Monat: September 2014

Regeln sind für Pussies.

Zwischendurch hab ich schon Lust mal wieder richtig einen durchzuknallen. Ein bisschen Kraut in Tütenform drehen und schön abdampfen. Kein billiges Gras von der Ecke, sondern schönes, sauber angebautes holländisches White Widow oder Superskunk. Paffedipaff und ein bisschen Pass. Klebrige Finger. Dummes Gelächter. Abgefahren leckerer Kakao. Das ganze Programm.

Sorry, aber so ist das. Ich habe mich dagegen entschieden und bis froh und auch ein bisschen stolz, dass ich jetzt acht Monate durchgehalten habe. Und ich werde dieses Verlangen auch weiterhin unterdrücken. Aber ich will nicht verheimlichen, dass ich noch immer ab und zu Lust auf einen Joint verspüre. Ich kann gar nicht sagen, ob es die Lust auf den Rausch, oder die gewohnte Prozedur des Drehens ist, nach der ich mich sehne. Das Eichhörnchen sitzt also noch auf meiner Schulter, wie Towely das Handtuch. Komm, lass ma‘ kiffen! Soll es halt da hocken. Wahrscheinlich wird das blöde Hörnchen mein ewiges Maskottchen bleiben. Damit werde ich mich arrangieren müssen. Irgendwann wird der Versuch kommen: ein kleiner Joint und ein geselliger Abend und am nächsten Morgen der große Test. Reagieren Körper und Kopf dann, wie sie es so langen taten? Wird er mich zurückwerfen in alte Muster und gibt es doch die Chance die Sucht zu besiegen? Wir werden sehen. Irgendwann in ferner Zukunft. Noch sehe ich diesen Tag, diesen riskanten, aber notwendigen Versuch nicht. Ich bin noch viel zu nah dran an dieser ewigen Kreislauf zwischen dem letzten und dem ersten Joint. Ich will die Sucht besiegen, möchte wieder komplett unabhängig sein und selbst entscheiden wann ich mir was in die Birne zimmer.

Die allgemeine Meinung dazu ist, dass Süchtige wohl immer süchtig bleiben. Momentan ist das auch meine Meinung. Ich glaube nicht, dass ich „verantwortungsvoll“ kiffen kann. Ich tendiere dazu dem verfluchten Eichhörnchen einen Käfig zu bauen und mir eine Decke zu kaufen, die ich drüberwerfe, wenn das blöde Hörnchen zu laut und zu aufdringlich wird.

Denn für mich ist es klar: mir geht es schon nach so „kurzer“ Zeit deutlich besser. Besonders emotional fühle ich mich wesentlich ausgeglichener. Ich fühle mich leistungsfähiger, kompetenter und wacher. Es ist ein Dilemma. Zurück in den täglichen Konsum will ich auf keinen Fall. Bloß nicht noch einmal zehn Jahre verlieren. Nicht mal eine Woche will ich nochmal in diesem ewigen Halbrausch verbringen. Auf der anderen Seite schwebt da dieses ekelhaft konservative Gefühl des Verbots über mir. Wer bin ich denn, dass ich mir was verbiete? Was bilde ich mir ein? Ein Rebell bin ich doch. Regeln sind für Pussies.

Doch dieses Verbot bleibt aktiv. Für die gute Sache. Für ein gutes Leben. Ein Verbot für die Freiheit. Es ist paradox.

Statusbericht: 8 Monate.

Ich kann es kaum fassen. Es begann mit der ersten überstandenen Nacht, dann die erste Woche, der erste Monat, ein halbes Jahr und jetzt sind es also 8 Monate. Unfassbar. Jetzt bin ich so weit gekommen und eins weiß ich genau: ich möchte nicht zurück. Ich habe ein Leben als Kiffer geführt und bin endlich ausgebrochen aus diesem Zwang. Auch die Identitätskriese ist überwunden. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Neuorientierung, aber ich bin halt kein Kiffer mehr. Und das fühlt sich ausgezeichnet an. Ich habe die Kraft mich neu zu orientieren und fühle mich stark genug neue Wege zu gehen – härter zu arbeiten als je zuvor und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Es fällt mir von mal zu mal schwerer in diesen Statusberichten Bezug zur Abstinenz zu nehmen. die Auswirkungen sind verschwunden. Die Stimmungsschwankungen sind weg. Ich bin nicht immer happy, aber definitiv zufriedenen. Ich schlafe gut, Träume regelmäßig, aber die Träume verwirren mich nicht mehr und die Erinnerung an die nächtlichen Eskapaden verschwindet spätestens nach der morgendlichen Dusche. Die Melancholie ist überstanden. Ich habe immernoch Sorgen und Ängste, aber die sind fass- und lösbar und sehr konkret. Ich kann mich ihnen stellen und auf eine Lösung hinarbeiten. Die Konzentration ist ebenfalls deutlich verbessert und ich habe das Gefühl, es wird wöchentlich besser.

