfen ob er cool ist. Beide knutschten und er war ein Gentleman. Für mich war die Sache damit auch cool. Und wir feierten alle zusammen. Vielleicht habe ich sogar auch mit einem der Spanier geknutscht. Ein wilder Abend. Ein wilder Urlaub. Auf dem Weg in die Heimat haben die beiden mich auf halbem Weg in meiner Exilheimat rausgelassen und ich sagte ihr einen Satz, der alles anschieben sollte. „Dein Lächeln wird mir fehlen.“ Das war ehrlich und ernst gemeint. Ernster als ich zu diesem Zeitpunkt begreifen konnte.

Wir waren unterschiedliche Menschen und trotzdem begannen wir uns zu treffen und wurden schließlich ein Paar. Getrennt durch einige Hundert Kilometer Autobahn. Und plötzlich war ich nicht mehr Alphamann. Nach vielen Jahren des Singleseins fühlte ich Geborgenheit. Das erste Mal so richtig. Ich ließ meine Fassade bröcken und mich in die Beziehung fallen. Es begann damit, dass ich ihre Sorgen und Ängste annahm und dagegenwirkte. Sie sollte bei mir keine Sorge haben, betrogen zu werden. All die Dinge, die ihr in der Vergangenheit widerfuhren versuchte ich zu korrigieren. Doch auf der anderen Seite legte ich, überwältigt von den Gefühl der Zweisamkeit, all meine Sorgen und Ängste offen. Ich weinte unfassbar viel, schon in der ersten Monaten. Nicht weil wir uns stritten, oder weil ich Angst hatte verlassen zu werden, sondern weil ich bemerkte, dass ich alleine zwar gut funktionierte aber lange kein kompletter Mann/Mensch war. Der Sex war merkwürdig. Und ich benahm mich merkwürdig. Schnell driftete ich vom Alphatier in die Rolle des Teenager-Mädchens in der Beziehung. Ich genoss es mit dem Kopf auf ihrem Schoß zu liegen und ich war es, der nachts einen Hand halten wollte. Ich hatte Zweisamkeit sehr vermisst und für mich war diese Partnerschaft eine Art Rettung in letzter Not. Eine Not, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie existierte.

Sie gab mir Kraft und redete mir gut zu. Doch der Wechsel von stark zu schwach war für Felice sicher nicht einfach zu begreifen und letztendlich war es natürlich der Grund, dass sie mich für einen stabileren, älteren, anderen Mann verließ. Watt ’ne Bitch. 

Plötzlich war ich nicht mehr der lockere, fröhliche Kiffer, der zum Bier halt noch einen Dübel dreht. Ich war ein Kiffer, der sich hinter dem High versteckt. Der mit dem Nebel des Rausches seine inneren Brüche verdeckt. Das war mir damals natürlich nicht bewusst. Heute ist das klar für mich. Sie lernte mein inneres Ich kennen, einen kleinen Jungen, der noch etliche Baustellen in seinem Köpfchen zu lösen hatte. Und sie lernte das quasi live und parallel mit mir selbst kennen. Ich war selbst überrascht von dieser Kleinheit, in die es mich warf. Ich kann sie heute verstehen. Ich war ein Häufchen Elend. Nach der Trennung bin ich erst richtig zusammengebrochen. Ich wollte viele Jahre eine Freundin haben und ich dachte diese Beziehung könnte meinem Leben eine neue Richtung geben. Letztendlich ist das auch so passiert – allerdings auf eine andere Art, als ich das damals erwartete.

Das Kiffen war nicht das Problem in unserer Partnerschaft. Es war mein Schutzwall. Und nicht die Abstinenz hat ihn aufgebrochen, sondern die emotionale Bindung zu ihr. Aber es gab sie trotzdem, die Situationen in denen sie das klassische Mädchen raushingen ließ. Wenn ich im Sommer mit den Jungs in der Stadt war und nachts völlig hacke und megastoned in die (mittlerweile) gemeinsame Wohnung kam und sie dann ihre Standpauke raushaute, mir ein schlechtes Gewissen machte. Völlig Unnötig dieses Mamagetue. Wofür, dass ich Spaß hatte? Die Beziehung war furchtbar anstrengend für mich. Ich hatte mich nie so intensiv mit meinem Inneren beschäftigt und da kann so ein Abend mit den Jungs und ein paar konischen Seelenkleistern helfen, die Sorgen vertreiben. Mädchen machen das gern – Jungs ein schlechtes Gewissen einzutrichtern dafür, dass sie Jungskram machen. Wie Mütter halt: warum spielst du schon wieder Playstation? Musst du schon wieder mit den Jungs saufen gehen? Jeden Samstag diese Bundesliga! Muss das sein? – Halt die Goschen und fahr halt mal samstags nachmittags alleine in die Stadt, um Schuhe zu kaufen! Jungs und Mädchen – das hat noch nie funktioniert. Und trotzdem macht es Sinn.

So in etwa ist das gelaufen: meine Verwandlung vom Happykiffer zum deprimierten, grasvernichtenden Einsiedler. Nach der Trennung habe ich noch ein halbes Jahr weitergekifft, mich zurückgezogen und wurde noch kleiner, als ich es eh schon war. Aber es fühlte sich anders an. Ich merkte plötzlich, dass ich rauchte, um zu verdrängen. Die lustigen Tüten wurden zur Ausnahme. Früher waren die traurigen, nachdenklichen Tüten die Seltenheit. Mit meiner eigenen Verwandlung wandelte sich auch das und schließlich gelang mir der wichtige Schritt zum Ausstieg. Ich wollte wieder Erfolge einfahren, glücklich sein und an mir arbeiten und die Kifferei behinderte mich dabei. Ganz einfach diese Erkenntnis, aber sie musste eben aus mir selbst entspringen.

