Rückfall vs. Schicksal

Es ist also passiert. Ich habe am Freitag gekifft. Naja, ich habe dreimal an einem Joint gezogen. Aber natürlich zählt das. Und ich kann euch sagen, meine Fresse, war ich stoned. Mit am Zaun festhalten und allem.

Aber um eins gleich vorwegzunehmen: es ist bei diesem Joint geblieben. Die Sucht scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die sie die vielen Jahre hatte. Am nächsten morgen war alles, wie „neu“ gewohnt. Ich habe keinen inneren Drang gespürt, gleich wieder das Telefon in die Hand zu nehmen und Gras zu organisieren. Ja, ich hatte Angst, dass es so kommt. Aber scheinbar hat sich über das abstinente Jahr doch eine Veränderung ergeben. Das ist gut.

Wie ist es zum Kiffjoint gekommen?

Das Schicksal. Ganz einfach. Ich war auf einer Party und nach ein paar kleinen Bieren und drei Schnaps fragt mich ein Freund – nein, mein bester Freund Elvis – ob ich noch immer hinters Zelt gehe? „Nein, eigentlich tue ich das nicht mehr, aber lass ma machen„, war meine Antwort. Dazu muss ich sagen, dass wir zwei superdicke waren, bis ich vor etwa 30 Monate den alten Homie-Kodex ein bisschen verbogen habe, indem ich ein Mädchen, das er verehrte selbst begehrte. Ich war egoistisch, aber das ist eine ganz andere Story.

Zuvor haben wir zwei das erst mal seit eine Ewigkeit wieder miteinander gesprochen und ich bin megafroh, dass es so kam. Ich wollte die Nähe und hatte ich auch Lust einen J mit ihm zu teilen. Das haben wir unzählige Male getan. Wir waren Brüder im Geiste und das hat mir gefehlt. Also haben wir uns hinter das Zelt geschlichen und still und leise einen Sticky geteilt, der mich nach Mexiko befördert hat. Nicht absturzstoned, aber schon ganz schön hart. Mit weichen Knien hielt ich mich am Zaun fest, war gleichzeitig dicht und happy, dass Elvis und ich uns wieder ein Stück näher kamen.

Natürlich wäre der Joint dafür nicht nötig gewesen. Aber, wie gesagt: Schicksal. Wir haben uns kurz ausgetauscht, wie wir die letzten Jahre verbracht haben. Er war nie derart süchtig, wie ich es war, aber er kifft noch. Wir haben uns verabredet ein paar Tage zusammen zu verbringen und es bedeutet unheimlich viel für mich. Ich habe Mist gebaut und er hat jedes Recht mir nicht zu verzeihen, aber es scheint, als könnte das passieren.

Was jetzt?

Meine Einstellung hat sich verändert. Die Sorge, dass ich gleich wieder in ein Loch falle, nur weil ich einmal ein bisschen high war, hat sich als übertrieben dargestellt. Ich fühle mich nicht anders, wie in den letzten 12 Monaten und dieser halbe Joint wird nichts an meinem Plan ändern, ein kifffreies Leben zu führen. Aber ich habe auch gespürt, warum ich so gern kiffte. Den Anflug von Kreativität, Emotionalität und Lockerheit konnte ich spüren.

Mein Tagebuch wird weitergehen. Es gibt noch zu viele Geschichten zu erzählen. Schöne und Schreckliche – lustige und traurige. Ich bin wieder bei null. No Biggedy, aber der Plan steht. Ich will nie wieder zurück zum täglichen Kiffen und ich will auch nicht diese halben Joints zur Regelmäßigkeit machen.

Ich bleibe aufmerksam und wach. Danke Elvis, danke euch,
Fette Grüße, euer Franzl.

