Gras kaufen: Legal, Illegal, Scheißegal.

Gerade wird wieder heftig diskutiert: Soll die Abgabe von Cannabis legalisiert werden? Ich war immer dafür. Heute bin ich unschlüssig, aber noch immer eher positiv dazu eingestellt. Ich bin über die Jahre auch mit dem Gesetz in Konflikt geraten, aber der Besitz wird in Deutschland ja nur in Einzelfällen bestraft. Das beste Argument für die Legalisierung ist wohl der unnötige Aufwand für die Justiz und die damit verbunden Kosten für den Staat. Aber egal: Gras gibt es an jeder Ecke. Zu Beginn hat uns Willi versorgt. Der hat es vom Türken in Hunderterpakete gekauft. Als ich in eine andere Statdt kam, hat meine Arbeitskollegin mich mitversorgt. Und ich hatte einen Deal mit meinem Nachbarn. Der hat mir jeden Monat ein Gramm in den Briefkasten geworfen, dafür dass er über mein W-LAN Fifa zocken durfte. In Bonn gibt es die Hofgartenwiese, wo man beim freundlichen Afrikaner einen Zehner auf die Faust kaufen kann. Die Versorgung in Deutschland ist wohl ziemlich lückenlos. Und jeder Kiffer aus NRW hat wohl schon dn obligatorischen Trip nach Maastricht gemacht. Mein Lieblingsladen war immer das Heaven 69. Freundliche Girls und weltklasse Milkshakes.

Meine letzte Connection war allerdings einmalig. Ein kleines Türkisches Coffee Café direkt um die Ecke. Täglich von elf bis elf geöffnet. Die Preise waren eher übel, aber es war eben praktisch ohne Ende. Kein Telefonieren, kein Warten, kein Stress. Einfach rein, an der Theke, bestellen und ab nach Hause. Supereasy. Die ganze Bude hatte nur diesen einen Zweck. Es gab so eine Art Code: man musste nach einer bestimmten Person fragen und schon war alles geritzt. Natürlich haben das auch die Cops irgendwann gerafft, aber dann wechselte einfach das Personal und es ging wieder von vorne los. Das Café gibt es noch, ich gehe nur nicht mehr hin.

Gesetzliche Regelungen ändern einfach gar nichts. Die NPD verbieten zu wollen, führt schließlich auch zu nichts. Genauso wie es die Rechten immer geben wird, wird es auch immer Kiffer, Kokser und andere „Rangruppen“ geben. Ich denke die Legalisierung wird kommen. Die Amerikaner probieren es ja grad. Ich bin mal gespannt, welche Ausmaße das dort annimmt. Aus Holland hört man ja eigentlich nur Gutes dazu.

Mir war das immer wurscht. Ist eine Connection verebbt, fand sich irgendwo die Nächste. In meinem Telefon habe ich noch immer ein paar Nummern, die ich stets nur für den einen Zweck angerufen haben. Die Namen dazu lauten: J, Flötz, der Dicke u.s.w. Aber um das Thema Sucht auch an dieser Stelle aufzugreifen: es ist ganz einfach herauszufinden, ob man ein Problem mit dem Kiffen hat. Du hast nur noch ein, zwei Gramm zu Hause und fängst dann bereits an die ersten SMS zu schreiben: „Yo J, wie sieht es aus? Ist der Günter bei Dir? Ich muss ihn sehen.“ Oder: „Hey Dicker, was geht? Hast Du Mary Jane getroffen. Ich brauch nen Termin.“ Kein Gras zu Hause zu haben war nicht cool. Das hat mich gestresst. Und das letzte Gramm hab ich stets am Stück weggeballert. Anstatt ein bisschen was für den Fall der Ebbe aufzubewaren, habe ich dann noch mehr geraucht, als ich es eh schon tat. Und die Zeit zwischen Leerstand und Nachschub war stets unentspannt. In diesen Phasen habe ich oft erkannt: Mann Franzl, Du hast ein echtes Problem. Aber dieses Problem konnte ich auch später angehen. Diese Situation habe ich bestimmt hundertmal erlebt. Trotzdem hab ich immer Nachschub geholt. Und weiter gebufft. Und immer weiter gebufft. Die Anzeichen für einen problematischen Konsum sind so eindeutig. Und trotzdem ist der Ausstieg unheimlich schwer. Erst die wahre Erkenntnis führt zum Erfolg.

Also: Bist Du nervös, wenn der Stoff zu Ende geht? 

Dann rede mit Jemandem. Such Unterstützung. Weihe enge Bekannte ein. Stell dich Deiner Sucht. Sucht ist ein Problem, aber kein Weltuntergang. Ich fühle mich jetzt, nach zehn Wochen, schon viel freier. Ich bin immernoch moody und schlafe komisch, aber es wird. Es wird besser.

