Gras auf den Ohren.

Ich bin mittlerweile stark genug auch der härtesten Versuchung zu widerstehen. Das ist gut. Aber Gras ist überall. Ich höre gern HipHop, besonders den alten Shit. Doch irgendwie passen die ganzen Text so gar nicht mehr zu meinem aktuellen Lebenswandel. Gras ist einfach überall.

„Let’s get to the point/ Let’s roll another joint/ And let’s head on down the road/ There’s somewhere I got to go.“ – Tom Petty

„Roll joints bigger than King Kong’s fingers/ And smoke them hoes down until they’re stingers.“ – Wiz Khalifa

„You ignite me and I’ll ignite you / And once all the sheets burn, baby / I’ve got some more bamboo / And when the smoke clears / Lady, still my eyes focus on you / Huff and puff some of my funk stuff / Prove my point that I am the joint“ – C+C Music Factory

Und den Auszug kennt ihr alle: „Hey-ay-ay-ay! Smoke weed every day!“ The Next Episone vom Dr. mit dem Dreh höre ich immer gerne. Und immer habe ich die letze Zeile laut ausgerufen. Smoke Weed Everyday. Es ist wirklich absurd. Jeden Tag rauchen ist scheiße. Für HipHopper ist das vielleicht ein Ding. Aber wir Normalos sollten uns ein bisschen kontrollieren. Das ständige High hat mich eingeschränkt. Ich konnte mich nicht mehr auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Wenn kiffen, rappen, Konzerte geben und Geld zählen die einzigen Aufgaben im Leben sind – ist das cool. Aber als 9to5-Hure mit alltäglichen Problemen und Sorgen ist es nur traurig. Ich habe ein trauriges Leben geführt. Ich habe zwar viel gelacht und mich in der Situation des Rebellionsdauerkiffers wohl gefühlt, aber ich unfrei wie ein Zooelefant.

Jetzt, nach fünf Monaten Abstinenz kann ich es recht objektiv beurteilen. Gras ist unter all den Drogen da draußen, die, die am Besten zu mir passt. Mich wundert es auch nicht mehr, dass ich gerade bei Weed hängen geblieben bin. Die ganzen schnellen Sachen haben mich immer nur irritiert und für die richtig harten Sachen bin ich einfach zu schissig. Und gestern hatte ich folgende Zeile auf dem Ohr: „Too much of anything makes you an addict“ – Nappy Roots, No Static. Starker Song. Und genau so ist es. Zu viel, egal wo von, ist schädlich.

Ich kämpfe heute nicht mehr gegen meine Gras-Sucht an. Ich kann es lassen. Es ist manchmal schade, dass ich nicht einfach mal eine Tüte basteln kann, aber das ist okay. Heute kämpfe ich gegen Monotonie. Ich will mich nicht noch einmal so festfahren, wie ich es bei der Kifferei getan habe. Im Moment gehe ich jede freie Minute zum Basketball. Das ist verrückt. Natürlich ist das ungefährlich, aber ich lenke mich so auch vom Wesentlichen ab. Was will ich mit meinem Leben machen. Die Monate vergehen und ich trete auf der Stelle. Ich drifte ab.

Gras ist überall. In Amerika rasten sie aus und Legalisieren den Shit. Vor einem Jahr haben sie dich in Colorado noch in den Knast gesteckt, wenn du mit nem Büggel erwischt wurdest und jetzt kannst du das Kraut an jeder Ecke legal kaufen. Stars kiffen öffentlich auf Instagram und niemand schwingt mehr die moralische Keule. Die Linken reden auch wieder von der Legalisierung. Es gibt in Deutschland immer mehr halböffentliche Coffeeshops. Und an jeder Ecke sehe ich die Kids Tüten basteln und teilen.

