Statusbericht: 5 Monate.

Nun sind es also schon 5 Monate. Oder so ähnlich. Ich habe den Tag des letzten Joints vergessen. Ist auch Wurscht. Es geht mir gut. Schlafstörungen, Lethargie und Melancholie sind beinahe ausgestanden. Suchtdruck empfinde ich nicht. Rauchen ist allerdings noch immer ein großes Thema. Ich poofe ununterbrochen. Ekelhaft. Ich muss das abstellen. Bald.

Der Aussteiger (ein Mitstreiter)  hat mich gefragt, was sich über die letzten zwei Monate noch verändert hat. Ich kann es nicht wirklich sagen. Das Leben ist ein bisschen leichter geworden. Ich glaube ich bin offener geworden, freier. Versuchungen machen mir keine Probleme. Ich habe jetzt schon einige Situationen gehabt, in denen ein Joint nur eine Armlänge weit entfernt war. Aber ich habe nicht einmal gezuckt. Ich bin mir meiner Situation bewusst, aber es bedarf keiner sonderlichen Anstrengung die Abstinenz aufrecht zu erhalten. Nicht kiffen ist einfach.

Ich bin lange nicht am Ende meiner kleinen Reise, aber sie ist längst nicht mehr so steinig wie zu Beginn. Jetzt habe ich Gelegenheit mich auf die wahren Aufgaben des Lebens zu konzentrieren. Ich bin noch nicht wirklich weitergekommen und suche beruflich noch immer nach einem Highlight, dem ich mich voll und ganz widmen kann, aber so lange genieße ich das Leben drum herum. Das Eichhörnchen begleitet mich nicht mehr und ich hoffe es kommt auch nicht wieder. Man sagt ja, einmal Sucht – immer Sucht. Ich bin gespannt, wie sich meine Situation entwickelt, aber ich mache mir keine Sorgen. Dann kiff ich halt nie wieder. Auch kein Ding.

Bleibt dran, Jungs. Wenn sich Eure Gedanken um Traurigkeit, Sucht und Träume drehen, dann legt den Joint beiseite und sucht nach einem geeigneten Zeitpunkt das tägliche Kiffen zu beendet. Für mich war es ein nie enden wollender Strudel, der mein Leben viel mehr beeinflusst hat, als ich es glauben wollte.

Gras ist nicht harmlos. Ich habe viele Jahre keinen Ausweg gefunden und immer weiter gekifft. Es war schwer den Absprung zu schaffen. Jetzt ist es einfach und ich frage mich, warum ich es so lange nicht geschafft habe. Ich habe kein Allheilmittel. Ich kenne keinen Königsweg. Ihr müsst für Euch die Entscheidung treffen nicht mehr zu wollen. Traut Euch.

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8 Kommentare

  1. Glückwunsch zu diesem neuen Meilenstein. Bin jetzt kurz vor dem zweiten Monat und zuweilen vermisse ich es schon, dieses Gefühl, sich abends einfach alles vom Hals zu kiffen und nicht alles so verdammt klar sehen zu müssen. Aber dann bin ich wieder froh, dass ich die Entscheidung getroffen habe. Ich will einfach nicht mehr. Punkt. Bin sehr froh, dass ich hier nicht alleine bin, dein Blog ist einfach ein Segen. Weiter so!

  2. Ich glaube, ich habe es solange nicht geschafft aufzuhören, weil es keinen logisch ersichtlichen Grund für mich gab. Auch ich hab mein Studium erfolgreich abgeschlossen (irgendwas mit medien :D), bin ein intelligenter, aufgeschlossener, offener Mensch und hatte nie das Gefühl, Weed würde mich irgendwie negativ beeinflussen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich heute noch überzeugt davon bin, dass es, im kultivierten Maß, die bessere Alternative zu Alkohol ist. Ich persönlich vertrage allerdings Alkohol auch schon immer sehr schlecht und war nie affin gegenüber härteren Stoffen. Weed war meine individuelle Auszeit. ‚Irgendwas braucht doch jeder mal um seinem Gehirn eine Pause zu gönnen‘, dachte ich anfangs. Melancholie, ein unbestimmbares Gefühl der Einsamkeit und eine gewisse Rebellionstendenz innerhalb akademischer Kreise sind mir allerdings schon vor meinem Konsum nicht unbekannt gewesen. Ich denke ich, dass ich soviel geraucht hab (Tütchen und nie bong), weil es all diese Gefühle so weit von mir weggerückt hat, dass mir zwar bewusst war, dass es sie gab, aber diese immer mit einem gefühlten Abstand betrachten konnte. Ich hab mich stärker und reflektierter gefühlt, weil ich dachte ‚ich verdräng doch nix, denke doch drüber nach‘. Was für ein bullshit denke ich mir heute. Ich weiß jetzt, dass ich zu einem großen Teil in den letzten Jahren überhaupt nicht in der Lage war irgendwas vernünftig zu reflektieren, weil das echte Gefühl nicht spürbar für mich war. Ich hab versucht mit Logik und rationalem Verstand mein Dasein zu begründen und da fehlt dann einfach die Hälfte. Deine Gefühle, dein Inneres, deine Seele, egal wie du es nennen magst, all das was in deinem Menschsein vorgeht und nicht mit unserem heutigen allumgreifendem naturwissenschaftlichem Verständnis erklärbar ist, geht dir selbst verloren. Ich bin auf der Suche nach mir selbst. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit. Ein schönes Gefühl, weil es uns gelungen ist, eine eigene Erkenntnis zu erlangen und die wichtigsten Dinge in deinem Leben kannst nur du für dich erkennen. Die Suche nach dem inneren Frieden erscheint mir als das sinnvollste was einem passieren kann.

    1. Starke Worte. Es ist die Suche nach Glück, die mich antreibt. Es hat eine Weile gedauert. Aber heute sehe ich klarer. Ich hatte ebenfalls nicht, dass Gefühl mit der Kifferei seelische Traumata zu unterdrücken. Ich hatte doch alles im Griff. Dennoch habe ich den letzten fünf Monaten einige Dinge abgearbeitet, die mich in dieser Zeit unbewusst beschäftigt haben. Das passiert nicht von allein, aber ich habe häufiger ruhige Momente und Gelegenheiten, um zu reflektieren und zu begreifen. Viel Glück für Dich. Die Suche ist der Weg, ist das Ziel. Aufmerksamkeit der Schlüssel.

      1. Danke :). Dir auch viel Glück, du hast ja den gröbsten kram schon hinter dir. Werde mich in der nächsten Zeit ein bisschen an deinen Blog halten, weil es mir gut tut mit Menschen zu kommunizieren, die ähnliches durchmachen und ich mag wie du deine Reise reflektierst. Es hilft, das Ganze nicht als Problem, sondern als Herausforderung zu sehen ;)!

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