Regeln sind für Pussies.

Zwischendurch hab ich schon Lust mal wieder richtig einen durchzuknallen. Ein bisschen Kraut in Tütenform drehen und schön abdampfen. Kein billiges Gras von der Ecke, sondern schönes, sauber angebautes holländisches White Widow oder Superskunk. Paffedipaff und ein bisschen Pass. Klebrige Finger. Dummes Gelächter. Abgefahren leckerer Kakao. Das ganze Programm.

Sorry, aber so ist das. Ich habe mich dagegen entschieden und bis froh und auch ein bisschen stolz, dass ich jetzt acht Monate durchgehalten habe. Und ich werde dieses Verlangen auch weiterhin unterdrücken. Aber ich will nicht verheimlichen, dass ich noch immer ab und zu Lust auf einen Joint verspüre. Ich kann gar nicht sagen, ob es die Lust auf den Rausch, oder die gewohnte Prozedur des Drehens ist, nach der ich mich sehne. Das Eichhörnchen sitzt also noch auf meiner Schulter, wie Towely das Handtuch. Komm, lass ma‘ kiffen! Soll es halt da hocken. Wahrscheinlich wird das blöde Hörnchen mein ewiges Maskottchen bleiben. Damit werde ich mich arrangieren müssen. Irgendwann wird der Versuch kommen: ein kleiner Joint und ein geselliger Abend und am nächsten Morgen der große Test. Reagieren Körper und Kopf dann, wie sie es so langen taten? Wird er mich zurückwerfen in alte Muster und gibt es doch die Chance die Sucht zu besiegen? Wir werden sehen. Irgendwann in ferner Zukunft. Noch sehe ich diesen Tag, diesen riskanten, aber notwendigen Versuch nicht. Ich bin noch viel zu nah dran an dieser ewigen Kreislauf zwischen dem letzten und dem ersten Joint. Ich will die Sucht besiegen, möchte wieder komplett unabhängig sein und selbst entscheiden wann ich mir was in die Birne zimmer.

Die allgemeine Meinung dazu ist, dass Süchtige wohl immer süchtig bleiben. Momentan ist das auch meine Meinung. Ich glaube nicht, dass ich „verantwortungsvoll“ kiffen kann. Ich tendiere dazu dem verfluchten Eichhörnchen einen Käfig zu bauen und mir eine Decke zu kaufen, die ich drüberwerfe, wenn das blöde Hörnchen zu laut und zu aufdringlich wird.

Denn für mich ist es klar: mir geht es schon nach so „kurzer“ Zeit deutlich besser. Besonders emotional fühle ich mich wesentlich ausgeglichener. Ich fühle mich leistungsfähiger, kompetenter und wacher. Es ist ein Dilemma. Zurück in den täglichen Konsum will ich auf keinen Fall. Bloß nicht noch einmal zehn Jahre verlieren. Nicht mal eine Woche will ich nochmal in diesem ewigen Halbrausch verbringen. Auf der anderen Seite schwebt da dieses ekelhaft konservative Gefühl des Verbots über mir. Wer bin ich denn, dass ich mir was verbiete? Was bilde ich mir ein? Ein Rebell bin ich doch. Regeln sind für Pussies.

Doch dieses Verbot bleibt aktiv. Für die gute Sache. Für ein gutes Leben. Ein Verbot für die Freiheit. Es ist paradox.

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10 Kommentare

  1. Als ich am 04.08 gekifft habe, war der Flash gar nicht so besonders. Das war paradox, weil ich dachte, dass es ärger turnen würde. Kann mir vorstellen, dass das in 4 Monaten bei dir ähnlich sein wird. Kommt mir zumindest so vor, als würdest du die letzten 2-3 Einträge größeren Suchtdruck verspüren. Sehen das die anderen Leser auch so?!

    1. Daran hab ich beim Schreiben auch gedacht. Aber ich würde es nicht Druck nennen, denn noch immer fühle ich mich stark genug zu wiederstehen. Aber mich würde auch interessieren, was ihr so denkt.