Von der Rebellion ist nichts mehr übrig geblieben. Ich wollte mich mit der Kifferei, wenn auch eher unbewusst, von der Masse abgrenzen und ein Zeichen setzen. Gut, ich bin süchtig geworden und aus Rebellion wurde Rezession, aber die Kifferei ist auf dem Weg ins Establishment. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickelt. Vielleicht hebt Deutschland die Prohibition auch auf und Gras ist in zehn Jahren ein Rauschmittel wie Alkohol. Wir werden sehen. Ich habe genug gekifft und bleibe nun aufmerksam, dass ich nicht in die nächste Sucht gerate.

Scheisse, ich bin heute echt verwirrt. Unschlüssig. Ich wollte über die Kifferei im HipHop schreiben. Und wie fremd das heute für mich klingt. Und darüber, wie mir Gras überall begegnet, jetzt wo ich abstinent lebe. Herausgekommen ist ein kurzer Text, der eine riesige Kurve dreht. Eine kurve durch mein wirres Gehirn, dass auf der Suche nach Klarheit noch ab und zu den Faden verliert. Aus einem grünen wird hoffentlich bald ein roter Faden. 

Super, ich bin schon viel klarer. Ein kurzes Update zu meiner Regeneration: Es geht mir deutlich besser. Ich schlafe wirklich gut mittlerweile. Und ich habe öfter Phasen, in den ich mich gut konzentrieren kann. Mein Gedächtnis wird auch besser. Die Stimmungsschwankungen haben sich erheblich relativiert. Kiffen hat Folgen. Jeden Tag kiffen ist kein guter Plan. Bleibt gesund. Euer Franzl.

 

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10 Kommentare

  1. Lieber Franzl,
    Ich glaube du wirst wieder bald rückfällig. Das ist aber nicht so schlimm. Versuche einfach „weniger zu vaporisieren“. Mit deiner Dämonisierung drehst du dich im Kreis.
    LG

    1. Ich weiß nicht, was mit Dir los ist!? Wenn ich Rückfällig werde, dann ist das wohl so. Und Dämonsierung ist es nun wirklich nicht, was ich hier betreibe. Naja, ich wünsche Dir ne Gute Zeit.

      I keep on going.

  2. Ich glaub ihr redet ein bisschen aneinander vorbei. Psychologisch ist es meist nicht besonders sinnvoll, sich zu krass auf ein thema, wie zum Beispiel in diesem fall auf den weed entzug, zu fokussieren. Das bedeutet, je mehr du in der Vergangenheit oder in der zukunft rumkramst und dich erinnerst oder dir auffällt wieviel du mit dem weed verknüpft hast ,umso mehr ist es natürlich auch heute noch in deinem Kopf und du trainierst unbewusst deine synapsen immer noch alles mit dem weed zu verbinden. Ich weiß das aus eigener Erfahrung auf andere themen bezogen, allerdings auch wie schwer es ist, aus dem standpunkt heraus dein Gehirn umzutrainieren, weil da nix anderes gegen hilft, als dein eigenes Denken bewusst jeden tag zu kontrollieren. Thema dieses Blogs ist aber auch der grasentzug und von daher sollten wir vielleicht alle nicht vergessen, dass egal ob wir das weed glorifizieren oder es verteufeln, wir ihm alle nicht einen allzu großen stellenwert beimessen sollten. Ich finde auch franz, dass du das gut machst, du hast mal was von verschiedenen Zielen geschrieben, die du dir suchst. Vielleicht suchst du dir neben großen zielen, wie einen tollen job zu finden, auch mehrere kleine unterziele, die du jeden tag schon erreichen kannst – probier was neues aus, anstatt Basketball geh zum yoga oder hör statt hip hop mal was, was du nicht kennst – whatever, wichtig ist glaub ich dass man neue dinge ausprobiert und drauf scheißt was irgendwer zu den dingen sagt, die du tust. Ausprobieren kann man alles und auch das kann sich als Rebellion gegen alle anderen, die immer nur in dem gleichen Trott schwimmen, anfühlen. Ich glaub man sollte nicht zuviel denken, sondern auch einfach mal machen. Auseinandersetzung ist gut, aber vergiss nie: du brauchst das nicht – weder im positiven, noch im negativen sinne. Mal ganz abgesehen davon, dass du einen großen beitrag leistest, für leute wie mich und andere in bezug auf Aufklärung und ein Gemeinschaftsgefühl. Mir hilft es zumindest mental sehr, zu wissen dass ich nicht die einzige bin, die solch eine erkenntnis getroffen hat. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass im letzten moment jeder selbst von uns verantwortlich dafür ist, seine eigene einstellung zu ändern und das bezieht sich glaub ich grundlegend auf unsere gesamte denkstruktur. Du kannst immer nur das beeinflussen was jetzt gerade im hier und jetzt passiert Und ganz ehrlich – das kann sehr entspannend sein. Ich rede so groß und bin selber dabei jeden tag meine denkweise zu kontrollieren und mir anzulernen, nicht zuviel im gestern und morgen zu sein. Gesagt ist es leichter als getan :). Daniel ich finde du solltest schon ein wenig mehr ausführen, was du genau meinst, denn einfach anderen irgendwelche Beurteilungen aufzudrücken ist irgendwie auch nicht besonders zielführend. In diesem sinne, macht euch nicht verrückt, das was wir alle kontrollieren können ist unsere Grundeinstellung und wie wir beschliessen mit bestimmten Situationen umzugehen. Dass wir alle eine Entscheidung getroffen haben ist doch schon der erste beweis dass es funktioniert! Glaubt an euch, in jeder noch so scheinbar unwichtigen Dimension! Du schaffst alles was du willst! Vergessen wir das niemal wieder ^^!!!! ❤