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6 Kommentare

  1. Hi Franzl

    Ich komme aus der Schweiz. Bei uns ist das mit der Versorgung auch kein Problem. Besonders fiel in der Vergangenheit auf, dass Polizei und Gericht das Gesetz eher mit lockerer Hand durchsetzten und auch die Urteile kaum eine abschreckende Wirkung hatten. Die Legalisierung ist bei uns ein des langen und breiten diskutiertes Thema. Gab auch schon verschiedene Vorstösse von Bürgerorganisationen in Form von Verfassungsinitiativen – was bei uns Dank der halbdirekten Demokratie möglich ist. Bis dato alle vom Volk abgelehnt.

    Meine Haltung betreffend Legalisierung evolutierte. Früher war ich klar dafür und verglich mit Alkohol, der ja angeblich schlimmer sein soll; aber dennoch legal ist. Heute denke ich anders. Nur weil das eine Übel nicht mehr aus der Gesellschaft verbannt werden kann, rechtfertigt das überhaupt nicht, dass man ein weiteres potenzielles Übel einführt. Wie Du richtig schreibst, wird es Kiffer immer geben. Ich bin aber überzeugt, dass eine Legalisierung des Cannabis Signalwirkung hat – Verharmlosung. Wird nicht empfohlen aber toleriert. Selbst umfassende und wiederholte Prävention wird m.E. den Effekt der Verharmlosung nicht aufzuwiegen vermögen. D.h. unterm Strich werden wir mehr Kiffer haben als vorher! Allerdings bin ich klar dafür, dass der Hanfkonsum im Sinne des Eigenbedarfs straffrei werden sollte. Die Kriminalisierung von Kiffern halte ich für Fehl am Platz.

    Bist Du nervös, wenn der Stoff zu Ende geht?

    Und wie ich das war! Immer noch bin – aber nicht mehr in dem Ausmass wie zu meinen Sternstunden. Nichts zu kiffen zu hause zu haben, war der blanke Horror! Notfalls im Regen zwei Stunden zu Fuss, einbeinig bergauf hüpfend…. Keine Müh‘ war zu gross. Klar, war mir bewusst, dass ich ein Problem hatte. Bis ich wieder Stoff aufgetrieben… Dann hatt‘ ich kein Problem mehr. In einem Punkt unterscheiden wir uns aber deutlich. Mein letztes Gramm schien ewig zu halten! Gefühlte zehn Tüten konnte ich aus quasi nichts mehr basteln. Unbeschreiblich sparsam – plötzlich. Von der Not getrieben. Schrecklich, wie sich das liest! Will ich das wirklich?

    Grüsse
    Bicki

    1. Hi. Jeder hat da wohl seine eigene Taktik, wie er/sie mit dem letzten Gramm umgeht. Dazu fallen mir noch meine Restetüten ein: den Grinder auskratzen, Krümel aus Teppich und Couch sammeln oder Minitüten mit dem Pollenstaub aus Tütchen und anderen Grasbehältern. Mir kam das dann schon arg junkiehaft vor, aber es ging trotzdem immer weiter. Danke für diese Erinnerung und Beste Grüße in die Schweiz.

      1. Jaa, wenn die Kiffe zuende geht…. Bei uns auch „Staubfachmodus“ genannt. 🙂
        Ich muss gestehen, zur zeit motiviert es mich, wenn Freunde da sind und sich Gedanken machen, „wo denn noch was geht“. Mies und unkollegial, aber ich bin beruhigt, dass ich mir „keinen Kopf machen muss“. ( Haa! Super Wortspiel 😀 )
        Worauf ich mich auch freue: Autofahren können, ohne ständige Paranoia. 🙂

        Guten Start ins Wochenende, lieber Franzl, allen anderen Abstinenzlern, denen, die es werden wollen und auch den Potheads unter den Lesern.

      2. Wenn es tatsächlich mal nichts gab, war das immer richtig übel. Auch von mir einen guten Start ins Wochenende an alle Mitleser. Bleibt sauber.

  2. Tjaha, „ist der Günther da“…?
    Bei mir ist er bzw. sein Pappa grade auf unbestimmte (aber sicher längere) Zeit verreist, und weil dies nach Jahren so überraschend kam, hab ich gar keine Notfallnummern mehr und zur Zeit auch echte Schlafprobleme.
    In NL war mein Lieblingsladen übrigens immer der „Skunk“ in Roermond, aber da drüben ist ja jetzt auch nicht mehr alles so easy für Zureisende, und ne Karre hab ich eh nicht.
    Jetzt bin ich schon kurz davor, mal so n synthetisches „Legal High“ auszutesten, obwohl ich mit Chemie sonst nicht viel am Hut habe – naja mal sehn, was sich noch auftut. (Für sachdienliche Hinweise jeder Art wäre ich natürlich höchst dankbar ; )
    http://misanthrope.blogger.de/stories/2518941/

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