Sie hätte mir gerne das Kiffen verboten – aber Mädels – so einfach ist das nicht. Wenn der Junge ab und zu einen rollt oder auch ein Bier zuviel trinkt, dann ist das Verbot nicht zielführend. Es hat einen Grund, dass es so ist. Und wenn ihr ihm ein schlechtes Gewissen einredetet, weil er was Dummes macht, dann habt ihr nicht begriffen, wen ihr euch da angelacht habt. Jungs machen Dummheiten, dafür sind wir da. Ihr seid nicht so Weise, wie ihr immer tut. Nur selten könnt ihr selbst entscheiden, welche Schuhe ihr zu welchem Shirt anziehen sollt und wir müssen uns eine Antwort aus den Rippen leiern, jedes Mal wenn ihr uns fragt: Nimmst du mich so mit? 

Sie hatte auch Probleme und ich hoffe, dass sie ebenfalls reflektiert, was da zwischen uns gelaufen bin. Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn der Beziehung einen Satz gesagt habe, der auch heute für der richtige Ansatz für eine Partnerschaft ist: „Ich möchte, dass wir beide, egal wie sich diese Sache zwischen entwickelt, jeweils stärker aus dieser Beziehung gehen, als wir eingetreten sind.“ Das war mir wichtig. Es gilt heute nicht mehr: „bis das der Tod euch scheidet“. Für meinen Teil kann ich heute sagen: ich bin stärker als vor ihr. Ich hoffe, dass gilt auch für sie. Danke Felice. Danke, dass du mir einen Arschtritt feinster Güte gegeben hast. Ich habe ihn gebraucht.

Kiffen konserviert.

Mit 32 bin ich aufgewacht. Nach vielen melancholischen Träumen habe ich endlich die vermottete Decke weggeschoben, mich aufgerichtet und bin aufgestanden, um mein Leben anzugehen, wie einen frischen Tag. Zehn Jahre lang hab ich schwierige Situationen einfach weggeraucht. Anstatt nachzudenken und eine Lösung zu suchen, habe ich mein Gehirn ausgeschaltet und die Situation hat sich als gegeben festgesetzt. die Gefühle waren immer die gleichen: Einsamkeit, Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit. Und die Lösung war ebenso immer die selbe. Ein Joint. Und wenn der nicht half, dann halt noch ein dickerer Joint. Dabei war ich nichtmal wirklich einsam, unzulänglich oder unzufrieden. Ausbrechen konnte ich aus dieser Spirale nicht. Das Kiffen hat meinen Status konserviert. Ich habe mich zehn Jahre nicht wirklich weiterentwickelt. Natürlich habe sich in der Zeit viele Dinge verändert, ich habe dazugelernt, habe neue Dinge erfahren und bin „weiser“ geworden. Aber ich der selbe Junge geblieben, der damals aus Rebellentum und Spaß am Rausch begonnen hatte Gras zu rauchen. Die kindlichen Ängste und normalen Sorgen eines 20-jährigen haben sich über zehn Jahre zu einem ernsthaften Problem entwickelt. In einem halben Jahr habe ich diese Erkenntnis gewonnen und ich das ist für mich der beste Grund weiter dran zu bleiben.

Oft denke ich beim schreiben dieser Beiträge, ob ich da wirklich die Wahrheit schreibe. Es ist nichts gelogen, aber ich habe Schwierigkeiten mit dieser schwarz/weiß-Betrachtung. Es ist eben nicht so einfach, wie sich das oft liest. Es ist vor allem nicht so einschichtig. Und es ist es irgendwie doch. Junger Mann mit den üblichen Komplexen fängt an zu viel zu kiffen, vernachlässigt die wesentlichen Dinge des Erwachsenwerdens, wird traurig und driftet in die Melancholie ab. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich einige dieser jugendlichen Sorgen wirklich verschleppt habe. Dinge, die ich in sieben Monaten Klarheit so nebenbei aussortiert habe. Es spielt dabei wahrscheinlich keine Rolle, welche Dimension diese Probleme haben. Bei mir waren es Kleinigkeiten, die mich aber sehr wohl beieinträchtigt haben. Scheiße, ich bin 32. Wo sind nur meine 20er hin? Naja, hätte – hätte – Fahrradkette. Es geht mir besser und ich habe jetzt die Kraft mich um all die Dinge zu kümmern, die mich so betrüben. Und ganz langsam lege ich den Rytmus ab, der sich über die zhen Jahre so eingespielt hat.

Ich bin auf dieses Thema „Konservierung“ gekommen, weil ich mich mit einem neuen Sucht-Berater getroffen habe. An dieser Stelle möchte ich Allen raten, die mit irgendeiner Suchtproblematik kämpfen: Sucht das Gespräch. Es ist erstmal egal mit wem. Aber Menschen, die sich täglich mit dem Thema an sich beschäftigen, haben ein paar Wahrheiten parat, die Euch wirklich die Augen öffnen können. Ich kann Euch auch die Diakonien empfehlen. Es ist keine Schande dorthin zu gehen. Es hilft. Aber zurück zum Thema Konservierung. Drogensüchtige entwickeln sich nciht weiter. Herr Friedrich Schiller, den ich hier schon mal erwähnte, hat eine ähnliche Laufbahn, wie ich hinter sich. Nach zehn Jahren Konsum, von denen er 8 Jahre in einer Beziehung war und vier Jahre seine Wohnung mit dieser Partnerin teilte, hörte auch er auf zu kiffen. Und was passierte? Die Beziehung krieselt. Die Konflikte und Meinungsverschiedenheiten blieben die gleichen, aber seine Wahrnehmung verändert sich. Er entwickelt sich weiter und stellt in Frage. Sich, und auch seine Partnerwahl. Ich fand das erstmal bizarr. Ich hatte das Gegenteil erwartet. Das er mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten aufbringt und sich die Beziehung stärkt. Ich war natürlich nie dabei, aber ich kann mir lebhaft vorstellen, wie er nach einer „Auseinandersetzung“ um eine Nichtigkeit die Tür seines Zimmer zumachte, drehte, inhalierte und die Situation einfach aussaß. Danach wütender Sex und nach einer Woche, oder acht ging das gleiche Thema von vorne los. Egal, er hatte ja seine Lösung gefunden. Jetzt diskuttiert er so einen Streit auch mal gerne aus, argumentiert und er erkennt, was er vorher nie erkennen konnte.