    1. Mr Thandie,

      exactly. Ich verbastele hier meine schwachen Momente in kleine Texte. Ich jammere auch mal. Ich blicke eben zurück auf zehn Jahre übermäßigen Konsum. Ich bin kein Trauerkloß, ich bin nicht verzweifelt und ich freue mich im hier und jetzt zu leben. Dieser Franzl lügt nicht, aber er erzählt auch eben nur kleine Eskapaden und versucht Zusammenhänge zu erschließen. Ich bin Franz und ihr seid es. Je nachdem.

      Dennoch habe ich Schwächen. Ich grübele und ich habe melancholische, sogar depressive Phase durchlebt. Das ist nichts verrücktes und hat wahrscheinlich nur bedingt etwas mit meinem Konsum zu tun. Dieser Blog dient meiner persönlichen Aufarbeitung. Anstoß war die Feststellung, dass ich nicht alleine bin mit dieser „Problematik“. Wir sind viele und oft ähneln sich die Geschichten, die Auswirkungen und Gedankengänge.

      Thandie, du bist nicht allein. Und ich bin es auch nicht. Für mich ist das so hilfreich, wie für Dich. Und Du hast recht, wir sind alle für uns selbst und nur für uns selbst verantwortlich. Nur, wer sich selbst liebt, mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten, der kann auch andere für und wegen seiner Makel lieben.

      Dein Tipp mit dem Yoga: i do. Und ich liebe es. „Große Schritte, kleine Schritte“. Das war einer der ersten Beiträge. Und auch da hast Du recht – aber ich will hier nicht den Philosophen machen und Sprüche raushauen, wie: „Du entscheidest jeden Morgen, wer Du sein möchtest.“ Oder: „Tschakka, Du schaffst es!“ Das muss jeder für sich selbst erreichen. Dale Carnegie ist an dieser Stelle ein guter Tipp. Der kann das eh viel besser als ich, das mit dem Schreiben und mit der Motivation. Ich möchte eben nicht groß reden und predigen.

      Ich bin nur ein verwirrter junger Erwachsener, der seine Gedanken teilt. In diesem Sinne: Bleib dran – bleib sauber – bleib Du. Alles ist gut, nix ist verloren und Mama ist die Beste.

