Statusbericht: 4 Monate

Puffpuffpass

Puffpuffpass

So. Vier Monate sind auch rum. Die Zeit vergeht auf jeden Fall immer schneller. Bei meinem letzten Statusbericht habe ich noch geschrieben, dass ich mich mit dem Wort „Depression“ auseinandergesetzt habe. Ich hatte Angst, dass sich diese Traurigkeit weiter manifestiert und ich abdrifte. In einen Strudel gerate, der mich in einen Abgrund zieht, dem ich nicht entfliehen kann. Das ist ja unter Kiffern kein unbekanntes Phänomen. Und Stimmungsschwankungen gehören wohl einfach zum Entzug dazu. Allerdings kann ich heute, nur einen Monat später, sagen, dass diese Angst erstmal unbegründet war. Diese Woche hatte ich einen Moment, der mich aufatmen lässt: ich setze mich auf die Couch und spürte diesen Rhytmus, der mich seit meiner Abstinez verfolgt. Ich atme tief, beginne mich schlapp zu fühlen und meine Gedanken driften richten Selbstmitleid. In diesem Moment jedoch wurde ich nicht traurig. Ich war klar und mir wurde klar, dass zwar nicht alles wunderbar ist, ich aber auch nicht traurig sein muss. Es fühlte sich einfach nicht mehr so schwer an wie sonst. Ich glaube, ich komme langsam wieder zu Kräften.

Aus kleinen Zielen werden jetzt wieder Größere. Das ist prima. Ich kiffe nicht mehr. Das Vorhaben wandelt sich in einen Status. So langsam verblassen die ganzen Erinnerungen an diese lange Phase des Kiffens. Die vielen Joints und die ganze Lebensweise, die damit einhergeht, verschwinden im Dunst der Vergangenheit. Abstand ist ganz wichtig. Die Zeit vergeht, ob ich nun täglich kiffe, oder nicht. Ich bin nur vier Monate kifffrei und die körperlichen und geistigen Veränderungen sind wirklich marginal. Aber ich gewinne Abstand zu diesem ganzen Zirkus. Ich sehe keine Kiffer mehr. Dabei kann ich gar nicht sagen, ob ich mich bewusst fernhalte, oder es sich einfach so entwickelt hat. Ein guter Freund von mir hat etwa zur gleichen Zeit aufgehört täglich zu kiffen. Er nimmt die ganze Sache etwas lockerer, hat in den vier Monate drei/vier Joints geraucht und überhaupt keine Probleme mit dem Verzicht.  Wir sprechen ab und an über unserer Eindrücke. Das hilft wirklich. Ich merke auch, dass meine Blog-Frequez abnimmt. Das möchte ich eigentlich nicht, aber es vergeht mittlerweile einfach auch mal eine Woche, ohne dass ich mich mit dem Thema auseinandersetze.

Thema Schlaf. Das hat sich immer noch nicht richtig eingependelt. Aber es stellt kein Problem mehr da. Einmal pro Nacht wache ich noch auf, so etwa zur Halbzeit. Und wenn ich keinen Termin hab, bleibe ich unter der Woche gern mal ne Stunde länger liegen. Aber ich denke, dass liegt auch daran, dass ich beruflich momentan nicht wirklich gefordert bin. Ich wünsche mir fast wieder einen blöden 40-Stunden-Job mit Anwesenheitspflicht. Aber das ist eine eigene Geschichte. Finanziell komme ich gut klar. Meine berufliche Situation werde ich ändern, aber ich will erstmal wieder happy und stark werden. Mein Job darf nie die Definition meines Ichs werden.

Aus innerer Freude kommt positive Austrahlung und daraus folgt Glück/Erfolg – je nachdem. Für mich ist es so einfach. Glückliche Menschen erkennen Gelegenheiten einfach besser und haben mehr Kraft sie zu ergreifen und festzuhalten.

Für alle Mitstreiter und Abstinenzler: Haltet durch. Ich dachte meine Welt bricht zusammen. Ich war zu Tode betrübt, im wahrsten Sinne. In dieser Zeit hatte ich Gedanken, die ich gar nicht ausprechen möchte. Ich hielt mein Dasein für sinnlos und dachte mir geht die Kraft verloren weiterzumachen. Ich zweifelte an mir, an allem was ich kann und darstelle. Traurigkeit bestimmte meine Tage und Abende. Einsamkeit erdrückte mich. Hoffnung war nur ein Schimmer. Sucht war Alles. Das Gehirn ist ein fragiles Gebilde, ich hab mich immer für stark gehalten und dennoch hat mir dieser Zustand die Kraft genommen. Bei mir war es eine Trennung, der Bruch mit meinem Vater und die Erkenntnis der Sucht, die kombiniert diesen Zustand ausgelöst haben. Es ist immer ein individuelles Problem, aber ich glaube die Auswirkungen sind immer sehr ähnlich. Ich befinde mich noch immer in dieser Phase der Neuerfindung und ich gebe mir alle Zeit der Welt. Aber ich möchte Euch sagen: die kleinen Erfolge werden kommen und ihr werde sie erkennen und Euch ehrlich darüber freuen. Diese kleinen Momente der ehrlichen Freunde sind wunderbar und sie nehmen mir die Angst vor allem, was noch kommt.