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9 Kommentare

  1. Lieber Franzl,
    erst mal find ichs cool, dass Du Dich augenblicklich geoutet hast.
    Nun ja, das konkrete Ziel ein Jahr zu schaffen, hast du ja geschafft. Auch ich bin jetzt sehr gespannt, wie es weitergeht. Ich merke bei mir, dass der Wesentlichste Teil am Nicht-Kiffen, der geworden ist, dass ich tatsächlich durchziehe, was ich mir vorgenommen habe. Das gibt mir die Zuversicht, dass das auch für andere Bereiche meines Daseins gilt.
    Vor fünf Jahren hatte ich mal einen sehr guten Aufhörversuch gestartet. Es ging auch um ein konkretes zeitliches Ziel – lächerliche 28 Tage. Das lief aber echt gut, ich hab auch das Rauchen insgesamt reduziert und sogar wieder ein bißchen Sport gemacht. Am Tag 29 hab ich mich furchtbar platt geraucht. Am nächsten Tag war wieder Schluss für mich, es hat nicht gefetzt. Das hat auch gut funktioniert, bis ich es total übertrieben habe und recht kurze Zeit später (aus Angst vor Krankheiten) auch das Rauchen sein ließ. Ab da ging es abwärts mit mir. Ich fühlte mich scheiße. Irgendwann hab ich dann mal pur geraucht(was eklig war) und dann hab ich auch wieder mit Rauchen und anschließend mit Kiffen angefangen. Von da hat es drei Jahre gedauert, wieder einen ernsthaften Versuch zu unternehmen.
    Aber die Joints am Tag 29 waren es nicht, die mich irregeleitet haben. In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du Deinen Weg auch nicht verlierst. Aber irgendwie glaube ich das nicht, Du hast Dich einfach echt intensiv mit der ganzen Sache auseinander gesetzt. Dennoch kriegst Du von mir den ungefragten Rat: Bleib Achtsam!

    Alles Liebe von Trine

  2. Hui, jetzt ist es also passiert. Hat bestimmt tierisch geknallt – so ähnlich fühlte ich mich bei meinem Rückfall nach zweieinhalb Monaten. Und warum auch nicht, ich kann das supergut nachvollziehen. Bin ebenfalls gespannt auf deinen weiteren Weg.

    Ich wollte ja auch endlich mal was schreiben, jetzt sind es bei mir bald sieben kifffreie Monate. Spätestens zum einjährigen kommt mein Bericht, versprochen 😉 Der Tag ist einfach zu kurz und zurzeit komplett mit Familie und Arbeit ausgefüllt. Wird aber, wie gesagt, ich möchte das gerne auch in Ruhe aufschreiben.

    Alles Gute weiterhin,
    Der Aussteiger

    1. Hat mega gescheppert. Aber war weder besonders toll noch besonders scheiße. Ich hab ein gutes Gefühl und fühle mich sicher, dass ich auf einem guten Weg in die langfristige Cleanliness bin.

  3. Die Abstände werden nun kürzer, aber du wirst es im Griff haben. Kann dem User Berni zustimmen. Find ich gut, was er geschrieben hat.

  4. Hallo Franzl,

    ich finde es sehr gut von dir, dass du ehrlich bist und bleibst. Auch wenn ich nicht glaube, dass du der Sucht wieder (langsam) verfallen wirst, pass trotzdem auf! Ich hatte mal nach einen 3/4 Jahr Pause wieder einen Joint geraucht und habe mir danach immer wieder eingeredet, dass ich das schon in Griff habe, aber die Ausreden fürs Kiffen wurden immer mehr und größer und irgentwann habe ich mich wieder zu Hause heimlich kiffen gesehen.

    „Den Anflug von Kreativität, Emotionalität und Lockerheit konnte ich spüren.“

    Ich glaube, dass ist das womit wir Sucht-Kiffer uns wirklich auseinander setzen sollten. Cannabis soll ja eben diese Werte steigern .. Bewusstseinserweiternd. Aber das ist auch zugleich unser größtes Problem / unser stärkstes Verlangen … so ist es zumindestens bei mir, korrigiert mich bitte, falls es bei euch nicht so ist/anders ist. Wenn man diese Werte nur durch das Kiffen vermittelt bekommt, dann ist man sehr schnell wieder anfällig, regelmäßig diese Werte zu inhalieren.

    Ich glaube trotzdem an dich und das du trotz „Rückfall“ weiterhin deine Ziele klar vor Augen hast. Wie schon vorher geschrieben worden ist, du hast dich in dem letzten Jahr ja sehr intensiv mit deiner Sucht auseinandergesetzt. Und sollte das Eichhörnchen jetzt meinen, wieder öfter bei dir an der Tür zu klopfen, dann tritt es in den Arsch!

    MfG Mori

    1. Hi, ich passe auf, wie ein Lux, dem natürlichen Feind des gemeinen Eichhörnchens. Ich weiß, dass ich gar nix im Griff hab und die Gefahr mich noch sehr lange begleiten wird. Ich möchte nicht zurück.

      Mein Plan bleibt bestehen. Ich möchte ein kifffteies Leben und arbeite weiter daran.

      Lieber Gruß,
      Franzl.

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