Die Prohibition des Grases

Zehn Jahre maschinenhaftes Kiffen. Zehn Jahre Marihuana-Lifestyle und plötzlich bin ich alt und langweilig. Jakob Schrenk schreibt in der Neon: „Die Legalisierung ist das Einzige, was gegen den globalen Cannabisboom helfen kann. Wenn WMF mit Swarovski-Kristallen besetzte Wasserpfeifen herstellt und Manufactum uralte handgearbeitete bayrische Schillums wiederentdeckt, wenn Stiftung Warentest vor Hasch aus Billiglohnländern warnt und die Bild-Zeitung Volksgras vertickt, dann, ja, dann merken die Millionen deutscher Kiffer endlich, wie uncool ihr Hobby doch ist.“ Bei den bayrischen Schillums schnaufte ich laut. Ich könnte mir jetzt einreden, dass ich mit dem Kiffen aufgehört habe, weil es Mainstream wurde. Aber dann müsste ich mich auch mal rasieren. Aber der Junge hat völlig recht. Ich glaube das viele Kiffer dieses Rebellentum pflegen. Für Opium oder Crack sind wir zu sehr Mittelschicht, aber ein bisschen Illegalität ist doch spannend und irgendwie cool.

Werde ich wohl meinen Enkeln mal erzählen, dass ich in der Prohibition des Grases lebte? Und werden sie mich ungläubig anschauen und fragen, warum man dieses Kraut wohl illegal erklärte, während sie Gras in ihren Elektro-Vaporistaor bröseln? Wir werden sehen. Es ist jetzt eine Woche her, dass ich meine Abstinenz durchbrach und einen kleinen Rausch erlebte. Es macht mir Mut, dass mich das in keiner Weise auch nur einen Schritt zurückgeworfen hat. Und ich möchte euch auch Mut machen. Wir sind keine Kiffoholiker, die nie wieder einen Joint auch nur schnüffeln dürfen, da wir sonst sofort wieder hooked sind. Das ist quatsch. Ich bin nach wie vor gefährdet, aber das Jahr hat wirklich was verändert. Ich bin ausgebrochen aus diesem Kreislauf des immer wiederkehrenden letzten Joints.

Und jetzt bin ich ein Langweiler, der Geschichte aus seiner „wilden“ Jugend erzählt. Ich bereue nichts und das soll auch nicht traurig klingen, aber es fühlt sich ein bisschen so an. Ich war hip und voll anti. Mein Gekiffe war Rebellentum und ein Statement gegen den Mainstream. Ich habe das nie versteckt, Freunde, Bekannte, meine Familie und auch meine Arbeitgeber wussten, dass ich kiffe. Das ich nicht mehr kiffe habe ich niemandem erzählt. Schäme ich mich etwa dafür, dass ich dieses Laster aufgegeben habe. Ich höre noch immer HipHop, ich freue mich, wenn ich einen Kiffer irgendwo mit kleinen Augen hocken und grinsen sehe: ich bin Pro-Kiff irgendwie. Ich mache es nur nicht mehr. Aus Gründen, die für mich logisch und konsequent sind.

Kiffen bremst. Scheiße, ja: es macht träge und faul und auch antriebslos. Ich könnte, und habe früher auch, stundenlang dagegen argumentieren. Ich war auch bekifft aktiv, habe völlig stoned Dinge gebaut und bin unterwegs gewesen. Aber das sind leider Momentaufnahmen. Ich bin kein Künstler, der seinen Unterhalt mit Kreativität verdient und es sich leisten kann wochenlang ein bisschen neben sich zu stehen. Ich brauche Frische im Kopf. Und das ist schwer mit einem verkleisterten Gehirn.

Ich werden Abstinent bleiben. Das macht das Leben nicht einfacher, oder toller, oder langweiliger. Es ändert eigentlich gar nichts. Aber ich sehe mich und mein Leben heute klarer, als früher. Früher war einfach alles besser. Oh Gott, ich meine das sogar ernst. Ich will nicht „alt“ werden.

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Ein Kommentar

  1. Ich habe früher jahrelang allerhand Drogen ausprobiert. Gott sei Dank hat es nie extremen Einfluss auf mein Leben gehabt. Das sieht man auch daran, dass ich bsw. mit dem Rauchen von heute auf morgen aufhören konnte. Die Suchtstoffe der Substanzen haben meinen Körper wohl nur vorübergehen besucht und nicht dauerhaft besetzt. Jetzt reicht es mir, über Drogen zu schreiben…

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