Statusbericht: 10 Monate

Marilize Legajuana

Zehn Monate. Zur Feier des Tages ein Zitat vom Ten Guy: „Marilize Legajuana“! Hab ich wohl auch mal einen dummen Tenguy-Spruch rausgehauen? Ich hab mich immer für relativ clever und kultiviert gehalten in meiner langen Kiffer-Phase. Aber ich fürchte viele der bekifften Diskussionsgruppen über Krieg und Frieden waren nicht so „deep“, wie wir uns das damals einbildeten.

Ich habe Abstand gewonnen zu dieser Zeit. Zehn Monate bin ich jetzt raus und über diese Zeit hat sich meine Haltung zum Kiffen ständig verschoben. Es begann mit Trauer über den Abschied. Danach folgte Ärger über die verpasste Zeit. Später ein bisschen Hass auf das Kraut und meine Sucht. Dann wieder ein wenig Wehmut nach der Einfachheit des bekifften Lifestyles. Es folgen bestimmt noch ein paar Phasen, bis ich die Sache wirklich neutral betrachten kann. Aber ich bin auf jeden Fall entspannt. Die Erinnerung an mein oberstonedtes Ich bringt mich zum Lachen. Weil ich in den vorhandenen Erinnerungen zum größten Teil ein breites Lächeln auf dem Gesicht hab weil mein breites Gehirn gerade irgendeinen Schabernack ausheckt. Superstoned und superhappy.

Den Blog habe ich gestartet als andere Emotionen meinen Alltag beherrschten: Melancholie, Weltschmerz und Liebeskummer. Im letzten Jahr meiner Sucht war ich wirklich nur noch megastoned und mellow. Traurig und ziellos bin ich von Tag zu Tag geschlichen. Ohne diese Phase würde ich heute sicher immernoch mit der gleichen Überzeugen kiffen, mit der ich die vielen Jahre vorher das Kiffen verharmlost und vergöttert habe.

Heute gilt für mich Folgendes: Ein gesunder Geist ist offen für Drogen und stark genug den Effekt einzusortieren.  Ein schwacher Geist kann durch die kleinste Erschütterung aus dem Takt geworfen werden. 

Ich war schwach und emotional ausgemergelt. Ich bin heute froh über diese Phase. Ich habe in der Zeit viel gelernt: über mich und auch über mein Umfeld. Ich habe im Zuge dieser „Kriese“ den Ausstieg aus einer Suchtsituation geschafft und fühle mich heute stark genug nicht noch einmal zu so einem Trauerkloß zu werden, der ich in der Zeit war. Hinfallen und Aufstehen. Diese Regel lernen wir eigentlich schon in unserer Kindheit. Ich habe es erst spät begriffen. Genauso wie die Sache mit den kleinen Schritten. Meine ToDo-Liste war ewig und ich habe gar nichts angepackt. Heute stelle ich mir kleine Aufgaben und arbeite Schritt für Schritt an deren Umsetzung. Geschmeidig zum Erfolg.

Zehn Monate also. Stark Franzl. Ich klopf mir selbst auf die Schulter und gehe einfach weiter. Ich bin kein besserer Mensch geworden. Ich habe immernoch Probleme, Ziele, Aufgaben und Träume – aber alles ist ein bisschen einfacher und klarer geworden. Auf die nächsten zehn.

Lieber Gruß,
Euer Franzl

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6 Kommentare

  1. Lieber Franzl, liebe Mitstreiter,
    freut mich mal wieder gutes von dir zu hören. Klopf,klopf.
    Wenn Du zeit hast, gib mir doch mein verdientes Update von 9 Wochen.

    Lass es dir/ lasst es euch gut gehen.

    Gruß Trine

    1. Danke! So, und heute habe ich mich dann auch mal um die Updates gekümmert. Sorry, dass es diesmal so lange gedauert hat. Jetzt sind es bei dir hoffentlich schon 12 Wochen, oder?

      Gruß,
      Franzl

  2. Auch von mir ein dicker Schulterklopfer, super, dass du das so toll durchziehst und uns daran teilhaben lässt. Und du hast wirklich Recht, es gibt immer wieder verschiedene Phasen, seit man kifffrei ist. Ich bin jetzt kurz vor dem fünften Monat und überzeugter denn je, dass das die beste Entscheidung meines Lebens war.

    Auf die nächsten Monate und alles Liebe,
    Der Aussteiger

    1. Hey Aussteiger, danke für den Schulterklopfer, das tut immer gut. Und einen fetten Glückwunsch zu deiner Leistung. Habe gerade gesehen, dass du stramm auf die 6-Monatsgrenze zumarschierst. Wann ist es denn soweit?

      Beste Grüße,
      Franzl

  3. Von mir auch ein „Sehr gut gemacht, bravo :)“ – ich kann das auch alles sehr gut nachvollziehen. Diese Phasen danach hatte ich auch und werde sicher noch welche haben. Ebenso versuche ich seit einiger Zeit Schritt für Schritt meine ewigen To-Do-Listen abzuarbeiten. Da hat sich verdammt viel angesammelt in den Jahren, in denen man nichts gemacht, außer sich zu zunebeln…
    Weiter so.
    Liebe Grüße & ein schönes Restwochenende 🙂

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