Vier Monate sind für mich heute nur noch eine kleiner Zwischenerfolg und mein Ziel erstmal ein Jahr kifffrei zu bleiben fühl sich schon lange nicht mehr so groß an, wie zu Beginn. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangsphase, in der 12 Monate nicht mehr als ein Wunsch waren. An einen Rückfall denke ich schon nicht mehr. Jetzt habe ich andere Ziele und das macht mir Mut. Kiffen und die Sucht bestimmen nicht mehr mein Leben. Ich bestimme.

Ich habe die Sucht noch lange nicht ausgestanden, aber ich bin auf einem Weg. Einem Weg, der mich hoffentlich zu dem Glück führt, das wir uns alle so sehr wünschen. Es geht weiter, ich bleibe meinem Vorsatz treu und das fühlt sich gut an.

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6 Kommentare

  1. Schön zu hören dass sich deine Gefühlswelt wieder einigermaßen ins Lot gebracht hat!

    Ein paar Fragen hätte ich:

    Nach deinem Jahr Pause wie hattest du dir das zu Anfang vorgestellt (danach)?
    Wolltest du wieder kiffen?
    Wie stellst du es dir jetzt vor?
    Was hast du zum Thema Konsummuster über dich selbst erfahren?
    Wie ist es dazu gekommen dass es so viel wurde? Ab wann war es deiner Meinung nach für dich zu viel?

    Was du jetzt noch nicht beantworten kannst oder willst werde ich wohl dann lesen wenn du es
    in den Blog schreibst.

    Bleib weiter dran!
    Alles gute
    Felix

    1. Hi. Gerne beantworte ich die Fragen.

      1. Ein Jahr Pause ist mein erstes Ziel. Ich hab mich da wohl nicht ganz klar ausgedrückt. Heute denke ich, dass ich gar nicht mehr kiffen will. Sollte ich irgendwann dennoch mal wieder einen Joint rauchen, dann werde ich es genauso handhaben, wie zuletzt und neu beginnen nicht zu kiffen. Ich bin süchtig und ich denke das bin ich ein Leben lang.

      2. In den letzten vier Monate hatte ich nur einmal für eine Minute den Wunsch zu kiffen. Es war nicht einfach und genau deshalb möchte ich nicht noch einmal von Vorne anfangen müssen.

      3. Wie ich es mir vorstelle zu kiffe? Ich weiß noch ganz genau, wie sich der erste Zug am Joint anfühlt. Ich habe es geliebt. High sein kann wirklich schön sein, wenn die Situation stimmt. Aber auf jeden „sinnvollen“ J kommen rund 100 total Traurige, die ich allein auf der Couch, im Bett oder auf dem Klo geraucht habe.

      4. Ich habe wirklich viel über mich gelernt. Ich neige zum Exzess. Dinge in Maßen zu genießen muss ich erst noch lernen. Das lässt sich auf alles übertragen. TV-Serien, Konsum und auch Frauen.

      5. Warum wurde es so viel? Naja, das ist schwer zu sagen. Es ging auf jeden Fall recht schnell. Sobald der Joint nach der Arbeit zum Standard wurde, war ich im Sog. Irgendwann wurde es einfach zu einer Routine. Wirklich alles, was ich machte, tat ich high. Essen, Filme gucken, Sport treiben, Ausgehen, alles war ganz eng mit einem Joint gekoppelt. Und so kam es, dass high der Normalzustand war und ich mich unstoned irgendwie unrichtig fühlte.

      6. Das ich zu viel kiffte, war mir schon länger klar. Diese Mechanik quasi zwanghaft einen zu rollen war für mich ein Zeichen, dass ich die Kontrolle verliere. Es gibt sie, die Genusskiffer. Menschen, die fünf sechs mal im Jahr kiffen und den Rausch genießen ohne am nächsten Tag mit einem großen Verlangen aufwachen. Ich konnte das nie. Wenn ich mit so Jungs den Abend verbrachte und wir morgens irgendwo aufwachten und alle verkatert nach einem Kaffee lechtzten, hatte ich meist schon ne Berzwurst zwischen den Lippen. Ich kannte kein Ende.