Ein anderer Bekannter kiffte durch. Ich kenne ihn seit der 5. Klasse und er lachte mich damals aus, als ich mit 13 meine erste Freundin hatte und Verabredungen zum Rumstreunern absagen musste, weil die „Alte“ dann grimmig wurde. Mit 13. Er ist heute ebenso 32, Mediziner. Sie ist ist Lehrerin. Die Bezihung seine erste und mehr als ein Dutzend Jahre alt. Und er steht richtig unterm Scheffel. Treffen wir uns und gehen irgendwo was essen, dauert es (keine Übertreibung) maximal zehn Minuten bis die erste von 40 SMS kommt, in denen sie um Aufmerksamkeit bettelt. Sie hat eindeutig Probleme mit Eifersucht, mit Ihrem Selbstbewusstsein und was weiß ich noch. Und er muss darunter leiden. Er spricht das auch aus, aber er hat sich irgendwie festgefahren in dieser Situation. Er darf Kiffen, obwohl sie es nicht tut. Und irgendiwe „funktioniert“ das Ding. Aber ich wette hiermit 100$, dass die Beziehung ein schnelles Ende findet, sobald er aufhört täglich zu kiffen. Erkenntnis ist ein Wort, dass ich hier oft gebrauche. Er erkennt, aber er versteht nicht. Oder er ignoriert, oder verdrängt. Was auch immer. Kiffen konserviert.

Das ist alles Westentaschenpsychologie. Aber schaut Euch in Eurem Bekanntenkreis um. Blickt auf Euch selbst. Ich werde das zukünftig noch aufmerksamer verfolgen und die Geschichten aufschreiben, die ich so beobachte. Süchtlinge können die klügsten, angenehmsten, offensten, freundlichsten und erfolgreichsten Menschen sein. Nur eine charakterliche Entwicklung – die geht Ihnen meist ab. Dabei geht es ja gar nicht darum ein anderer Mensch zu werden. Es geht eben nicht um VEränderung, sondern um Entwicklung. Schwächen zu Stärken machen. Weisheit über Klugscheißerei. Erwachsenenzeug halt.

Ich will mich entwickeln. Es geht weiter.

Franzl dealt Gras.

Ama Gangta! Zwei 300 Gramm Beutel feinstes Holland Weed lagen auf dem gefliessten Couchtisch. Wilhelm Busch und ich saßen auf seiner schwarzen Ledercouch, unten in seiner Gaunerhöhle. Im Keller des Elternhauses, der eigentlich mal einen Pool beherbergen sollte. Das Kraut brachte uns der Türke, ein Freund, unser steter Versorger und nun unser Partner in Crime. Wir wollten eine Sprosse auf der Leiter dieses Businesses nach oben steigen. Statt 20, oder auch mal 50 Gramm für den Eigenbedarf, kauften wir also mehr als ein halbes Kilo Dope und fühlten uns dabei wie Toni Montana und Pablo Escobar. Aufs Gramm bezahlten wir 4 Mark 30. Heute unfassbar, damals ein okayer Tarif. Wir waren jetzt Dealer – keine billigen Kleinkiffer mehr. Wir hatte mehr als wir rauchen konnten, fingen an Purjoints zu basteln und uns wie richtige Gangster zu fühlen. Scheisse, wir waren gerade einmal zwanzig Jahre alt und wussten nicht einmal wie man richtig fickt. Und beim Anblick einer schwarzen Glock, wie sie die richtigen Gangster in Compton bei sich trugen, hätten wir uns in die Hosen geschissen.

Es dauerte nicht lange bis wir im Geschäft waren. Unsere Nokia-Handys vibrierten ununterbrochen und plötzlich war das ein richtiger Job. Yo Franzl, ist der Günter bei dir? Ich schulde ihm noch einen Zwacki. – Klar, ich bin um 3 am toom-Parkplatz. Ich weiß heute nicht mehr, ob diese Code-Sprache Teil unserer Jugendkultur war, oder ob wir dachten es gehöre zum Business. Wir waren nicht unvorsichtig, aber dennoch sehr amateurhaft. Es war aufregend. Wir waren reich, hatten ständig mehrere 100 Mark in der Tasche und kauften uns unnötiges Zeug ohne Ende: DVDs, Air-Max 90 und anderen „coolen“ Kram des frühen Jahrtausends. Essen gehen ist mit Anfang Zwanzig echt aufregend, ebenso Volltanken oder bei der Party ein Zehnliter-Fass Kölsch für die Jungs zu spendieren. Es war das Leben der Rockstars, nur mussten zwischendurch noch in die Schule. Naja, zumindest zu den Leistungskursen.

