Der Weg des MC Winkel.

Das Unweeding des MC W

Mein Lieblingsblogger MC Winkel hat vor kurzem ein Geständnis abgegeben: er kiffte, erst vorsichtig und dann täglich. Wir kennen diesen Ablauf ja alle. Als Berufsblogger und quasi „Markenbotschafter“ ist das ein sehr mutiger Schritt, wie ich finde. Er nannte seine abendlichen Joint „das Glas Rotwein des modernen Mannes“. Unweeding nennt er seine Geschichte und mittlerweile gibt es bereits den dritten Teil seiner Geschichte. In seiner winkelschen Schreibe erzählt er zunächst, wie es überhaupt dazu kam und seine Suche nach der ganz persönlichen Lieblingssorte. Absolut Lesenswert.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Wie die Suche nach der Lieblingstraube beschreibt der Winkel seine Suche nach der für ihn besten Sorte. Der Junge muss einen sehr kompetenten Dealer gehabt haben. Ich war froh, wenn meine Lieferanten überhaupt mal wussten, was sie vertickten. Amateure. Aber der Winkel gibt sich auch gern als Conoisseur des guten Geschmacks. Zu Recht, wie ich finde. Allerdings musste ich über den Einsatz der Drehmaschine schon schmunzeln. Ich hab die Leute immer belächelt, die kiffen wollten, aber nichtmal einen ordentlichen Joint drehen konnte. Da war ich Perfektionist. Scheiße, ich konnte wirklich überall einen perfekten Jizzl basteln. Ne große Barztwurst für 3, einen Sticky für Zwischendurch oder einen Holländer zum Steak – da war ich Fein-Mechaniker.

Von der Verdrängung zur Erleuchtung

Der Weg meines persönlichen Unweeding ist ja jetzt schon wirklich Fortgeschritten und ich finde es bedrückend, wie sehr sich mein Bild des Grases verändert hat. Die kleine Pflanze, die ich so genoss und liebte ist zu einer Metapher für Melancholie geworden. Mir ist bewusst, dass mein persönlicher Weg nicht allgemeingültig ist. Ich hatte offene Baustellen, emotionale Schwierigkeiten und Sorgen, die aus meinem ganz persönlichen Lebensweg begründet sind. Ich habe mich von dieser Sucht befreit, die es mir nicht möglich machte, all das zu erkennen, was mich blockierte. Ich kiffte, um zu verdrängen. Ja, ich muss mir eingestehen, dass ich mich in den Rausch flüchtete, anstatt an mir und meiner Situation zu arbeiten.

Neun Monate später fühle ich mich ernsthaft befreit. Das kleine Eichhörnchen, dass ich als Synonym für den inneren Drang einen Joint zu rollen erfand, ist nicht mehr. Der kleine Scheißer ist weg. Wahrscheinlich sitzt er nun auf einer anderen Schulter und flüstert: „lass ma kiffen!“ Ich verteufle das Gras noch immer nicht. Für mich ist es immer noch die harmloseste aller Drogen. Aber ich würde die Suchtwirkung niemals mehr runterspielen. Das Ritual des täglichen „Gehirnausschalters“ hatte sich so fest in meinem Leben verankert, dass ich zeitweilig dachte es würde für immer zu mir gehören. Ich bin scheissfroh, dass ich jetzt mit über 30 den Absprung geschafft habe. Es war höchste Eisenbahn. Wahrscheinlich war die Trennung, die mir vor etwas mehr als einem Jahr so sehr zusetze und mich noch tiefer in die Kifferei trieb letztendlich mein Ausweg. Noch einmal gab ich mich damals ganz ausgiebig der Melancholie hin. So sehr, dass ich dachte ich verliere mich und meine Lebensfreude. Es war wirklich ein Tiefpunkt in meinem Leben, der dem heutigen Hoch den Anstoß verlieh.

Diese Zeilen zu schreiben fühlt sich merkwürdig an, denn ich fühle mich meilenweit von diesem traurigen Zustand entfernt. Ich bin frei. Erleuchtet, naja – auf jeden Fall erleichtert. Ich bin ein neuer Franzl.

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6 Kommentare

  1. Mein Eichhorn sitzt auch seit 9 monaten auf ner andren schulter …. kann deine gedanken zu 100% nachvollziehen …. doch erfahrungen müssen gemacht werden weiter so

  2. FRANZL RESPEKT!
    WIRKLICH, DU INSPIRIERST MICH TOTAL! GÜNTHER WAR HEUTE DAS LETZTE MAL BEI MIR ZU BESUCH, OBWOHL WIR SEIT KNAPP 14 JAHREN BESTE FREUNDE WAREN! ABER ES MUSS JETZT EINFACH SEIN.
    ICH HOFFE DAS EICHHÖRNCHEN IST GNÄDIG MIT MIR, ABER DAS WIRD ES WOHL NICHT.
    ICH WEISS WAS ICH DAS LETZTE MAL, NACH DREI MONATEN, FALSCH GEMACHT HABE UND DAS WIRD MIR KEIN ZWEITES MAL PASSIEREN!
    ICH SEHE MICH IN VIELEM WAS DU SCHREIBST WIEDER. ES IST TOLL UND EIN GUTES GEFÜHL NICHT ALLEIN ZU SEIN ODER ANDERS ODER SO…,,, SONDERN DAS ES MENSCHEN GIBT DIE GENAU DAS GLEICHE DURCH MACHEN. PURER GEHIRN****
    DANKE FÜR DIESEN BLOCK

    1. Guten Morgen Sunny, danke für deine Worte. Das Eichhörnchen kann giftig werden, aber es du kannst es bezwingen. Es lohnt sich. Es war schwer, aber heute muss ich nicht mehr kämpfen, nicht zu kiffen. Das Leben bleibt komplex, aber klar ist es deutlich leichter zu handeln. Ich drücke dir ganz fest die Daumen. Lieber Gruß, Franzl.

      1. Aber eine Frage bleibt….
        Wie vereinigt ihr euer jetziges Leben mit dem vergangenen? Ich kann meinen Freunden doch nicht den Rücken zu drehen, die Zeit allein bringt mich um den Verstand, aber im Kreise der vertrauten Fall ich immer und immer und immer wieder zurück… Es ist nicht der Gruppenzwang, ich kann ohne Probleme daneben sitzen und nich smoken, aber sobald ich was in der Hand hab nehmen ich es mit Nachhause, um dann total gechillt und nur für mich ein durchzuziehen…

      2. Ja, das ist ne schwierige Situation. Ich habe auch tatsächlich meinen Freundeskreis ein bisschen verlagert in dem ersten halben Jahr. Ich kann es absolut nachempfinden und habe ja auch ca. 100 Anläufe gebraucht. Probiers weiter.

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