      Ich hoffe damit ist mein Umgang wieder ein bisschen deutlicher geworden. Alle Menschen, alle Kiffer sind unterschiedlich problematisch. Ich bin süchtig und es hat lange gedauert, bis ich der Erkenntnis auch den Entzug folgen ließ. Mehrere Jahre. Jetzt ist es soweit und ich glaube nicht, dass ich mich zum Genusskiffer entwickeln kann. Der Zug ist abgefahren. Aber das ist okay. Ehrliche Freude braucht keine Droge – das kling echt blöd? Ist aber wahr. Ich möchte mir eigentlich nichts verbieten, aber Gras steht erstmal auf der schwarzen Liste.

      Bleib auch dran. Und bleib aufmerksam. Beste Grüße,
      Franzl

      1. Danke für die Antworten!
        Kann deinen Standpunkt nachvollziehen. Einen trockenen Alkoholiker versucht ein Glas Wein zum Abendessen wie es hierzulande üblich ist wohl auch zu stark.

        Nochmal alles Gute!

  2. Franzl, ich gratuliere zu diesem Meilenstein! Vier Monate ist schon echt eine Marke. Ich bin jetzt in meiner fünften kifffreien Woche und kann schon einiges von dem, was du geschrieben hast, bestätigen. So ganz raus ist es aber noch nicht aus meiner Gedankenwelt. Wird es wohl auch nie sein. Ich sehe es genauso wie du: Zum Genusskiffer werde ich wohl nie. Mit jedem Tag, dem ich mich vom Kiffen gelöst habe, wächst auch mein Respekt vor der Droge. Ist mit dem Rauchen ebenfalls so, das habe ich jetzt 16 Monate hinter mir. Ich würde einen Teufel tun, noch mal eine Kippe zu rauchen; ich weiß genau, ich würde sofort wieder anfangen. Ich habe jetzt sogar keinen Alkohol mehr getrunken, seit ich das Kiffen eingestellt habe. Vielleicht traue ich mir selbst noch nicht ganz und habe Angst, dass dann gleich zu übertreiben. Im Moment reichen mir aber einfach Sport machen, gesund leben, viel Wasser trinken, Musik machen und mein Leben neu ordnen. So clean war ich noch nie, das fühlt sich gut an.

    Ich danke dir für deinen Blog, er hat mir am Anfang extrem geholfen und er tut es auch jetzt noch sehr.

  3. Hallo Leute,

    erstmal machst du feinste Aufklärungsarbeit! Es sehen sich sicherlich viele Betroffene in diesen Berichte wieder!

    Habe ebenfalls 5 Jahre gekifft – mal mehr – mal weniger! Gegen den Schluss meiner Karriere war ich am Höhepunkt!

    Meine Connection stellte immer besseres Weed auf, was mich anfangs glücklich machte! Jedoch merkte ich nach der Zeit, dass das nicht mehr Natur ist, sondern hochgezüchteter „Hesi“-Shit!

    Ich werde niemals komplett mit dem Kiffen aufhören, da es mir nie geschadet hat – die Voraussetzung ist die EIGENDISZIPLIN um weiter voranzukommen!

    Natürlich gab es Phasen wo ich eher schlaff unterwegs war, aber ich konnte wenn es darauf ankam die Zähne zusammenbeißen!

    Es darf niemals die Schuld auf Cannabis geschoben werden!
    Cannabis gehört dringendst legalisiert und die Konsumenten sollten aufgeklärt werden, da die Natur doch zu oft von der Menschheit unterschätzt wird!

    Peace

  4. Hi NiGGL,

    absolut. Das Gras ist nicht der Grund für meine Probleme. Aber nicht jeder findet zu einem bewussten Umgang. Ich habe mich im Rausch verloren. Das weiß ich heute. Bleib aufmerksam.

    Aber verteufeln möchte ich Gras wirklich nicht. Aufklärung ist wirklich angebracht. Und die Legalisierung könnte für die nötigen finanziellen Mittel sorgen und den Einstieg in frühem Alter zumindest erschweren. Aber auch das ist nicht der Königsweg.

    Ich habe nie wirklich Erfahrung mit Hochgezüchtetem Gras gemacht. Ab und an, wenn ich ne fremde Quelle angezapft habe, hatte auch ich hartes Gras dabei. Auch Ekelhafte Streckmittel sind mir schon untergekommen, aber dieses Dope hab ich tatsächlich entsorgt. Meine Hauptquelle war zuverlässig und hatte immer natürliches Weed, deren Wirkung vertraut und „angenehm“ war.

    Wenn Du mich/uns da aufklären kannst, wäre ich dankbar für den Input.

    Ich kenne Deine Situation nicht und werde bestimmt nicht Papa spielen, und mit dem erhobenen Finger wedeln. Aber bleib aufmerksam und setzt Dich mit Dir und Deiner Welt auseinander. Beste Grüße und Danke für den Beitrag,

    Franzl

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