Das Gras war wirklich gut damals. Sauber erzeugt und gut geerntet kam das Dope über Umwege aus Holland, versehen mit Namen für die Ewigkeit. WW, mit Edding auf den Beutel geschrieben, stand für White Widow. Oder PH für Purple Haze, wobei man diese Sorte auch so direkt erkennen konnte. Wenn mal SS auf einem Beutel stand sind wir vor Freude ausgerastet. Es war Super Skunk im Haus. Es waren goldene Zeiten für zwei Jungs, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hatten. Wir wollten high sein und wir wollten das High Life. Von Sucht waren wir beide noch weit entfernt. Wir kifften aus Spaß und um uns abzugrenzen. Wir wollten das Leben leben, dass wir aus Hollywood und vom 90er HipHop kannten.

Das Ende der Geschichte ist so kleinbürgerlich, wie wir selbst es waren. Die ganze Eskapade dauerte nicht länger als ein Jahr. In meinem Fall war Mama der Grund. Sie fand meine Ration im innerern meines PCs. Nach einer Weile machte ich mir nicht einmal mehr die Mühe den Gehäusedeckel richtig anzubringen, sondern lehnte das Ding nur noch dagegen. Sie konfrontierte mich mit dem Beutel in der Hand, als ich nach Hause kam. Es waren Drogen. Welche, davon hatte sie keine Ahnung. Wahrscheinlich dachte sie, es wird gespritzt. Die Geschichte mit Christiane und dem Bahnhof spukte noch durch ihren Kopf. Ich erklärte ihr, dass es Gras war und fragte, ob sie in den 70ern nie damit in Berührung gekommen wäre. Ich dachte in der Zeit hätte alle dauernd gekifft. Mama war nicht an der Uni, protestierte nicht, praktizierte auch keine freie Liebe und was sie auf keinen wollte war einen Sohn, der Drogen verkauft. Ich musste ihr versprechen, dass ich damit aufhöre, zumindest mit dem Verkauf. Ich war kein Gangster. Und ich hielt mein Versprechen. Als Gauner war ich jämmerlich, als Sohn bin ich ne Eins. Mein Partner und Freund machte noch ein bisschen weiter und ließ es dann auch irgendwann sein. Einfach zu viel Stress.

Übrig sind Erinnerungen: Ein ganzer Tisch voller Gras. Feinwagen, staubig von Pollen und völlig verklebt vom ganzen Harz. Wiegen und Verpacken. Telefonate,Treffen auf Parkplätzen und der obligatorische geteilte Joint, mit dem der Deal besiegelt wurde. Bargeld in Rollen, zusammengehalten von bunten Gummibändern. Aufregung und Adrenalin. Das Gefühl von Übermut. 

Beim Kiffen blieben wir jedoch beide sehr lange. Als ich ihn das letzte Mal sah, fragte er mich: Darfst Du noch kiffen? Ich muss bald aufhören – die Frau will Kinder. Ich war damals auch in einer Beziehung und ich durfte noch, unter Vorbehalt. Aber das hatte sich dann auch irgendwann erledigt. Die Gangsterkarriere war rasch vorbei, aber meine Kiffer-Karriere hatte gerade erst begonnen. Bis zum Studium blieb es bei ein paar Tüten die Woche. Erst mit der ersten eigenen Wohnung geriet ich den Strudel, der mich auf lange Sicht dazu brachte diesen Blog hier zu starten. Ich war wieder Käufer. Dealer folgte auf Dealer, das Gras wurde immer schlechter und die Beutel, die ich so monatlich durchbrachte, wurden immer größer. Zuletzt waren es so in etwa 250 Euro pro Monat, die ich in Tüten verdrehte. Es war eine monatliche Ausgabe, wie die Miete oder die Prämie für meine Auto-Versicherung. Gras wurde zu einem Grundnahrungsmittel. Es ging einfach nicht mehr ohne. Heute weiß ich: es geht ganz prima ohne den ständigen Rausch. Warum zur Hölle habe ich für diese Erkenntnis bloß so lange gebraucht?

Egal, es hat ebenso so lange gedauert, wie es gedauert hat. Ich bin kein Missionar. Ich möchte niemanden von meinen Idealen überzeugen, denn ich möchte auch nicht überzeugt werden. Ich habe mir schon immer mein eigenes Urteil gebildet. Mich konnte niemand davon überzeugen, dass mein Konsum nicht gesund ist. Dennoch möchte ich Jedem, der sich schon einmal geärgert hat, dass sein Dealer nicht ans Telefon geht, raten sich wirklich intensiv mit seinem Konsummuster auseinanderzusetzen. Sucht ist ein schleichender Prozess – man realisiert die Auswirkungen erst wirklich, wenn man sich rausgekämpft hat.

Stoned auf der BAB.

Vier Monate kifffrei bin ich heute auf den Tag. Die letzte Woche habe ich hier kein Tagebuch geführt. Mein Status hat sich auch nicht verändert. Schlafen klappt ganz gut. Gedanken an einen Joint habe ich nach wie vor selten und die Stimmungsschwankungen halten sich in Grenzen.

