Statusbericht: 9 Monate.

Drei mal drei ist Neune. 9 Monate bin ich jetzt clean. Ich fühl mich auch sauber. So langsam sollte das ganze Kraut, dass ich mir so viele Jahre durch die Birne gezogen haben komplett aus meinen Organismus verdampft sein. Ich fühle auf jeden Fall nichts mehr davon. Mein Leben hat sich verändert seit meinem Ausstieg. Positiv verändert. Absolut positiv.

Hört auf zu kiffen – ihr da draußen. Ihr, die ihr hadert. Ihr, die ihr glaubt kiffen ist nur ein Mittel zum Runterkommen. Zum Abschalten von einem „harten“ Arbeitsalltag. Täglich kiffen ist ein Kreislauf, der ultrahart zu durchbrechen ist. Es beginnt doch meist gleich. Auf den kleinen Rausch ab un zu folgt schnell das Ritual des täglichen Absackers. Dieser Schritt ist nicht unausweichlich, aber ebenso wenig abwegig. Ich habe verdrängt, habe schöngeredet und verharmlost. Das war ein Irrglaube.

Macht Euch bewusst, warum ihr kifft. Versucht herauszufinden, ob es nicht doch einen tieferen Grund für die vielen einsamen  Joints gibt. Alleine Drogen zu nehmen zu nehmen würde ich immer als Alarmsignal werten. Egal, ob es der einsame Joint auf der heimischen Couch, der heimliche Schluck Jägermeister oder die Nase Koks auf dem Büroklo ist.

Ich fühle mich frei. Jetzt gehe ich raus, setze mich aufs Rad und genieße den goldenen Oktober. Drogenfrei und glücklich. Die Sonne reicht mir für ein gutes und wohliges Gefühl. Das ist ein tolles Ergebnis. Bald ist mein Ziel rum: ein Jahr kein Gras. Ich glaube ich mach zwei draus. Warum sollte ich auch wieder kiffen? Mein Leben ist besser geworden.

Ich drücke Euch alle. Bleibt; werdet stark!

Euer Franzl

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8 Kommentare

  1. Franzl, herzlichen Glückwunsch zu diesem Meilenstein und zu all deinen Erkenntnissen. Und danke, dass du sie hier mit uns teilst! Würde gerne wieder mehr hier schreiben, leider lassen mir die Arbeit und Familie (zum Glück!) nur sehr wenig Zeit. Ich denke, ich habe jetzt nach 3,5 Monaten seit dem Rückfall bald den Punkt erreicht, dass ich komplett suchtfrei nach vorne blicken kann. Mach auf jeden Fall weiter so, ich freu mich auf weitere Einträge. Muss jetzt erst mal deinen neuen Eintrag lesen und das MC-Winkel-Blog.

    Alle Gute,
    Der Aussteiger

    P.S.: Ich plädiere für ein fettes Mitstreiter-Update!

  2. Lieber Franzl,
    auch von mir einen fetten Strauß Blumen, ich finde es echt toll, dass du hierhin gekommen bist, nicht zuletzt, weil es mich selbst wahnsinnig motiviert. Weißt du ich bin weniger der BusinessKiffer. Irgendwie habe ich mich immer eher durchgemogelt. Schulschwänzer und Hartz4 Empfänger. Wie ich schon mal sagte, bin ich schon mit 14 auf der Straße gelandet(was übrigens direkt mit begonnenem täglichen Kiffkonsum zusammenhängt) und von da an habe ich immer nur das gerade Nötigste gemacht – eben das was reicht um durchzukommen. Hier und da hatte ich mal ein paar Ideen und hab dann auch was umgesetzt, aber dann kam ein kleiner Schicksalsschlag, eine mittlere Hürde oder eine große Depression und so habe ich mich erst mal wieder in einer dunklen Höhle verkrochen und die Zeit totgepafft, bis von außen wieder ein Druck entstanden ist, der mich zwang mich um Notwendiges zu kümmern. Seit 7 Jahren bin ich nun Mama und das hat vieles verändert. Ich will die Sinnlosigkeit meines Daseins abschütteln, denn sonst habe ich nichts womit ich meinem Kind Lust aufs Leben und Lernen machen kann. Das gibt mir die Gelegenheit meine eigene Zeit des Heranwachsens mit neuen Augen zu sehen, was nicht unbedingt lustig ist – aber notwendig. Das Kiffen hatte mir geholfen, all die Schmerzen und Verluste nicht spüren zu müssen, aber es hat mich auch in der Mittelmäßigkeit gewogen, die ich heute unerträglich finde.
    Nach Jahrelangen Aufhörversuchen empfinde ich die Zeit nun endlich als reif. Und genau jetzt kam dieser Blog in mein Blickfeld. Auch ich kann es nicht beschreiben, was hier den Unterschied ausmacht, aber mir gibt es sehr viel. Einerseits weiß ich, jetzt in der 6. Woche zu sein, ist verdammt gut und ein deutlicher Schritt, andrerseits merke ich jetzt auch, dass es nicht darum geht, die magische 3-Monatsgrenze zu überschreiten und mir dann zu denken, so jetzt habe ichs geschafft. Ich will soweit kommen wie du, ich will endlich mal ein halbes Jahr, 9 Monate clean sein und dann den Rest meines Lebens. Das mag jetzt etwas pathetisch klingen, aber ich bin stolz auf Dich und danke dir für das was du für dich und damit auch für uns tust.