Es fällt mir schwer allein die Abstinenz als Grund für meine Entwicklung über das letzte halbe Jahr zu sehen, aber es ist wohl so. Das sollte Euch allen Mut machen. Die Abstinenz ist nicht die Rettung, aber sie setzt neue Kräfte frei und kann der Wegbereiter für ein neues Leben sein. Das gilt wahrscheinlich für jede Art von Sucht. Es ist unglaublich befreiend nicht mehr an diesem Kraut zu hängen und ich denke oft daran, warum ich so eisern an meinem täglich High festgehalten haben. Es ist mir ein Rätsel. Für mich habe ich nun einen Weg gefunden, aber wenn ich nach einem allgemeinen Tipp gefragt werde, habe ich keine Antwort parat. Was hätte ich meinem 2007er Ich sagen können, um es von einem Ende zu überzeugen? Ich weiß es nicht. Ich hätte mich verprügeln können und trotzdem hätte ich danach einen Joint in mein verbeultes Gesicht gesteckt und hätte mich der Erbärmlichkeit dieser Szene hingegeben. Ganz sicher. Warum ich? Das war auch nach dem Ende der letzten Partnerschaft mein beherrschender Gedanke. Anstatt meine offenkundige Unfähigkeit, Schwäche und Unsicherheit zu erkennen und konkret zu bearbeiten, habe ich mich eingeigelt und klein gemacht. Habe mich selbst betrauert und die gemeine Welt verflucht.

Heute mache ich das anders. Und das gibt mir viel Mut. Ein kleines Beispiel vom letzten Wochenende. Aus dem Spiel statt aus der Liebe, aber ich finde es sehr passend. Die Situation ist folgende: Das erste Spiel der neuen Saison. Auswärts beim ärgsten Konkurrenten um den Aufstieg. Basketball ist auch so eine Art Liebe. Wir sind neun Punkte hinten, die letzten zwei, einfachen Würfe habe ich vergeben. Außer zwei Freiwürfen habe ich keine Punkte erzielt. Ich weiß genau, dass ich noch vor drei Jahren nicht das Selbstbewusstsein hatte, mich aus dieser Situation zu befreien. Doch in diesem Spiel hatte ich einen Moment. Nach dem zweiten Fehlwurf aus meiner Lieblingsposition laufe ich zurück in die Defense und fühle die Unsicherheit in mir. Scham. Angst vor dem Versagen. Aber heute kann ich die Scheiße für mich benutzen, mich zusammenreißen und mich darauf besinnen was ich kann. Ich klatsche also in die Hände, schüttele mich und konzentriere mich. Und was passiert? Ich fange direkt im kommenden Angriff des Gegners einen Pass ab, laufe nach vorn –  Pass – Korb für uns. Danach macht der Gegner drei Minuten keinen Korb und ich versenke vier Jumper in Folge. Wir führen und gewinnen schließlich. Meine Moral aus dieser kleinen Geschichte: Versteck Dich nicht hinter bedrückenden Emotionen. Du kannst spielen. Du kannst lieben. Du weißt, was zu tun ist. Nichts zu tun und die Unsicherheit gewinnen lassen führt nur noch tiefer in die Traurigkeit. Fehler passieren ständig. Nach jedem Fehler will ich mich schütteln und es erneut versuchen, mutig und selbstbewusst. Zweifel sind der Tod der Chance. Lieber versage ich aufrecht, voller Überzeugung als jemals wieder gebückt und bedrückt zu scheitern.

Schon wieder klinge ich wie eine billige Version eines Motivationskünstlers. Sorry. Tschakka, du schaffst es. Aber es ist leider so einfach: Es kommt eben doch auf die Haltung an. Warum sagt man über Frauen, dass sie immer die Arschlöcher bevorzugen? Weil Arschlöcher, unabhängig von IQ, Statur, Dichtheit des Haarschopfes und Penisgröße, selbstbewusst ihr Ziel verfolgen. Zweifler wirken immer kleiner als sie sind. Im ersten Eindruck misst sich Attraktivität eben durch Lautstärke und Sichtbarkeit. Wer sich selbst am liebsten unter der Decke versteckt, wird auch so wahrgenommen. Noch ein Beispiel? Egal, ich hau es raus. Auf Fotos habe ich wegen meiner Zahnlücke immer gern den Mund geschlossen gehalten. Schieß drauf. Seit diesem Sommer halte ich die Lücke madonnaesk in jede Kamera. Shice drauf. So sieht Franzl’s Fresse halt aus. Ich bin cool damit und das möchte ich auch ausstrahlen.