Es ist Montag und ich trinke abwechselnd Kaffee und Red Bull. Das Wochenende war kurz und ich bin müde. Egal. Heute erzähle ich Euch eine kleine Geschichte, die Teil meines Abschiedes vom Dope war. Es war Ende letzen Jahres und ich folgte einer Hochzeitseinladung nach Bayern. 3 Stunden Autofahrt. Ohne mir wirklich etwas dabei zu denken, drehte ich mir zwei kleine Tüten vor und setze mich in meinen alten Automatik-Benz. Auf der Autobahn stellte ich den Tempomat auf 110 und zündete mir den ersten Spliff an und fuhr gemächlich auf der rechten Spur Richtung Süden. Es war schon dunkel, die Autobahn war leer und aus im Autoradio schwappte ein ruhiger Indie-Beat. Ich fahre gern Auto, achte das Rechtsfahrgebot und bin ein gelassener Verkehrsteilnehmer. Roadrage kenne ich nicht, eher wundere ich mich über den Hass, der täglich auf deutschen Straßen herrscht. Während der Fahrt zu kiffen war für mich in dieser Zeit nicht völlig Ordnung, aber irgendwie okay. So richtig stoned wurde ich ja eh nicht mehr. Heute sehe ich die ganze Angelegenheit etwas anders und habe mir geschworen mich nur noch völlig klar ins Auto zu setzen. Ich will dieses Verhalten hier auf keinen Fall verharmlosen, aber ich erzähle die folgenden Ereignisse so, wie sie sich zugetragen haben.

Geschmeidig glitt ich durch Hessen und zündete mir kurz vor der bayrischen Grenze den zweiten Joint an. Der Benz ist mit mehr 300 Tausend Kilometer auf der Uhr und trotz seinem stolzen Alter ein wunderbares Reisemobil. Ich rollte so dahin und hing meinen Gedanken nach. Es war bereits die dritte Hochzeit des Jahres und irgendwie beneidete ich die Jungs, um ihre soliden Partnerschaften und Lebenswandel. Sie heiraten, kaufen Häuser, machen süße Kinder und machen Pärchenurlaub, anstatt mit Rucksack und Oneway-Ticket nach Übersee zu fliegen. Während ich mal wieder ins Selbstmitleid abdriftete bemerkte ich plötzlich einen silbernen 5er im Rückspiegel. Oh shit, die fragen sich wohl grad, was der alte Benz mit dem NRW-Kennzeichen hier macht. Am nächsten Autobahnkreuz überholte der Fünfer mich schließlich und die roten Buchstaben wiesen mich an ihm zu folgen. Ich lüftete also nochmal kurz durch und sammelte mich ein wenig.

„Guten Abend, einmal Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte,“ begrüßte mich der bayrische Beamte in Zivil. „Servus, aber natürlich“, antwortete ich freundlich und gab ihm die Papiere. Ich erkundigte mich, warum die Beamten mich denn kontrollieren würden und deutete mit einem Verweis auf mein Outfit (Ordentliche Hose, weißes Hemd und Sakko am Haken im Fond) an, dass ich auf dem Weg zu einer Hochzeit war. Verrückterweise trug der Beamte den gleichen Nachnamen, wie der Bräutigam, verwandt waren die beiden jedoch nicht. Es ginge um eine Routinekontrolle und der Suche nach Drogen. Ob ich denn schon einmal in dieser Sache auffällig geworden sei, fragte er und logischerweise log ich ihn in nettem Ton an. Natürlich sagte ich auch, dass ich weder Drogen bei mir führen würde, noch in letzter Zeit welche konsumiert hätte.

Als kleiner Einschub zwischendurch: Lügen ist nicht strafbar. Ich kenne meine Rechte. Ich bin kein Fan der Polizei, hege aber auch kein Gräuel gegenüber Beamten. Sie sind Teil unseres Rechtsstaates und das ist auch gut so. Ich bin froh, dass ich in Deutschland geboren bin, denn ich genoss bislang gerne alle Privilegien, die unseren Staat ausmachen. Die Autobahnen sind gut, die Krankenversicherung exzellent und ich konnte nahezu kostenfrei studieren, obwohl ich aus einer Arbeiterfamilie komme. Aber das nur am Rande.

Ob ich denn einverstanden wäre ein paar Test zu durchlaufen, um meine Aussagen zu belegen. Aber Klar, Herr Kommissar. Die meisten von Euch kennen den Drill wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Erstmal Pupillencheck: Normale Reaktion. Keine Ahnung, ich hatte nie die typischen Klatschaugen. Als nächstes Augen zu, Finger auf die Nasenspitze. Easy. Auf einem Bein stehen. Ich bin sportlich und auch das war für mich keine unlösbare Aufgabe. Zwei, drei Meter Pisspott erledigte ich mit einem lächeln und freundlichem Smalltalk mit der Kollegin des Beamten. Jetzt kam was Neues: Bitte schließen Sie die Augen und schätzen Sie dreißig Sekunden ab. Augen zu und 21, 22, 23 … Als ich Stopp sagte, blickte die hübsche Blonde und ich auf ihr iPhone und was zeigte das Display. 30,34 Sekunden. Innerlich hob ich die Hand zum imaginären High-Five. Das Ding war gelaufen. Für die Bayern-Cops war klar: der Junge ist okay. Der ist nett und clean. So clean, wie Mutters Küche.

Dürfen wir uns denn in Ihrem Wagen einmal umsehen? Mir war klar, dass das nicht gut gehen würde, aber naja. Das gehört eben zu den Rechten der Polizei. Verneinen würde nur Stress bedeuten, also ließ ich den Beamten suchen. Es dauerte nicht einmal zwei Minuten, da fand er meinen Reisebeutel mit OCBs, Tipps und einem kleinen Döschen Weed. Was haben wir denn hier? Sie sagten doch, dass Sie keine Drogen mit sich führen würden. Immernoch freundlich sagte ich ihm, dass ich meine Rechte kennen würde und wir kamen überein, dass es okay sei davon gebrauch zu machen. Naja, das sei in Bayern nicht in Ordnung sagte er. Sprach von Strafanzeige und „Konfizage“. Ich erklärte ihm, dass ich beabsichtigte das ganze Wochenende in Bayern zu bleiben und es doch nicht gegen das Gesetz sei eine Party mit einem kleinen Joint zu beschließen.