  2. Es heißt ja immer: Einmal Kiffer, immer Kiffer. Ist auch mit dem Rauchen genauso. Bin jetzt 20 Monate nikotinfrei und kann es immer noch nicht so richtig haben, wenn einer neben mir raucht, weil ich dann denke, ich muss auch wieder. Und wahrscheinlich ist das mit allen Drogen so, nach denen man mal süchtig war. Ich denke, es wird nie aufhören, einen immer wieder mal zu jucken. Klar, wieso auch nicht? Denke auch, dass das nach acht Monaten vollkommen normal ist. Ist bestimmt eine Art Suchtdruck, wie immer man das auch nennen mag. Alte Gewohnheiten und Denkmuster setzen sich eben im Unterbewusstsein fest, dagegen kann man gar nix tun.

    Ich habe gestern meinen ersten Härtetest überstanden, war bei einem Kumpel, der jetzt meinen alten Volcano-Vaporizer hat. Der stand genau neben mir, ein Meter entfernt. Aber es hat mich nicht wirklich interessiert. Dann haben der Kumpel und sein WG-Mitbewohner am Fenster die eine oder andere dicke (Tabak-)Grastüte geraucht, was mich ja gleich doppelt betrifft: THC und Nikotin. Aber auch das ging gut, obwohl ich es natürlich gerochen habe. Wir haben gut erzählt, die beiden waren halt stoned und hatten rote Augen und ich eben nicht. Aber irgendwann wollte ich dann lieber nach Hause.

    Der Suchtdruck wird sicherlich immer wieder aufkommen, aber dann ist halt die Frage, ob es das wert ist. Mein Rückfall vor fast drei Monaten war auch viel unspektakulärer als ich vorher angenommen hatte. Und dennoch gibt es Tage, da könnte ich einfach alles nehmen, was da so an Drogen im Angebot wäre. Und dennoch: Es ist verdammt erstaunlich, wie gut es einem ohne das Gras geht. Bei mir ist es ja noch kürzer als bei dir, Franzl, aber das Resultat ist wirklich enorm.

    1. Stark. Glückwunsch zur bestandenen Härteprüfung. Ich hab jetzt erstmal noch vier Monate vor mir und bin sicher, dass ich stark bleibe.

      Ich bin einfach froh über all die positiven Effekte. Davon will ich mehr und ich glaub da geht auch noch was.

      Ich freu mich, dass es dir auch besser zu gehen scheint. Bleib stark.

  3. Im Gespräch mit einer Freundin fiel mal das Wort dogmatisch und das würde sie nicht wollen, sondern hätte gern die Freiheit ab und zumal u.s.w. Doch ich denke mir, was ist eigentlich mit meiner Freiheit meine Entscheidungen zu treffen und umzusetzen? Für mich ist es leichter, wenn ich weniger fokussiere wogegen ich mich entschieden habe, als die Punkte ins Licht zu rücken, wofür ich es tue. Zum Beispiel um im Heute zu sein und nicht erst morgen (vielleicht), oder um präsent sein zu können, statt in einer „selbstgewählten“ Isolation. Man, ich, Du, ihr, haben sich entschieden den „klaren“ Weg zu gehen. Und dann kommt das Eichhörnchen (ein sehr schönes Bild übrigens) und faselt, es wäre Freiheitsberaubung, dass es jetzt nicht mehr nach seinem Willen geht, sondern nach Deinem.
    Ich habe mittlerweile sehr oft die Erfahrung gemacht, dass ich monatelang durchhalte, dann einmal kiffe, dann vergehen sogar wieder Wochen und ich tue es nochmal und selbst wenn es Monate dauert bin ich früher oder später wieder drin und dann ist Schluss mit der Freiheit.
    Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass man sich spießig oder so was fühlt, weil man sagt: Drogen, nein Danke. Aber ist es nicht auch spießig, Dinge nur zu tun, weil man sie gewohnt ist und es sich lieber in seinem Elend bequem zu machen, als mit eigenständigen Entscheidungen was Neues anzugehen. Ich finde es stark, sich aus so einem über Jahre eingewurzelten Muster rauszuschaufeln, auch wenn das Eichhörnchen den großen Rebell spielt. Das Eichhörnchen ist der Spießer, nicht Du.

    Ich wünsch euch weiter viel Freude an der neuen Selbstständigkeit und Mut zum Anders als vorher sein.

    Liebe Grüße Trine

  4. das ist wirklich die entschiedene frage ..wenn nächste woche ein kumpel mit dem besten haze für ne paar tage hier zu mir kommt ..bin ich schon 6 wochen clean ..ich überlege auch gerade 😉

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