Also: Haut raus. Seid stolz auf Euch. Auf jeden kleinen Erfolg. Prahlt nicht, aber versteckt Euch auch nicht.

Meine Kifferei hat mir den Mut geraubt. 8 Monate haben viel davon zurück gebracht und ich will weiter daran arbeiten. Ich will nicht zum Arschloch werden, aber ab und zu will ich wie eins auftreten und zwar wie ein richtig Großes. Selbstbewusst und angstfrei! Vier Monate sind es jetzt noch bis ich mein Ziel von einem Jahr Kifffreiheit erreicht habe. Ich bin gespannt, welches Ziel ich mir dann setze. Bleib stark. Werdet stark. Seid stark.

No more Fumo Fumo – ihr Fotzen. Limbo. Scheiße.

„Can i fumo fumo this?“ – Zufällig hab ich Circus Halligalli gesehen und da sitzen die Jungs mit einem Jamaikaner im Phantasialand und der haut diesen Satz raus, während er auf einen Busch zeigt. Ich musste sehr darüber lachen. Ich habe diesen Scherz auch schon gebracht. Die beiden dauerbreiten Jamaikaner strahlten eine enorme Lebensfreude aus. Einfach happy die Jungs. Glückliche Dauerkiffer. Der Inbegriff von Jamaika. Ab und zu war ich auch ein Jamaikaner, habe diese Lebensfreude ausgestrahlt und konnte Leute damit begeistern. Ab und zu war ich auch einfach happy und der Joint zappelte in meinem Mundwinkel, weil ich lauthals lachte.

Ich mag die Kifferkultur. Lammbock ist auch so ein Ding. Gib ab! Einfach stark. Der Fikm bewirbt eine gesunde Lebenseinstellung. Aber auch dieser Film zeichnet ein klares Bild zweier unterschiedlicher Konsumtypen. Der eine unbefangen und lebensfroh und der andere eher der Grübler, der auch nicht wirklich zufrieden und lebensbejahend ist. Ich habe mich hinter dem Konsum versteckt, ich habe innere Empfindungen damit überdeckt und habe verdrängt. Viele lustige Momente aus der Vergangenheit sind eng mit einem Jolly verbunden. In meinem Fall aber eben auch viele traurige. Ich war einfach noch nicht fertig mit mir. Zu viele Fragen waren noch ungeklärt und blieben es über die Jahre. Neben der Kifferei war einfach kein Raum mehr für Entwicklung und darüber ist ein Problem entstanden. Gras war nicht Problem. Ich war es.

Für zufriedene Menschen, die ihre Lebenssituation definiert und ihre Ziele erreicht oder klar vor Augen haben ist es eine Droge für den Genuss. Für mich war Gras irgendwie Medizin. Ich habe es hier schon oft gesagt: Ich verteufele Gras nicht. Ich verteufele gar keine Droge. Für mich ist Gras noch immer harmlos. Die Folgen von intensivem Konsum sind es keinesfalls. Ich habe mich in einen beinahe unerträglichen Zustand gekifft. Einen Sumpf aus Traurigkeit und Unzufriedenheit. Wahrscheinlich hätte ich das mit Alkohol oder Heroin wesentlich schneller geschafft. Und hätte ich mich derartig in ein Hobby geflüchtet, hätte es wahrscheinlich einfach länger gedauert, bis ich erkannt hätte, das ich verdränge. Für mich ist WoW ein gutes Beispiel. In meinem Bekanntenkreis haben sich ein paar Jungs in dieses Spiel geflüchtet, so wie ich mcih in die Kifferei geflüchtet habe. Sie haben von Session zu Session gelebt und alles andere ausgeblendet. Worauf ich hinaus möchte ist folgendes: Probleme sind der Auslöser – die Sucht oder die Flucht sind nur die Konsequenz. Ich sehe meine Kifferei erst heute als Flucht. Ich dachte immer, ich kiffe zur Entspannung, zum Spaß oder einfach aus Genuss. Papalapapp – ich habe mich dahinter versteckt, weil ich mich nicht mit meinen innersten Emotionen auseinandersetzen wollte. Ich bin geflüchtet.