Wir müssten dann jetzt zum Revier und die Anzeige zu Papier bringen. Ich solle den Beamten doch hinterherfahren. Ich konnte es nicht fassen. Ich fuhr den Beamten also hinterher. Die hübsche Blonde kümmerte sich um alles weitere. In Bayern wird man erkennungsdienstlich behandelt, wenn man mit Drogen erwischt wird. Also erstmal Fotos machen: zum Glück hatte ich einen Anzug an. Das müssen wohl die solidesten Fotos eines Gras-Konsumenten in der Geschichte Bayerns sein. Danach digitale Fingerabdrücke. Zum Glück benutzten die zu der Zeit schon keine Tinte mehr. Hätte die älteren Hochzeitsgäste sicher irritiert. Ich führe nebenbei ein sehr nettes Gespräch über die Gesetzeslage rund um Cannabis mit der Bayerin. Ich konnte nicht fassen, dass noch immer niemand meine Pisse oder auch nur meine klebrigen Fingerkuppen nach Gras untersuchen wollte. Ich versuchte also das Bild vom soliden Hochzeitsgast, der nur ein bisschen Kraut dabei hat, zu festigen und offenbar gelang mir das. Denn nachdem der Papierkram erledigt war, wünschten mir die Beamten, dass ich trotz dieser Eskapade die Feier genießen solle. Ich entschuldigte mich für den Papierkram, den ich Ihnen aufbrockte und durfte gehen, fahren, feiern. Unfassbares Glück.

Ich setze mich ins Auto, machte mir erst einmal eine Kippe an. Es war nicht das einzige Mal, dass ich ungeschoren davon gekommen bin. Aber zu der Zeit hatte sich in mir schon etwas verändert. Es war natürlich ein bisschen aufregend, ich hatte die Obrigkeit überlistet. Trotzdem, es musste sich was ändern. Ich konnte die Fete nicht richtig genießen. Es war eine tolle Party voller toller Menschen, die sich ehrlich mit und für ein tolles Paar freuten. Das tat ich auch, aber ich konnte nicht verdrängen, dass mein Leben zwar aufregend war, aber doch auch traurig. Ich war traurig. All die Spannung war doch unnötig. Ich trank ein halbes Helles mit den Jungs und stahl mich irgendwann gegen zwei Uhr morgens davon, um wieder heimzufahren. Mir wurden drei Couchen angeboten, ich habe ein angeregtes Gespräch mit der wunderschönen Portugiesin geführt, die ich immer nur auf Hochzeiten und anderen Events dieser Bayerntruppe sehe und dennoch fühlte ich mich beschissen.

Ich setzte mich also wieder in den Benz und fuhr die drei Stunden zurück. Das Gras hatten mir die Cops ja genommen und so hatte ich nichtmal Sorge, dass ich irgendwie illegal unterwegs war. Dabei war der letzte Joint ja erst sechs, sieben Stunden her. Ich hatte wahrscheinlich zehn Jahre ständig aktives THC im Blut. Zu Hause angekommen, dreht ich mir erstmal eine fette Tüte und legte mich mit ihr ins Bett. Mary und ich, wir waren kein Paar, dem andere zu ihrem Glück gratulierten, auf das sie neidisch schielten und bewunderten. Wir waren ein trauriges Paar. Es war höchste Zeit für eine Trennung. Heute bin ich nicht froh, dass ich damals nicht von den Cops gefickt wurde, sondern, dass ich Mary dann irgendwann endlich den Laufpass gab.

Was ist die Moral von dieser Geschichte? Kein Plan. Ich kiffe nicht mehr. Ich habe mich von einer Sucht befreit, die mein Leben bestimmte. So sehr, dass ich nicht einmal für eine Autofahrt zu einer Hochzeitsfeier klar bleiben wollte. Bekifft sein war einfacher, als mich damit auseinanderzusetzen, dass ich traurig über den Ausgang meiner letzten Partnerschaft war. Das ist alles Westentaschen-Psychologie, aber ist dennoch irgendwie logisch. Ich kiffte, um einfache Zusammenhänge zu verdrängen und das machte mich zum Süchtling. Jetzt bin ich clean und nur ganz langsam kann ich diese ganzen kleinen Zusammenhänge aufdröseln. Vier Monate bin ich jetzt dabei, in kleinen Schritten wieder zu einem glücklichen Franzl zu werden.

Weiter geht’s! Bleibt dran und bleibt sauber.

 

Gras kaufen: Legal, Illegal, Scheißegal.

Gerade wird wieder heftig diskutiert: Soll die Abgabe von Cannabis legalisiert werden? Ich war immer dafür. Heute bin ich unschlüssig, aber noch immer eher positiv dazu eingestellt. Ich bin über die Jahre auch mit dem Gesetz in Konflikt geraten, aber der Besitz wird in Deutschland ja nur in Einzelfällen bestraft. Das beste Argument für die Legalisierung ist wohl der unnötige Aufwand für die Justiz und die damit verbunden Kosten für den Staat. Aber egal: Gras gibt es an jeder Ecke. Zu Beginn hat uns Willi versorgt. Der hat es vom Türken in Hunderterpakete gekauft. Als ich in eine andere Statdt kam, hat meine Arbeitskollegin mich mitversorgt. Und ich hatte einen Deal mit meinem Nachbarn. Der hat mir jeden Monat ein Gramm in den Briefkasten geworfen, dafür dass er über mein W-LAN Fifa zocken durfte. In Bonn gibt es die Hofgartenwiese, wo man beim freundlichen Afrikaner einen Zehner auf die Faust kaufen kann. Die Versorgung in Deutschland ist wohl ziemlich lückenlos. Und jeder Kiffer aus NRW hat wohl schon dn obligatorischen Trip nach Maastricht gemacht. Mein Lieblingsladen war immer das Heaven 69. Freundliche Girls und weltklasse Milkshakes.