    Liebe Grüße Trine

    1. Hi Trine, erstmal einen dicken Glückwunsch zu der 6. Woche. Das ist der richtige Start, die anderen Marken wirst Du auch erreichen. Ich drücke fest die Daumen.

      Und jetzt ein dicker Drücker für dich und deine Offenheit. Das berührt mich ganz ehrlich. Obwohl wir hier anonym sind, finde ich das großartig, mutig und vor allem sehr ehrlich. Unsere Geschichte haben wir nicht im Griff. Wenn ich lese, dass du mit 14 schon kein zu Hause mehr hattest, macht mich das traurig und auf der anderen Seite sehr dankbar. Ich hatte immer eine Mama, die sich um mich gekümmert hat. Ich habe erst tief in den 20ern begriffen, wie viel mir das bedeutet und wie wertvoll das ist und vor allem als Teenager war. Sei stolz auf dich, dass du dich durchgemogelt hast. Ich hatte viel Glück und konnte beinahe sorglos Abi und Studium hinter mich bringen. Nicht weil ich schlau bin, sondern weil ich die Möglichkeit hatte. Ich kenne dich und deine Situation natürlich nicht, aber es klingen ernste Verletzungen durch. Und ich lese Ernsthaftigkeit und Mut. Aufbruchsstimmung ebenso. Sei stolz, dass du soweit gekommen bist.

      Heute morgen war ich mal wieder bei der Suchtberatung und meine Beraterin hat mir auf die Schulter geklopft. Das hat sich gut angefühlt. Wir haben über Erkenntnis gesprochen und das sie der Auslöser für meine Befreiung war. Ich habe mich verkrochen. Anstatt sich mit meinen Gedanken und Sorgen zu beschäftigen, habe ich einen Joint gebaut. Stillstand. Ich hab mich zurück gelehnt und auf die Wirkung gewartet, bis das Gehirn Ruhe gab. Das Leben ging weiter – das tut es meistens. Die Erde hört ja nicht auf sich zu drehen, wie es so schön heißt. Aber ich habe mich nicht entwickelt. Das habe ich erst spät begriffen. Anstatt die Sorgen mit Gras zu betäuben, habe ich sie nur konserviert. Es braucht gar nicht die großen Taten. Auseinandersetzung und Erkenntnis sind der wichtigste Schritt, um weiter zu kommen.

      Die Gewohnheit ist der größte Feind der Veränderung. Alte Muster aufzubrechen ist unglaublich schwer. Das klingt auch nach Pathos, aber das ist mir hier schon oft aufgefallen. Wahrscheinlich klingt es einfach so, wenn man sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt. Wann schreibt man solche Gedanken schon auf, oder spricht darüber? Ich habe das nie getan und mir hat es sehr geholfen. Sowohl hier im Blog, als auch bei der Diakonie.

      Ich freue mich sehr darüber, wenn du sagst dieser kleine Blog hat dir geholfen. Mir hilft er ebenso. Bleib dran, du hast die Kraft zur Veränderung in dir. Ich wünsche dir und deinem Kind wirklich alles Gute auf dem Weg in die Zukunft.

      Ein fetter Drücker,
      Dein Franzl.