    1. Ich schreibe. Es geht um die Formulierung von Gedankengängen. Das ist nicht immer leicht und vor allem keine Mathematik. Diese kleinen Beiträge sind Auszüge aus meiner kleiner Welt. Ich jammere nicht.

      Gerade komme ich von einer kleiner Tour mit dem Rad zurück, hatte eine fantastische Pho Bo in der Sonne. Jetzt sitze ich hier in Köln im Büro, höre Crystal Fighters und freue mich auf Fusi mit Freunden heute Abend.

      Ich bin für Kritik wirklich offen. Und jede Meinung verdient Gehör, aber stumpf Rückfälle herbei zu wünschen zeugt einfach nicht von einer sehr erwachsenen Einstellung. Diese Einwürfe haben bei Dir ja schon Tradition.

      Es geht mir hier um die Aufarbeitung meiner Sucht. Ich war und bin süchtig. Das ist für mich ein extremes Zeichen von Schwäche. Jetzt hole ich all diese Momente zurück, die mich rückwirkend betrachtet, in den übersteigerten Konsum getrieben haben.

      Ich bin ein positiver Mensch. Und ich glaube das kommt auch in den kleinen Geschichten durch, wenn man ein bisschen interpretiert. Also: Bleib sauber, Homie.

      1. Ich bin eine ms thandie 😉 und ja ich glaub wir meinen das selbe, habe es in der du-form an dich geschrieben, weil es dein blog ist und mir das sinnvoller erschien als daniel zu predigen. Es ist aber an alle hier gemeint und ich mein, ich mache ja auch diesen Prozess durch und bin noch lange nicht soweit wie viele hier – von daher ist es genauso für mich gemeint. Versuche das wie gesagt irgendwie auch noch selber zu internieren. Und nicht dass du mich falsch verstehst – es war nicht im geringsten als Kritik gemeint. Die Fähigkeit sich selbst schwächen und Ängste zuzugestehen ist für mich zum Beispiel etwas völlig neues, genauso wie Verantwortung für mich, mein befinden und meine psyche zu übernehmen. Gerade deswegen mag ich deinen blog sehr gern, weil ich nicht das Gefühl hab, ich müsste etwas vorgeben was ich nicht bin. Also alles positiv und viel Spaß auf der fusion, tanz ne runde mot für mich!

    2. Daniel, jetzt lass doch bitte mal den Franzl machen. Er jammert nicht, er reflektiert. Und wenn er mal einen nicht so tollen Tag hat, dann sei ihm das vergönnt. Das ist schon alles gut so. Er ist jetzt über fünf Monate clean, das wäre ich auch schon gerne, bei mir sind es gerade mal zwei.

      Heute Abend hatte ich auch lauter schwache Momente, habe gezweifelt, ob ich diesen „cleanen“ Weg jetzt wirklich „für immer“ (was auch immer as ist) gehen will. Dieses „Craving“ ist ein Teil des Entzugs; man muss einfach lernen damit umzugehen.

      Bin heute auch über einen recht interessanten Artikel gestolpert, recht lesenswert in diesem Zusammenhang: http://www.pm-magazin.de/t/gehirn-intelligenz/gehirnforschung/das-r%C3%A4tsel-sucht

      1. Danke für den Support. Bleib dran. Zwei Monate bist Du clean und das ist stark. Genau darum geht es mir. Für mich war die erste Phase echt hart. Der Verzicht war gar nicht so schwer. Es waren die ganzen neuen Eindrücke und Gedanken, die mich gestresst haben.

        Es wird jede Woche einfacher. Ich glaube diese Erkenntnis ist allgemeingültig.

        Leute, wenn ich auch nur einen Gedanken daran verschwendet zu viel zu kiffen, dann versucht den Entzug. Der Anfang ist schwer und dann wird es jede Woche leichter.

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