Meine letzte Connection war allerdings einmalig. Ein kleines Türkisches Coffee Café direkt um die Ecke. Täglich von elf bis elf geöffnet. Die Preise waren eher übel, aber es war eben praktisch ohne Ende. Kein Telefonieren, kein Warten, kein Stress. Einfach rein, an der Theke, bestellen und ab nach Hause. Supereasy. Die ganze Bude hatte nur diesen einen Zweck. Es gab so eine Art Code: man musste nach einer bestimmten Person fragen und schon war alles geritzt. Natürlich haben das auch die Cops irgendwann gerafft, aber dann wechselte einfach das Personal und es ging wieder von vorne los. Das Café gibt es noch, ich gehe nur nicht mehr hin.

Gesetzliche Regelungen ändern einfach gar nichts. Die NPD verbieten zu wollen, führt schließlich auch zu nichts. Genauso wie es die Rechten immer geben wird, wird es auch immer Kiffer, Kokser und andere „Rangruppen“ geben. Ich denke die Legalisierung wird kommen. Die Amerikaner probieren es ja grad. Ich bin mal gespannt, welche Ausmaße das dort annimmt. Aus Holland hört man ja eigentlich nur Gutes dazu.

Mir war das immer wurscht. Ist eine Connection verebbt, fand sich irgendwo die Nächste. In meinem Telefon habe ich noch immer ein paar Nummern, die ich stets nur für den einen Zweck angerufen haben. Die Namen dazu lauten: J, Flötz, der Dicke u.s.w. Aber um das Thema Sucht auch an dieser Stelle aufzugreifen: es ist ganz einfach herauszufinden, ob man ein Problem mit dem Kiffen hat. Du hast nur noch ein, zwei Gramm zu Hause und fängst dann bereits an die ersten SMS zu schreiben: „Yo J, wie sieht es aus? Ist der Günter bei Dir? Ich muss ihn sehen.“ Oder: „Hey Dicker, was geht? Hast Du Mary Jane getroffen. Ich brauch nen Termin.“ Kein Gras zu Hause zu haben war nicht cool. Das hat mich gestresst. Und das letzte Gramm hab ich stets am Stück weggeballert. Anstatt ein bisschen was für den Fall der Ebbe aufzubewaren, habe ich dann noch mehr geraucht, als ich es eh schon tat. Und die Zeit zwischen Leerstand und Nachschub war stets unentspannt. In diesen Phasen habe ich oft erkannt: Mann Franzl, Du hast ein echtes Problem. Aber dieses Problem konnte ich auch später angehen. Diese Situation habe ich bestimmt hundertmal erlebt. Trotzdem hab ich immer Nachschub geholt. Und weiter gebufft. Und immer weiter gebufft. Die Anzeichen für einen problematischen Konsum sind so eindeutig. Und trotzdem ist der Ausstieg unheimlich schwer. Erst die wahre Erkenntnis führt zum Erfolg.

Also: Bist Du nervös, wenn der Stoff zu Ende geht? 

Dann rede mit Jemandem. Such Unterstützung. Weihe enge Bekannte ein. Stell dich Deiner Sucht. Sucht ist ein Problem, aber kein Weltuntergang. Ich fühle mich jetzt, nach zehn Wochen, schon viel freier. Ich bin immernoch moody und schlafe komisch, aber es wird. Es wird besser.

Jeden Tag Vollrausch!

Wer je über einen längeren Zeitraum täglich gekifft hat, kennt es. So richtig high machten auch zehn Tüten am Stück nicht mehr. Nach zehn Jahren war ich in der Profiliga angekommen. Naja, Semi-Profi – denn ich habe ausschließlich Tüten geraucht. Köpfe aus der Pfeiffe waren mir irgendwie zu hart. Über meine gesamte Karriere habe wahrscheinlich nicht einmal ein Dutzend davon geblubbert. Da habe ich doch lieber ab und an einen vier Gramm Blunt gebastelt. Am liebsten mit den amerikanischen HoBo-Phillies. Kennt ihr die noch?

An einen Kopf kann ich mich noch genau erinnern. Damals in der Oberstufe. Nach der ersten Doppelstunde stand die Frage im Raum: Englisch oder Keller? Im Keller wohnte Willi (a.k.a. Wilhelm Busch). Der Keller war als Poolraum geplant, doch es wurde Willis Zimmer, Souterrain im Einfamilienhaus, eigener Zugang, schwarze Ledercouch, Toni Montana Poster, Fliesentisch, Playstation und nur ein langes Fenster durch das nicht wirklich viel Licht in den stets verqualmten Raum drang. Dort haben wir viele langweilige Grundkurse verkifft. Dort habe ich das Kiffen entdeckt.

Es war mein erster richtiger Kopf aus der Glaspfeife. Schöne Profimischung und ich wollte ihn auch richtig wegballern, so wie ich es von Willi kannte. Blubbern bis nur noch Asche zu sehen ist und dann das Kickloch öffnen und den Rest tief in die Lunge knallen. BÄM – Headshot. Ich weiß es noch genau: Erst ein übles Schwindelgefühl und dann kam der Kick. Es war erst elf Uhr vormittags und bin ich bin direkt auf dem Sessel eingepennt. Irgendwann am späten Nachmittag hat mich einer von den Jungs nach Hause gefahren, wo ich direkt wieder ins Bett bin und bis zum nächsten Tag durchgeschlafen habe, an dem Tag stan allerdings eine Physik-LK-Klausur an. 4 Stunden Klausur und danach nochmal ins Bett. So fertig war ich vom Kiffen seither nie wieder. Die Klausur hatte ich grad so bestanden. Aber Köpfe waren nix für mich.