Kifft, zockt – macht was ihr wollt. Aber seid aufmerksam: es gibt einen Weg diese Verdrängung zu durchbrechen. Die Zeit ist leider nicht endlos. Und zu spät ist es nie. Es ist vielmehr jederzeit der richtige Moment. Ich kontrolliere mich selbst und schlage mir im Geiste auf die Finge, wenn ich daran denke einen Joint zu bauen. Dummer Franzl – no more fumo fumo for you! Ich sehe das mittlerweile sportlich und keineswegs als Einschränkung oder Verbot.

Ich kann jederzeit wieder kiffen, aber dann muss ich halt auch die Konsequenzen tragen. Das möchte ich nicht mehr. Mir hat das Kraut nicht geholfen. Es war nicht der Auslöser meiner Witzigkeit. Nicht weil ich kiffte habe ich über den Film Lammbock so gelacht. Nicht deshalb finde ich dauerbreite Jamaikaner witzig. Es ist, weil beides witzig ist. Ganz einfach.

Der Königsweg zum Glück.

Ich mag diese ganze Kiffer-Subkultur noch immer. Ich habe mich für einen grasfreien Weg entschieden und das ist für mich auch erstmal gut so. Aber ich bin weit davon entfernt, jedem vom Kiffen abzuraten. Ich will hier ehrlich sein – und dazu gehört es einzugestehen, dass ich tiefergehende emotionale Probleme über Jahre mit mir rumgeschleppt habe, ohne sie anzugehen. Und mit meiner Sucht habe ich die Verdrängung forciert. Ich habe auf morgen verschoben. Heute ist das alles für mich ganz eindeutig und ich habe keine Scham zuzugeben, dass ich belastet war und es auch noch bin. Ich habe mich für sehr stabil gehalten – emotional ausgeglichen und frei. Aber erst eine gescheiterte Beziehung und eine berufliche Unsicherheit, zusammen mit dem Stopp der Zufuhr meiner täglichen Dosis Medical Marihuana, haben die Wahrheit ans Licht gebracht. Ganz langsam und Stück für Stück wurde mir bewusst, dass ich mir etwas vorgemacht habe. Es war nicht das Gras, das mich emotional beschädigt hat – nein es war die Zeit der Verdrängung, die kleine Päckchen in große Lasten verwandelt hat. Unbemerkt in einem stillen Eckchen meines Kopfes. Meine Fresse bin ich froh, dass das letzte Jahr so gelaufen ist wie es eben gelaufen ist. Es hat mir die Augen geöffnet. Ich habe mehr als genug Zeit die Lasten langsam aber sicher abzuladen.

Ich möchte Euch ansprechen, ihr da draußen, die diesen Blog findet in einer Phase in der ich mich befand, als ich ihn startete: Scheiße, mein Leben gerät irgendwie aus den Fugen. Ich war fertig. Nach der ersten kifffreien Woche war ich nicht stolz, sondern völlig down. Desillusioniert. Verwirrt. Ich hatte Angst.

Seid aufmerksam. Unsere Geschichten sind alle unterschiedlich. Unsere Biografien ebenso. Und auch die Gründe, warum wir aufhören wollen zu kiffen variieren. Es gibt ihn nicht, den allgemeingültigen Königsweg für den Weg aus der Sucht. Sucht Euch Vertraute, denen ihr sagen könnt, was Euch belastet. Seid ehrlich zu ihnen und zu Euch selbst. Meist hat die Sucht einen tieferen Grund. Das klingt nach einer ganz schlimmen Floskel, aber es ist wahr. Der tiefere Grund kann auch nur eine kleine Pfütze sein – einmal feste reingetreten und die Welt ist wieder in Ordnung. Oder ist ein tiefer Graben und es muss erst eine Brücke darüber gebaut werden, ohne das man wüsste wie so etwas geht. Scheitern. Neu versuchen. Scheitern. Erfolg. Profis können helfen. Es gibt Menschen, die haben schon viele dieser Brücken gebaut und verfügen über Pläne, Material und Erfahrung. Vertraut Euch an. Vertraut Euch und Eurem Instinkt.

