Argumente fürs Kiffen: Notwendigkeit

Es ist erschreckend zu bemerken, wie sich meine Argumention verdreht.

Notwendigkeit, dass war lange Zeit für mich ein Argument nicht mit dem Kiffen aufzuhören. Ich hab mein Leben doch im Griff. Schule irgendwann mit Abitur abgeschlossen. Zivildienst geleistet. Danach in Regelzeit das Studium durchgezogen (pun intended), mit sehr guter Abschlussnote. Danach hab ich einen Job in einer fremden Stadt angenommen und fünf Jahre hart gekifft und semi-hart gearbeitet. Läuft doch Alles, hab ich mir gedacht.

Die Kifferei schränkt mich nicht ein. Ich pflege soziale Kontakte und vor allem: Ich erkenne stets die Notwendigkeit. Die Notwendigkeit wichtige Termine einzuhatlen, für Prüfungen zu lernen und sie zu bestehen, Deadlines einzuhalten, Soziale Kontakte ab und an zu pflegen und natürlich genug Geld zu verdienen, dass die 150 bis 250 Euro für Gras jeden Monat kein Problem darstellen.

Mein engster Kiff-Kumpane, nennen wir ihn hier und in Zukunft einfach Friedrich Schiller, also Friedl, wir habe diese Notwendigkeit stets als unsere Stärke bezeichnet: „Guck se dir doch an, all die Lappen mit ihren 0815-Leben, die morgens nicht aus dem Bett kommen. Und wir kiffen uns die Hirse weg und morgens geht es ab in den Job und dann wird in die Tasten gehackt.“ Ja – Recht hatte er damit, aber besser als all die Normalos hat uns das sicher nicht gemacht. Ich kenne auch Bekannte aus meiner Schul- und Uni-Laufbahn, die diese Notwendigkeit einfach nie erkannt hatten. Prüfungen „verschlafen“, oder lange geplante Verabredungen mit fadenscheinigen Ausreden kurzfristig per SMS absagten. Das Abi vergeigten und so weiter. Menschen sind unterschiedlich gestrickt, ob Kiffer oder Nicht – dem Einen fällt es leicht auch unangenehme Dinge anzugehen, dem Anderen eben nicht.

Heute hat sich meine Argumentation völlig verdreht. Ich bin jetzt rund zehn Wochen sauber und heute frage ich mich, warum ich denn nie mehr als das Notwendigste erledigt hab. Ich hatte in den letzten zehn Jahre auch nie den Anspruch mehr zu tun, als eben das Notwendigste. Hautsache es läuft! Dabei will ich eigentlich mehr. Und momentan fällt mir genau das schwer. Ich fühle mich noch immer gerädert, ich komme morgens erstaunlich schwer aus dem Bett. Aber ich will mich nicht in Ausflüchte retten. Ich sehe es als neues Ziel. Konzentration auf eine Sache und dann Alles geben. Das ist leicht gesagt und wir werden sehen, wie konsequent und erfolgreich ich dieses Ziel verfolgen werde.

Erkenntnis ist der erste Schritt und so. Es ist wirklich erschreckend, dass sich meine Realität in so kurzer Zeit so extrem verschoben hat. Ich bin lange nicht suchtfrei, werde ich wohl nie sein, aber es scheint als verschiebe sich meine Welt. Das Leben ist kurz und ich hab noch ein paar Sachen vor. Jeden Tag zu kiffen hält auf. Das habe ich lange Zeit nicht erkannt. Auf geht’s. Mund abwischen und weitermachen.

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8 Kommentare

  1. Bravo. Ich unterstütze dein Vorhaben zu 100%. Ich hoffe du schaffst es dein Leben lang clean zu bleiben. Toi Toi Toi.

  2. Vorweg: Alles hier beschrieben ist natürlich reine Fiktion 🙂
    Danke für den Verweis Bernd. Bin selbst Konsument und viele deiner Gedanken hatte ich auch schon.
    Vor allem was Sucht, Selbstkontrolle und den gewollten Exzess angeht!
    Das was mich am meisten beschäftigt ist die Frage was mein ich sagt und welche Stimmen aus meinem Suchtgedächtnis also vom Eichhörnchen kommen.
    Somit ist selbst ein normaler Gedankengang mit nüchternem Kopf(wenn es sowas überhaupt gibt wenn man jemals eine Droge konsumiert hat und damit von vergangenen Erlebnissen beeinflusst ist) von mir nicht eindeutig so interpretiert werden kann auch wenn es nicht um unmittelbaren Konsum also heute Kiffen oder nicht Kiffen geht. Selbst Fragen wie „Wieweit habe ich mich Verändert“ oder „Bin ich süchtig“ können nicht zweifelsfrei beantwortet werden.
    Was Tabak angeht: Ich habe diesen Störfaktor ziemlich schnell identifiziert und versuche nun seltener in der Kneipe/bei Partys zu rauchen. Auch versuche ich Gras und Tabak als Drogen zu trennen um eventuelle Suchterscheinungen besser wahrnehmen zu können. Heißt wenn ich drehe wird pur geraucht(oft nur ein kleines Stück und den restlichen puren Tabakstängel schmeiße ich weg).
    Man sollte erwähnen dass ich mit schlechteren Grundbedingungen in den Konsum eingetreten bin. Ich war immer schon grenzenlos faul und erledigte meine Schule nach dem Minmax Prinzip.
    Bin auch erst 20 und kiffe erst seit ca. einem halben Jahr. Vorher schon ab und an mal wo mitgeraucht aber kein eigenes Gras bezogen.
    Ansonsten: Würde wieder lesen da endlich jemand der reflektiert ohne den Konsum generell abzulehnen.

    1. Grammatikalisch nicht gerade einwandfrei aber einen Edit-Knopf gibt es nicht und ich habe mir nicht die Mühe gemacht nochmal drüber zu lesen. Ich hoffe es stört nicht zu sehr.
      Gruß

      1. Danke für den Beitrag. Fehler passieren. No Biggie. 20 war mein Einstiegsalter. Gras ist kein Heroin und ein Joint im richtigen Moment kann durchaus Sinn machen. Besonders mit Livemusik hatte ich high tolle Erlebnisse.

        Aber achte auf dein Konsummuster. Alleine zu kiffen ist oft ein kritischer Punkt. Setz Dir eigene, softe Regeln. Mach längere Pause. Und sprich mit Jemandem über evtl. Sorgen. Frohsinn kann man nicht erkiffen. Sortiere Deinen Kopf, dann wird alles gut.

        Sei 20. Raste aus.

  3. Gott. Ich liebe gerade Deinen Kommentar mehr als den Eintrag! „Sei 20. Raste aus.“ und „Frohsinn kann man nicht erkaufen“ – Danke!

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