Zehn Jahre später wurde ich überhaupt nicht mehr breit von dem Kraut. Ich habe überall und jederzeit gekifft. „Erstmal einen basteln“, egal was ich/wir gemacht – es wurde vorher erstmal ein kleiner Jizzl geraucht. Vor dem Kino, in der Menge auf Konzerten, in der Gondel beim Skifahren, auf dem Beifahrersitz auf Reisen, in der S-Bahn, auf dem Miniklo in der Sauna – ich glaube ich habe überall schon gedreht. Richtig stoned wurde ich gar nicht mehr. Meine Körperfunktionen hatte ich jederzeit im Griff. Hochdosierung nennt sich das wohl. Ein harter Alkoholiker zeigt schließlich bei zwei Promille auch keine wirklichen Ausfallserscheinungen. Vollrausch sollte Vollrausch bleiben. Doch aus Rausch wurde Normalzustand. Eine Wirkung gab es noch, ein wohliges Gefühl, dass ich ständig wollte und irgendwann brauchte, um mich normal zu fühlen. Aus der Droge wurde die Sucht. Eine merkwürdige Verwandlung.

Obelix wurde ich zwischendurch genannt. Der, der in der Hanfplantage aufwuchs und einfach nicht mehr breit wurde.

Jetzt bin ich zehn Wochen clean. Es fühlt sich nach Abschied an. Ich hänge es noch immer nicht an die große Glocke, aber mein engerer Freundeskreis weiß Bescheid und das Verlangen nach Gras ist wirklich gering. Ich hänge abends manchmal durch, aber es zuckt auch dann nicht in den Fingern. Das ist gut so. Mein Ziel ist 1 Jahr kein Joint. Danach ziehe ich Bilanz und mache mir ein neues Ziel. Also. Weiter geht’s.

Kripo klingelt: morgens um halb sechs.

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Noch eine kurze Geschichte hinterher. Eines morgen klingelt es um halb sechs an miener Tür. Ich steckte grad in einem Projekt, für das schon früh morgens unterwegs war. Als es an der Türr klingelte saß ich gerade mit einem Joint im Bad und kackte. Wer konnte das bloß sein? Ich machte auf und als ich die zwei Stimmen im Flur hörte war mir klar: Das sind die Cops. Egal, ich hatte nie Schiss mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Ich deale nicht und NRW ist ja für seine Nachsicht bekannt. Schon vor diesem Vorfall wurde einige Anzeigen, wegen Besitzes geringer Mengen aus Geringfügigkeit eingestellt.

Da stehen also zwei Kripo-Jungs in Zivil an meiner Tür und fragen, ob sie mal reinkommen können. Ich so: Äh, eigentlich nicht, ich will grad los zur Arbeit. Die so: Wir haben ein Zettel, der es uns gestattet, also bitte. Ich bitte die Jungs rein und bin freundlich. Ein halber J liegt im Aschenbescher auf dem Klo und auf meinem Couchtisch steht ein Glasgefäß mit nem Gramm, oder so. Daneben eine Holzkiste mit allen Utensilen und nochmal 5, 6 Grämmies. Ich frage mal freundlich, wie es überhaupt dazu kommt, dass ich Besuch bekomme und der wirklich nette Herr erzählt mir von einem anonymen Hinweis auf Cannabisanbau. (Was’n anbauen?, wenn ihr versteht.)

Es war Februar. Im Sommer davor habe ich auf meinem Balkon eine Pflanze aufgezogen, die zwar schön gewachsen ist, aber nicht wirklich eine ernsthafte Ernte abwarf. Ich hatte halt Samen im Dope und ein paar davon aufgezoegen. Einer davon entwickelte sich zu einer weiblichen Pflanze und ich ließ Sie auf dem Balkon sprießen. Ein Nachbar machte ein Foto davon und schickte es der Obrigkeit. Ich brauche Euch ja nicht zu erzählen, wie der Zyklus von Pflanzen in in Mitteleuropa funtioniert. Auf der Polizeischule scheint das kein Bestandteil des Unterrischts zu sein. Ich musste die Jungs also erstmal aufklären, wie das so läuft mit den Blümchen. Meine Geschichte fanden Sie auch plausibel, wollten aber trotzdem schauen, ob auf dem Balkon nicht doch eine Plantage vorhanden war.

Sie fragten danach, ob ich denn Marihuana im Hause hätte und ich schüttelte das kleine Glasflächchen, das auf dem Tisch stand. Das wurde konfisziert und sie machten sich auch nciht die Mühe den Deckel der Holzbox anzuheben, wo sie mehr gefunden hätten. Vielleicht auch aus Sympathie. Es war eine freundliche Begegnung. Also: Anzeige wegen Besitzes eine geringen Menge Dope und die beiden machten sich auf. Wir wünschten uns noch eine gute Zeit und kiffte den Rest des Klo-Joints und machte mich auf zur Arbeit.

Ein paar Wochen später kam die Benachrichtigung über die Einstellung des Verfahrens. Ich bin absolut kein Fan der Polizei, aber das sollte man nicht bei jeder Gelegenheit raushängen lassen. Die Jungs machen auch nur Ihren Job.