Wenn ich so zurückschaue wusste eigentlich immer, was mit mir los ist. Hätte mich jemand ins Gesicht darauf angesprochen, hätte ich es von mir gewiesen und als lächerlich abgetan. 7 Monate haben viel verändert. Es ist wahr. Und es soll Euch Mut machen. Packt die Scheiße an. Traurigkeit, Wut, Melancholie, Angst – lasst all diese Gefühle zu und hört genau hin. Hinter diesen Emotionen stecken die Probleme und auch die Lösungen. Wie oft bin ich in den ersten Wochen von dieser tiefen Trauer übermannt worden, die mich richtig gelähmt hat. Statt der Wohligkeit, wie nach dem ersten tiefen Zug an an der Tüte  zog eine dichte Wolke aus Traurigkeit durch meinen Kopf. Ganz plötzlich und doppelt so intensiv. Ich fühlte mich schwach, schlecht und nutzlos. Ich war ein kleines Häufchen Elend, von der Freundin verlassen und nahezu pleite. Ich armer kleiner Trottel. Ich hab mich extra klein gemacht. Ich wollte klein sein, zurück in Mamas Schoß. (Dabei muss ich wieder an Siggi Freud denken. Nie hab ich verstanden, was das für eine Theorie sein soll von wegen Mutter heiraten und Vater töten. Heute halte ich den Mann für den Superdenker überhaupt. Aber das nur am Rande.)

Kiffen oder nicht kiffen? Ihr wisst ganz genau, was der richtige Weg für Euch ist. Und wenn der Joint oder die Bong zum Instrument wird und ihr darauf spielt, um die Stimmen Eures Gewissens zu überspielen, dann – ja dann sollte die Antwort auf der Hand liegen. Ich hab so kraftvoll in die Trompete geblasen, dass ich jahrelang gar nichts mehr gehört hab. Ich hatte einen grünen Tinitus.

Kifft, oder hört damit auf. Beides ist der richtige Weg. Kiffen hilft und es schadet. Es ist Medizin und Droge. Freundin und Hure. Problem und Lösung. Ihr wisst alle ganz genau, was richtig für Euch ist. Tut es. Sammelt Kraft und legt los. Ich glaub an Euch. Euer Franzl.

Stress ist gut.

Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hause. Die ganze Woche schon wollte ich einen Text hier reinhacken, aber ich kam einfach nicht dazu. Ich hab den Arsch voll Arbeit. Und das ist großartig. Seit Jahren schon hoffe ich auf diese Situation. Sieben Monate bin ich clean und plötzlich ist es soweit. Und ich fühle mich bereit. Auf meinem Wecker hab ich die Zeit zurückgedreht, damit mein Tag länger wird.

Ist es Zufall, dass sich nun auch Erfolg einstellt? Hätte ich diesen Auftrag auch als Kiffer geholt? Und wäre ich überhaupt in der Lage gewesen das Ding auch durchzuführen? Ich weiß es nicht. Es ist zumindest fraglich. Meine Konzentrationskapazität hat sich definitiv verbessert. Meine Stimmung ebenso. Ich verspüre eine große Euphorie, wenn ich an den nahenden Start „meines“ Projekts denke. Ich hab richtig Bock. Lust zu arbeiten. Das ist auf jeden Fall neu.

Dabei denke ich zurück an vergebene Chancen. Kennt ihr die Zeile von Samy Deluxe: „Sollt‘ ich jemals wieder kiffen, hau ich mir ne Axt ins Bein!“? Ich mochte den Song, aber diese Zeile hab ich nie gerafft. War ich so blind? Hab ich mein Potenzial mit der Kifferei so sehr gebremst, dass ich keine Kraft mehr für Fortschritt hatte? Und jetzt bin ich entfesselt, oder was? So einfach kann es doch nicht sein.

Mein Kopf rattert. Ideen. Möglichkeiten. Ich werde mutiger und beginne ernsthaft an meiner Zukunft zu planen. Und irgendwie mache ich kleine Schritte in die richtige Richtung. Damals habe ich tagsüber viel geträumt: von Erfolg und Geld, von Liebe und Glück, von Möglichem. Jetzt tagträume ich viel weniger und plane mehr. Ich lege mir kleine Schritte zurecht und gehe die Dinger auch vorwärts. Ich war ne Ewigkeit nicht mehr richtig broke, also so am 21. mit dem letzten 50er in der Tasche broke.

Vielleicht wird das ja wirklich noch was mit mir. Wir werden sehen. Sollt‘ ich jemals wieder kiffen, dann weil ich ein Versager bin. Ja, so sehe ich das heute. Verpetzt mich nicht. Unfassbar, dass diese Worte aus meinem Mund kommen. Franzl der Kiffer ist voll anti geworden. Was’n Lappen.

Übrigens. Der Sommer ist zurück für seine letzte Etappe. Genießt den shit aus den letzten Sonnenstrahlen. Ich mach dieses WE nochmal einen kleinen Ausflug. Ich wünsch Euch ein Tolles.

Drücker,
Franzl.