  3. Lieber Franzl,
    Danke für deine lieben Worte. Tja, sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen zu müssen, gehört wohl irgendwie dazu. Lange Zeit hatte ich den Eindruck, ich hätte garnicht großartig welche. Doch das war ein Irrtum. Der Weg zu ihnen hat sich nur täglich in Rauch aufgelöst. Mittlerweile kann ich auch behaupten, dass etliche Dinge sich besser anfühlen. Ich bin einfach nicht mehr so gottverdammt müde und es kommen wieder Dinge in mein Leben auf die ich Lust habe. Ich staune jedes Mal darüber, wie einfach ich das in einer Kifferphase vergessen habe. Kannst du was dazu sagen, in welcher Form du zur Drogenberatung gehst? Lässt Du Dich dort einmal im Monat blicken, tauschst du dich mit Gleichgesinnten dort aus oder wie läuft das? Ich kenne die Drogenberatung in meiner Stadt, aber mit dem Thema wollte ich dort nie hingehen, weil die mit ganz anderen Fällen voll und ganz beschäftigt sind – Du weißt schon, Leute, die richtig in der Scheiße sitzen.
    Vielen Dank nochmal für deine Unterstützung und Aufmerksamkeit.

    Und auch allen Anderen Mitstreitern alles Liebe und Power für den neuen Weg.

    Gruß Trine

    1. Hi,

      Freude ist ein gutes Thema. Ich hatte auch in meiner Kifferzeit Spaß, aber jetzt in der Pause fällt mir auf, dass ich mich auch über kleine Dinge wieder richtig freuen kann.

      Also ich hatte auch Vorbehalte zur Drogenberatung zu gehen. Aus den selben Gründen – ich bin mit der Kifferei ja ein eher harmloser Fall. Ich musste auch ein bisschen auf den ersten Termin warten, aber dann habe ich eine wirklich tolle Beraterin gehabt. In der ersten Zeit war ich alle 6 Woche dort und dann haben wir die Zwischenräume erweitert. Jetzt bin ich nur lose für das Frühjahr 2015 mit ihr verabredet.

      Aber es ist doch was anderes mit einer fremden Person über die Empfindungen und Gedanken zu den Thema zu sprechen. Mir hat das wirklich geholfen. Ich bin sicher, dass jeder in unserer Situation nur davon profitieren kann. Meine Beraterin hat mich mit einigen Fragen wirklich überrascht und dabei geholfen die eine oder andere Erkenntnis zu erlangen.

      Ich würde das immer empfehlen.

      Dir auch Viel Kraft für den Weg, der noch vor dir liegt.

      Lieber Gruß,
      Franzl

  4. Hallo!
    Ich finde es ein bisschen schade dass hier offensichtlich alle „Kiffer“ über einen Kamm
    geschert werden, als ob Marihuana bei jedem den Sinn und Zweck hat, Probleme wegzurauchen oder zu rauchen, damit das Gehirn „ruhe gibt“ oder um inneren Schmerz zu betäuben.
    Jetzt fühlst du dich also frei, kannst das Radfahren genießen? Das ist wirklich schön für dich und es ist gut, dass du das jetzt kannst. Aber ich bin der Überzeugung, dass Gras nicht bei jedem die gleichen Auswirkungen auf das Leben hat. Ich genieße mein Leben, ich interessiere mich auch für kleine und langweilige Dinge. Ich plane, arbeite, mache meinen Haushalt, buche meinen Urlaub. Und auch ich fahre gern Rad, ob stoned oder nicht.
    Cannbis hat mir mir nichts schlechter gemacht – und ich rauche regelmäßig, seitdem ich merke, dass ich nur positiv darauf reagiere. Ich war früher leicht aus der Ruhe zu bringen, habe mich schnell aufgeregt und über Dinge so lange nachgedacht, bis ich sie „totgedacht“ habe und nur das Schlechte in ihnen sehen konnte. Ich war nicht sonderlich selbstbewusst, grundlegend mehr negativ eingestellt und in dieser Zeit war es eher so, dass ich mich wenig mit mir und meinen Wünschen befasste.
    Cannabis ist für mich keine Wundermedizin. Aber auch absolut keine Droge, die zu verteufeln ist. Manche sollten einfach nicht rauchen, manche wenig. Und manche sollten rauchen, soviel wie sie möchten. Jeder sollte an sich merken, wie es für sein eigenes Leben am besten ist.
    Liebe Grüße 🙂

    1. Hi Amelie, ich glaube im Kontext aller Texte wird klar, dass ich nicht verteufeln möchte. Es geht hier immer nur um meine persönliche Empfindung. Ich kenne selbst genug Leute, die verantwortungsvoll und problemfrei mit Gras umgehen können. Ich konnte das irgendwann nicht mehr.

      Viele Krankheiten werden erfolgreich mit Cannabis behandelt. Ich erkenne alle positiven Aspekte absolut an, für mich überwiegten zuletzt negative. Und um diese Entwicklung dreht sich dieser Blog.

      Liebe Grüße zurück,
      der Franzl.

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